Chancen im Netz

Kurz und kritisch

Online braucht Visionen - Der erste Apple Macintosh 1984 mit Tastatur, kleinem Bildschirm, Floppy-Disc und Mausbedienung. © dpa/ picture alliance / apple
Von Martin Zähringer · 27.04.2014
Diese Bücher bieten praktische Antworten. Wir lernen, wie Onlinekommunikation offline Wirkung erzielt, wie schlechte Programmierer besser werden - ohne sich dabei schlecht zu fühlen - und wie wir unser digitales Tun selbstkritisch hinterfragen können.
Das Internet hat seinen Zauber verloren. Aber es gibt noch viele kreative Flächen, besonders für theoretische Modellbauer und digitale Konzeptmanager. Eines dieser Konzepte heißt "Das Echo-Prinzip". Seine zentrale Regel: "Online-Action muss offline Wirkung haben." Der Autor hat für Barack Obama eine Online-Action veranstaltet und eine Internet-Wahlkampagne geführt. Die Wirkung offline ist bekannt. Online-Advocacy heißt dieses Geschäft in der PR-Szene, eine wichtige Regel lautet ASK, in etwa: den potentiellen Wähler zur Teilnahme anregen.
"Die Kunst des Asks ist das Investment seiner User richtig einzuschätzen und die Involvement-Hürde nicht zu hoch anzusetzen." Klingt kompliziert und wichtig, bedeutet aber ganz schlicht: Sorge dafür, dass die User deine Page linken, dir auf Twitter folgen, eine E-Mailadresse angeben, ein Foto ansehen, etwas liken, kommentieren, sharen und so weiter. Traditionelle Medien seien als Gatekeeper kein Faktor mehr, die Manipulation übers Geschichtenerzählen bleibe aber nützlich.
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Cover: "Das Echo-Prinzip - Wie Onlinekommunikation Politik verändert" von Yussi Pick© Czernin Verlag
Empfohlen werden vier Narrative: "Das triumphierende Individuum – die wohlwollende Gemeinschaft – der Mob vor den Toren – die Verlotterung an der Spitze". Storytelling heißt das Verfahren, weitere Methoden der Wählermanipulation werden aufgeführt. Leider ist der einzig nachhaltige Eindruck vom digital-politischen Echo-Prinzip die Wucht der Anglifizierung.

Yussi Pick: "Das Echo-Prinzip. Wie Online-Kommunikation Politik verändert."
Czernin Verlag
174 Seiten, 16,90 Euro.

Auf dem Cover prangt ein stolzer Wildesel, die Botschaft könnte lauten: Wer heute das Programmieren nicht beherrscht, ist schon ein rechter Esel. Allerdings – und das ist das Thema – wer schlechten Code schreibt, der fühlt sich auch schnell wie ein Esel. Das müsse nicht sein, denn es gehe vielen so. Und es ist auch weniger schlimm, wenn man sich dazu bekennt, den Teamgeist stärkt und sich vor Augen hält, dass auch etliche der hauptberuflichen Programmierer nicht gerade perfekt sind.
Die professionelle Einführung von Kathrin Passig und Johannes Jander hat also eine große Zielgruppe. Wichtig sind den Autoren vor allem jene Leser, die am großen Projekt freier Software mitarbeiten wollen. Mit Witz, Einfühlung und System werden ihnen die möglichen Debakel des Programmiereralltags erklärt: Mitten im Code auftauchende Zahlen, inkonsistente Schreibweisen, zweifelhafte Dateinamen, verdächtige Tastaturgeräusche – um dann konkretes Debugging anzuleiten, um das eigene Überleben auf der Kommandozeile zu sichern.
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Cover: "Weniger schlecht programmieren" von Kathrin Passig u. Johannes Jander© O'Reilly Verlag

"Weniger schlecht programmieren" lautet der geniale Titel, das Werk ist an Programmierer gerichtet, aber ein Qualitätsmerkmal des am Ende doch gut gewordenen Codes weist über die Zunft hinaus. Ein guter Programmierer sei in der Lage, im Kopf ein geistiges Modell seines Programms zu entwickeln. Was uns mit allen anderen Projekten im Leben auch zu wünschen wäre.

Kathrin Passig und Johannes Jander: "Weniger schlecht programmieren"
Verlag O'Reilly
432 Seiten, 24,90 Euro

"Reduzieren Sie Ihre Daten-Emission auf ein Minimum. Surfen Sie (so gut es geht) anonym durch das Netz. Vermeiden Sie Speicherorte in den USA. Löschen Sie Ihr Facebook-Profil, oder verschlüsseln Sie es wenigstens nach den gegebenen Möglichkeiten."
Das sind fünf der zehn Tipps für mehr Sicherheit im Internet, empfohlen vom Internet-Berater des ehemaligen Kanzlerkandidaten Peer Steinbrück. Der Berater hat inzwischen, wie er offen zugibt, Angst bekommen. Er nutzt weder Facebook, Twitter, WhatsApp, Skype oder Viber, jedenfalls nicht persönlich. Deren Zwecke gefallen ihm nicht, da soziale Medien ihr Kapital – das Wissen über ihre Mitglieder – immer monetarisieren müssen.
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Cover: "WebAttack. Der Staat als Stalker" von Roman Maria Koidl© Goldmann Verlag
Das kleine, aber feine Buch gibt Anregungen, sein digitales Tun selbstkritisch zu hinterfragen. Eine Grundhaltung könnte lauten: Meine Daten gehören mir. Wie man dafür sorgt, zeigt uns ansatzweise:

Roman Maria Koidl: "Web Attack. Der Staat als Stalker"
Goldmann
144 Seiten, 8,99 Euro