Charly Hübner im "Polizeiruf"

Warum wir Kommissar Bukow vermissen werden

05:52 Minuten
Ein Mann und eine Frau stehen vor einem Schiff im Hafen. Der Mann steckt sich eine Pistole in den Gürtel.
Turnte sich im Polizeiruf 110 uneitel durch das große Register seiner schauspielerischen Fähigkeiten: Charly Hübner als Kommissar Bukow. © picture alliance / Bernd Wüstneck
Von Matthias Dell · 08.01.2022
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Ein Polizist, der Vorschriften nicht immer so genau nimmt - so spielte sich Charly Hübner 24 Folgen in die Herzen des Publikums. Nach "Keiner von uns" ist für ihn Schluss beim Rostocker "Polizeiruf", aber Kommissar Bukows Team wird bleiben.
"Genau, es geht um eine Trauerfeier: Da kommt man hin, sagt 'Beileid' und geht wieder, das ist ganz einfach", sagt Kommissar Bukow.
Ganz so einfach wird das hier nicht. Weil es doch wehtut, wenn Charly Hübners Rostocker Kommissar Bukow nun aus dem "Polizeiruf" ausscheidet. Eine Figur, die in ihrem Draufgängertum an den legendären "Tatort"-Ermittler Schimanski erinnern konnte.

Und jetzt nicht mehr, Lackaffe? – Sagen Sie mal, wie reden Sie eigentlich mit mir? Täusch ich mich, oder haben Sie sich nicht im Griff? – Das ist hier doch alles nur Theater. Noch ein Wort, und ich mach Dich platt, ich riech dich, ich riech dich.

Kommissar Bukow und ein Bösewicht

Und zugleich ganz anders war, weil Charly Hübner sich uneitel durch das große Register seiner schauspielerischen Fähigkeiten turnte. Bukow war auf jeden Fall bekannt wie ein bunter Hund, ein Sohn Rostocks. Und der Sohn einer Unterweltgröße.

Schulhofschläger für die gute Sache

Weshalb der Polizist die Sache mit dem Recht nicht immer so genau nahm. Oder besser: selten. Dabei kippte die Figur aber nie ins Populistische – dafür war der hemdsärmelige Kommissar Bukow zu integer, ein Anschnauzer mit Herz, ein Schulhofschläger für die gute Sache - in dem tief drinnen auch eine Angst saß.

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Und Bukow war nichts ohne sein Team. Mit dem väterlichen Revierleiter Roeder. Mit dem depperten, aber darin liebenswürdigen Poeschel. Mit Volker Thiesler, dem Freund, den alle gern hätten, auch weil er einem im richtigen Moment die Meinung sagt.
Und auch, wenn diese Beziehung einiges aushalten musste, denn das ist ja das Schöne am Rostocker Polizeiruf: Es wird wie in einer Serie erzählt, Figuren entwickeln sich über die einzelnen Folgen, und am besten zeigte sich das im Privaten. So trennte sich Bukow im Lauf der Zeit von seiner Frau Vivien, der Mutter seiner Kinder.

Rechtzeitig verliebt

Um sich rechtzeitig fürs Finale in die Frau zu verlieben, mit der er, die mit ihm seit der ersten Folge flirtete. Katrin König, die Kollegin vom LKA, die anfangs gegen Bukow ermittelte und am Ende selbst erpressbar ist, die die gesunde Ernährung schätzt und Sport treibt und von Anneke Kim Sarnau kongenial gespielt wird in all ihren Entschiedenheit oder auch Zögerlichkeit.
Und so geht es auch uns als Publikum, weil es nicht oft vorkommt, dass die Menschen im Fernsehen, denen man vom Wohnzimmer aus zuschaut, so toll sind wie die im Polizeiruf Rostock, dass man sich freut, wenn sie wieder da sind und man jetzt eben traurig ist, dass Bukow künftig fehlen wird. Was bleibt, ist die Liebe.

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