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Im Gespräch | Beitrag vom 14.12.2018

Comiczeichner Flix Der Meister des kreativen Strichs

Moderation: Ulrike Timm

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Ein gezeichnetes Selbstporträt von Felix Görmann (Felix Görmann)
Felix Görmann zählt zu den bekanntesten Comic-Autoren Deutschlands. (Felix Görmann)

Den Spitznamen Flix hatte Felix Görmann schon als Kind. Inzwischen ist Flix eine Erfolgsmarke: Seine Comics sind Bestseller. Begonnen hat alles mit seiner Diplomarbeit - in Form einer gezeichneten Geschichte.

Als erster nicht-frankophoner Künstler darf Flix  in diesem Jahr eine neue Geschichte der legendären Comicfigur Spirou zeichnen. Die Serie gehöre neben Asterix, Lucky Luke und Tim & Struppi zu den "Säulenheiligen" des franko-belgischen Raumes, sagt Flix. Deshalb sei ihm die Anfrage, Spirou zu zeichnen, spontan wie eine Schnapsidee vorgekommen:

"Das ist wie wenn jemand sagt: Möchtest du zum Mond fliegen?"  Flix sagte trotzdem sofort: Ja. "Ich springe immer erst in den Pool rein und gucke dann, ob Wasser drin ist."

"Ich darf eine Seite 'Asterix' machen – total geil"

Er nennt die Geschichte "Spirou in Berlin" und lässt sie in der DDR – kurz vor dem Fall der Mauer – spielen. Schon nach einem Tag ist "Spirou in Berlin" vergriffen. Inzwischen gibt es die sechste Auflage, 40.000 Bücher sind verkauft. Und die Erfolgsgeschichte von Flix geht weiter. Zur Zeit zeichnet der 42-Jährige an einer "Asterix"-Jubiläumsausgabe mit. Der Kult-Comic feiert im nächsten Jahr seinen 60. Geburtstag. Am Jubiläumsband sind 60 internationale Künstler beteiligt: "Ich darf eine Seite 'Asterix' machen – total geil."

Felix Görmann in seinem Arbeitszimmer (Mari Boman)Flix hat mittlerweile über 20 Bücher veröffentlicht. (Mari Boman)

Flix Karriere beginnt mit einer Diplomarbeit. Er ist 26 Jahre alt, als er 2002 einen Comic als Abschlussarbeit für sein Kommunikationsdesign-Studium in Saarbrücken und Barcelona vorlegt. Statt akademischer Erörterungen präsentiert er den Prüfern, die von ihm gezeichnete Geschichte "Held" – eine teils autobiografische Lebensgeschichte von der Geburt bis zum Tod. "Held" wird schnell als Buch veröffentlicht und 2004 mit dem Max-und-Moritz-Preis prämiert - die wichtigste Auszeichnung für Comics in Deutschland. Heute zählt der inzwischen 42-Jährige zu den bekanntesten Comic-Bestsellerautoren. Über 20 Bücher hat er veröffentlicht, regelmäßig zeichnet er für namhafte deutsche Zeitungen.

Comics für die Uni

Charakteristisch für seine Figuren sind seine "Quadernasen".  Nase und Augen seiner Figuren zeichne er immer als erstes. Er macht viele Entwürfe, schmeißt viele Skizzen weg. Am liebsten arbeitet er ab morgens um 9 Uhr am Schreibtisch seines Ateliers:

"Ich bin niemand, der im Alltag überall sitzt und scribbelt, aber ich gucke mir alles an, ich sammele das wie ein Schwamm, und wenn ich im Atelier bin, wringe ich den aus und dann kommt es aufs Papier."

Thematisch widmet Flix sich oft ernsten Geschichten, die er aber in leichtem Ton erzählt. Zu seinen Spezialitäten gehören Bildergeschichten von literarischen Klassiker wie "Faust" oder "Don Quijote". Darauf ist er besonders stolz:

"Inzwischen ist es so, dass meine Faust-Comics in Universitäten besprochen werden. Da werden Hausarbeiten drüber geschrieben. Sie sind Thema von Magisterarbeiten. In der Hochkultur  mit diesen ‚Schundheften‘ in Anführungszeichen angekommen zu sein: Das ist super. Das ist das, was wir für dieses Medium brauchen."

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