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Interview | Beitrag vom 14.08.2020

Christoph Stölzl über das Exilmuseum BerlinEine Brücke in die anderen Welten

Moderation: Julius Stucke

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Entwurf eines länglichen Gebäudes. (Stiftung Exilmuseum Berlin/Dorte Mandrup)
Ein Gebäude für große Geschichte, die aber nicht "aufgeblasen oder feierlich" wirken soll, ist der Gewinnerentwurf für das Exilmuseum in Berlin. (Stiftung Exilmuseum Berlin/Dorte Mandrup)

Für das Exilmuseum Berlin steht der Siegerentwurf fest: Das Kopenhagener Architekturbüro Dorte Mandrup hat den Zuschlag erhalten. Der Stiftungsdirektor Christoph Stölzl ist äußerst zufrieden mit dieser Entscheidung.

Am ehemaligen Anhalter Bahnhof in Berlin soll das Exilmuseum entstehen, in dem ab 2025 in einer Dauerausstellung Geschichten von Menschen erzählt werden sollen, die sich dem Einfluss der Nazis entziehen konnten. Von den eingereichten Entwürfen hat eine zehnköpfige Jury, die mit Vertretern aus Politik und Gesellschaft und Architekten besetzt war, jetzt den Entwurf des Architekturbüros Dorte Mandrup aus Kopenhagen ausgewählt.

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Stiftungsdirektor Christoph Stölzl lobt alle Entwürfe, mit dem Gewinnerentwurf habe aber sein "absoluter Favorit" den Zuschlag erhalten. Wenn man sich den Bau genau anschaue, sei es kein Kasten, sondern eine Brücke. "Wenn man überhaupt nach einer Metapher sucht, dann ist ja diese große Geschichte des Exils in der Tat eine Brücke des von den Nazis terrorisierten Europa hinüber in die anderen Welten." Und all diese Geschichte des Exils könnten nur in vielen, vielen Einzelbiografien erzählt werden.

Der erste Eindruck von dem Gebäude müsse sein, dass es um große Geschichte gehe, ohne deswegen "aufgeblasen oder feierlich" zu sein. Und dieser Ansatz repräsentiere der Entwurf sehr gut, sagt Christoph Stölzl. Man wisse, es handele sich nicht um eine "denkmalpflegerische Nettigkeit" gegenüber dem erhaltenen gebliebenen Bahnhofsportal, sondern er ist tatsächlich kraftvoll und habe eine eigene Erzählung.

Zukünftige Ausstellung mit Bildern und Tönen

In Deutschland gibt es seit Jahrzehnten eine große Exilforschung, sagt Christoph Stölzl, in der zukünftigen Ausstellung sollen dazu nun Bilder und Töne gesucht werden. Es gebe leider wenige Fotos und Filmaufnahmen dazu, "aber wenn man gräbt, findet man etwas". Man bräuchte sich beispielsweise nur die Spuren anschauen, die emigrierte Künstler und Künstlerinnen in Hollywood hinterlassen haben.

Ein älterer Mann sitzt auf einer Bühne. (imago images/VIADATA)Christoph Stölzl, Gründungsdirektor des geplanten Exilmuseums. (imago images/VIADATA)
500.000 Menschen seien vertrieben worden, daher tauge die "klassische Wandabwicklung eines historischen Museums" nicht für das Exilmuseum. Die "modernen tollen Mittel" der Medien sollen dafür genutzt werden. Bereits seit drei Jahren "füttert" ein Team eine gewaltige Datenbank mit Angaben zu Originaltönen und Filmaufnahmen, erläutert Stölzl.

Lehren aus den Exilgeschichten

Heute müssten die Exilgeschichten auch anders erzählt werden als vor 30 Jahren, ergänzt der Historiker. Aktuelle Fluchtgeschichten könnten nicht mit den Vertreibungsgeschichten der "ganz spezifischen eher mittelständischen intellektuellen Exilanten in den 30er-Jahren" gleichgesetzt werden.

Aber "Urerfahrungen des Passverlustes, des Heimatverlustes, der beruflichen Degradierung, der sprachlichen Isolierung", das sei alles sehr ähnlich. In der Betrachtung dieser damaligen Schicksale lerne man sehr viel darüber, wie man es heute besser machen könne. So sei der deutsche Asylparagraph eine Antwort auf die schreckliche Aussperrung vieler Flüchtlinge aus Deutschland während der 30er- und frühen 40er-Jahre gewesen. So werde es im Museum auch Platz für Initiativen geben, die sich mit heutigen Fluchtschicksalen beschäftigen.  

(jde)

Eine Einschätzung unseres Architekturexperten Nikolaus Bernau zum Wettbewerb und zum Siegerentwurf können Sie hier nachhören:

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