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Fazit / Archiv | Beitrag vom 28.02.2020

César-Verleihung in ParisProteste gegen Polanski - drinnen und draußen

Sabine Wachs im Gespräch mit Andrea Gerk

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Demonstranten protestieren am Abend der César-Preisverleihung vor der Salle Pleyel gegen die Nominierung von Polanskis Film "J'accuse". (Mehdi Chebil / Hans Lucas / imago-images)
Demonstranten protestieren am Abend der César-Preisverleihung vor der Salle Pleyel gegen die Nominierung von Polanskis Film „J'accuse“. (Mehdi Chebil / Hans Lucas / imago-images)

Kurz vor der Verleihung der Césars sprach sich der französische Kulturminister gegen einen Preis für den nominierten Regisseur Roman Polanski aus, dem mehrfach sexuelle Gewalt vorgeworfen wird. Sabine Wachs hat die Preisverleihung verfolgt.

Zum Zeitpunkt des Live-Gesprächs in der Sendung "Fazit" waren die wichtigsten Preise noch nicht vergeben. Der umstrittene Regisseur Roman Polanski, dem mehrfach sexuelle Gewalt vorgeworfen wird, war zu diesem Zeitpunkt allerdings schon mit dem Preis für das beste adaptierte Drehbuch ausgezeichnet worden. 

Angespannte Stimmung im Saal spürbar

Dabei habe es eine wunderliche Szene gegeben, sagt Sabine Wachs. Der Schauspieler Jean-Pierre Darroussin habe den Umschlag geöffnet und habe selbst sehr konsterniert und ungläubig auf den Zettel geschaut und sich gar nicht richtig getraut, den Namen auszusprechen. Auch habe es keinen Applaus gegeben und im Saal sei eine angespannte Stimmung zu spüren gewesen.

Gegen die Nominierung von Roman Polanskis Film "Intrige" in zwölf Kategorien habe es massive Proteste vor der Salle Pleyel gegeben, dem Gebäude, in dem die Césars verliehen werden. "Feministische Organisationen hatten dazu aufgerufen gegen Polanski zu demonstrieren, und sie haben dann auch tatsächlich den Eingang blockiert und 'Polanski-Vergewaltiger' skandiert", so Wachs.

Am Rande sei es dann auch zu Ausschreitungen zwischen Demonstranten und der Polizei gekommen. Die meisten hätten allerdings friedlich demonstriert.

Moderatorin begrüßt auch "die Herren mit Fußfessel" 

Die Moderation der Verleihung hatte dieses Jahr die Schauspielerin und Komikerin Florence Floresti übernommen. Sie sei dafür bekannt, dass sie kein Blatt vor den Mund nimmt und habe in ihrer Begrüßungsrede auch "die Herren, die eine elektronische Fußfessel tragen" willkommen geheißen. 

"Dann hat sie auch sehr deutlich Stellung bezogen und sagte, dass sie den Namen Roman Polanski an diesem Abend nicht in den Mund nehmen wird. Und sie hat den Spitzenreiter der Nominierung, Polanskis Film 'J'accuse', der in zwölf Kategorien nominiert war, bei der Aufzählung der Filme einfach nicht genannt!"

Das Präsidium der "Academie des Césars" war vor zwei Wochen zurückgetreten. Dabei hatte die Causa Polanski eine Rolle gespielt, aber ebenso die Vorwürfe der Mauscheleien und die Intransparenz in den Entscheidungen der Akademie. 

"Es ist da nicht durchsichtig, wer überhaupt die Entscheidungen trifft und wie die gefällt werden, was auch die Nominierungen angeht. Da gab es massiven Protest von mehr als 200 französischen Filmschaffenden. Das Präsidium ist zurückgetreten, es gibt eine Übergangspräsidentin, und im April soll dann ein neues Präsidium gewählt werden. Dann soll sich die Akademie auch erneuern, zum Beispiel transparenter werden in ihren Entscheidungen und auch paritätischer werden. Im Moment sitzen weniger als 30 Prozent Frauen in dieser Akademie."

(rja)

Césars 2020 - Die Gewinner:

Bestes adaptiertes Drehbuch: Roman Polanski für "J'accuse"

Bestes Originaldrehbuch: Nicolas Bedos für "La belle époque"

Bester Schnitt: Flora Volpelière für "Les Misérables"

Beste Kamera: Claire Mathon für "Portrait de la jeune fille en feu"

Bester ausländischer Film: "Parasite" von Bong Joon Ho

Bester Hauptdarsteller: Roschdy Zem in "Roubaix, une lumière"

Beste Hauptdarstellerin: Anaïs Demoustier in "Alice et le maire"

Beste Regie: Roman Polanski für "J'accuse"

Bester Film: "Les Misérables" von Ladj Ly

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