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Kompressor | Beitrag vom 14.10.2020

Comic "Dreimal Spucken" von Davide ReviatiGefangen in Stereotypen

Sebastian Dörfler im Gespräch mit Johannes Nichelmann

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Schwarz-weiß Zeichnung von Davide Reviati: Ein junge übergibt sich und es kommen schwarze Vögel aus seinem Mund, die in den Himmel fliegen, (Davide Reviati/avant-verlag)
Guido kotzt schwarze Vögel im Comic "Dreimal Spucken" von Davide Reviati. Vor allem die Zeichnungen seien sehr intensiv, lobt unser Rezensent. (Davide Reviati/avant-verlag)

Der italienische Zeichner Davide Reviati behandelt in seinem Comic „Dreimal Spucken“ den nationalsozialistischen Völkermord an Sinti und Roma und die anhaltende Geschichte der Diskriminierung. Das gelinge ihm nur begrenzt, sagt unser Rezensent.

Das Comic "Dreimal Spucken" von Davide Reviati erzähle die Geschichte einer Jugend von heranwachsenden Jungs in einem italienischen Ort in den 60er-Jahren, erklärt Kompressor-Redakteur Sebastian Dörfler. Erzählt aus der Perspektive des jungen Guido, bekommen die Leser mit, wie die Jugend der Jungs aus Kiffen, Langeweile und Gewalt besteht.

Starke Zeichnungen, schwächere Story

In einer Szene wird Guido schlecht. Er übergibt sich und spuckt schwarze Vögel aus sich raus, die in den Himmel fliegen.

"Klingt pathetisch, zeigt aber irgendwie auch den Horror von diesen Jungs, die nichts mit sich anzufangen wissen, außer dass da irgendwelche Emotionen und Gefühle in ihnen drin sind, die raus wollen", sagt Dörfler.

Es wirke, als käme die Gewalt der Welt über diese schwarzen Striche in die Figuren hinein, die Zeichnungen seien sehr dunkel und düster. Das sei auch die Stärke des Comics, das "wahnsinnig gut gezeichnet" sei. Man sieht jeden Strich, jede Bewegung "und dadurch wirkt das Comic und die Geschichte sehr intensiv", so der Rezensent.

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Die Jungs um Guido lernen die Familie Stančič aus Slowenien kennen, die als "fahrendes Volk" vorgestellt und von der Dorfgemeinschaft ausgegrenzt und diskriminiert werden. Gleichzeitig gibt der Comic einen historischen Abriss von der Verfolgung und Vernichtung der Sinti und Roma im Nationalsozialismus.

Zu viele Stereotypen

Leider arbeite das Comic mit vielen Stereotypen, bemängelt Dörfler. Guidos Freund Moreno lerne zwar auch etwas über seine eigene Herkunft und entdeckt schließlich, dass er adoptiert und selbst ein Sinto zu sein scheint. (*)

"So versucht Reviati, dann doch zu erzählen, dass wir eigentlich alle nur Menschen sind", so Dörfler. Allerdings wirke das Comic "überfordert von dem eigenen Stoff".

Das liege auch daran, "dass man offenbar bei dem Thema Antiziganismus immer das Gefühl hat, bei null anfangen zu müssen, weil die Gesellschaft da so wenig Wissen hat", sagt der Journalist. "So steht man wieder vor dem 'ganz Anderen' und den ganzen Stereotypen und findet erzählerisch nicht mehr raus. Das ist hier leider auch passiert."

Davide Reviati: "Dreimal Spucken"
Avant Verlag, Berlin 2020
600 Seiten, 34 Euro

*Redaktioneller Hinweis: In der vorangegangenen Version hatten wir Namen verwechselt. Wir haben das korrigiert.

(nho)

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