Seit 13:05 Uhr Länderreport

Mittwoch, 19.06.2019
 
Seit 13:05 Uhr Länderreport

Lesart / Archiv | Beitrag vom 25.03.2015

Chigozie Obioma"Der Staat Nigeria hat versagt"

Chigozie Obioma im Gespräch mit Barbara Wahlster

Podcast abonnieren
Der nigerianische Schriftsteller Chigozie Obioma bei einer Lesung auf der Lit.Cologne 2015. (Imago / Horst Galuschka)
Der nigerianische Schriftsteller Chigozie Obioma bei einer Lesung auf der Lit.Cologne 2015. (Imago / Horst Galuschka)

Liebe wird zu Hass, Wut gerät außer Kontrolle: Das sind treibende Kräfte im Debütroman des nigerianischen Autors Chigozie Obioma. Der Antrieb seines Schreibens sei auch eine "tiefe Wut" gewesen, sagt der Autor. Denn Nigeria sei früher eine ganz andere Nation gewesen.

"Der dunkle Fluss" heißt der Debütroman des nigerianischen Schriftstellers Chigozie Obioma, der gerade auf Deutsch erschienen ist. Vor dem Hintergrund politischer Ereignisse in den Neunziger-Jahren geht es um eine Familiengeschichte. Darin spielt auch eine düstere Prophezeiung, die Hass und Gewalt auslöst, eine große Rolle.

Für das Schreiben fiktionaler Geschichten müsse es einen bestimmten Antrieb geben, sagte Obioma im Deutschlandradio Kultur. In seinem Fall sei dieser Antrieb "eine tiefe Wut" gewesen. In der Form einer Allegorie habe er mit seinem Buch auch ein politisches Statement abgeben wollen:

"Denn Nigeria war früher eine ganz andere Nation, bestand aus verschiedensten Stämmen, verschiedensten Völkern. Und dann kommt eine äußere Kraft, eine Kolonialmacht, in diesem Fall Großbritannien, und sagt: 'Seid eine Nation!' Und man versucht dem Land etwas aufzudrücken, was nicht funktioniert, was dann in Kriege und Gewalt ausartet. Und das war etwas, was ich damit auch ausdrücken wollte."

Mit der Geschichte des Buches habe er zeigen wollen, wie Liebe zu Hass werden könne, wie Wut außer Kontrolle geraten könne, meinte Obioma:

"Das war dann auch bei mir der Fall. Und ich habe der Geschichte einfach ihren freien Lauf gelassen."

"Nigeria ist ein künstliches Gebilde"

Obioma äußerte sich auch zu der derzeitigen politischen Lage in Nigeria und den Gräueltaten der islamistischen Terrorgruppe Boko Haram:

"In gewisser Weise hat hier einfach der Staat Nigeria versagt. Das ist das Problem. Und das sind auch diese Faktoren, von denen ich in meinem Roman spreche. Es handelt sich immer wieder um die Frage: Was ist eine Nation? Was ist ein Nationalstaat? Und Nigeria ist ein künstliches Gebilde. Viele Einwohner Nigerias fühlen sich eher an Stämme gebunden."

Der 1986 in Nigeria geborene Chigozie Obioma studierte Englisch, Literatur und Kreatives Schreiben auf Zypern und an der University of Michigan. International gab es großes Interesse an seinem Buch: In kürzester Zeit wurden Lizenzen in die USA, Brasilien, Frankreich, Italien und  Spanien verkauft.

Chigozie Obioma: Der dunkle Fluss
Übersetzt von Nicola von Schweder-Schreiner
Aufbau Verlag, Berlin 2015
313 Seiten, 19,95 Euro

 

Mehr zum Thema:

Islamistische Terrorgruppe Boko Haram - Pakt mit dem Teufel
(Deutschlandradio Kultur, Weltzeit, 24.02.2015)

Teju Cole - Konzentrierte Prosamontage über Afrika
(Deutschlandfunk, Büchermarkt, 19.03.2015)

Nigeria - Fast 50 Tote bei Explosionen
(Deutschlandfunk, Aktuell, 07.03.2015)

Lesart

weitere Beiträge

Buchkritik

weitere Beiträge

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur