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Neue Musik | Beitrag vom 26.02.2019

Christoph Ogiermann und Jan van HasseltA.r.G.da.Na.ni

Hörstück von Christoph Ogiermann und Jan van Hasselt

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Ein Gemälde eines Monsters, das grob mit weißer Farbe übermalt ist. (Jan van Hasselt / privat)
Den Namen des Ungeheuers dürfen wir nicht ausschreiben: A.r.G.da.Na.ni (Jan van Hasselt / privat)

Wir dürfen ihn nicht zeigen und seinen Namen nicht nennen. Die japanische Produktionsfirma Toho achtet peinlich auf den Schutz der Trademark des filmischen Ungeheuers. Vielleicht liegt es auch daran, dass er in seiner japanischen Heimat eine Art Gott ist.

Eine Art Dino mit Stacheln auf dem Rücken, erkennbar als Mensch in einem verhältnismäßig schlichten Gummianzug, der eine Kulisse aus Miniaturhäusern zertrampelt und einen Schrei ausstößt, der klingt, als wäre ein Grammophon kaputt. Welten, die von heiligen Motten, gerupften Weltraumhühnern und freundlichen Riesenmaden bevölkert werden. Ein Monster, das in Japan jeder kennt.

Nur für Freaks? Dann würde man ihn wohl kaum in einem Atemzug mit King Kong und Frankensteins Monster nennen. Und Hollywood hätte niemals 285 Millionen Dollar für zwei amerikanische Franchise-Versionen ausgegeben.

Seltsame Sendung

Was fasziniert so an Argdanani? Wer ist er? Und was will er eigentlich hier? Oder eher noch: Was wollen wir von ihm? Gemeinsam arbeitet das Duo an seltsamen Projekten: experimentell, improvisiert, schroff, paradox, kurios, schräg, hypertroph – auf der Suche nach dem Irrsinn in der sogenannten Normalität.

Künstlerduo Christoph Ogiermann -Jan van Hasselt

Das Selbstverständnis des Bremer Komponisten Christoph Ogiermann ist ein dezidiert antibürgerliches. In seiner Musik werden Alltagsprobleme thematisiert: die Phänomene Stress, Überforderung, Fremdheit und Angst. Im Grunde geht es um eine Art Sprachneufindung, um entgegen den falschen Sicherheiten Kommunikation zu ermöglichen. Ogiermann hat mit Theaterprojekten begonnen, ist Komponist, Sänger, Rezitator, Instrumentalist, Klangregisseur und vor allem auch Improvisator.

Zwei Männersitzen an elektronischen Geräten und gestalten ein Hörerlebnis bei einer Aufführung (Diametrale)Das Künstlerduo, Christoph Ogiermann und Jan van Hasselt, in Aktion. (Diametrale)

Er ist also nicht  in erster Linie und ausschließlich Schreibtischmensch, sondern fast immer in der vorderen Reihe des direkten Kontakts mit dem Publikum an der Aufführung seiner Werke und Projekte beteiligt. Er spricht mit dem Publikum, auch im unmetaphorischen Sinn: vor der Aufführung und nach der Aufführung. Jan van Hasselt produziert vor allem Dokumentarfilme, Fernseh- und Radioarbeiten und multimediale Theaterprojekte. Sein thematischer Schwerpunkt liegt auf der filmischen Untersuchung ausgefallener oder hermetischer Themen wie soziale Strukturen (politischer Aktivismus, Kultur von Großunternehmen), kulturelle Randerscheinungen (Monsterkult im Film, experimentelle Musik) oder im Aufdecken ungewöhnlicher Zusammenhänge (Lärm und Metaphysik, kollektive Schuld und Geschmacklosigkeit).

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