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Studio 9 - Der Tag mit ... | Beitrag vom 20.02.2020

Caroline Fetscher zum Todesschützen von Hanau "Der Täter ist ein Kind unserer Zeit"

Moderation: Anke Schaefer

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Zwei Männer in weißen Schutzanzügen betreten ein haus bei Dunkelheit. Sie spiegeln sich in einer Fensterscheibe. Im Vordergrund ein weiß-rotes Absperrband. (picture alliance/Andreas Arnold/dpa)
Spurensicherung in Hanau: Einer der Tatorte war der Heumarkt. Der mutmaßliche Täter erschoss neun Menschen. Er und seine Mutter wurden später tot aufgefunden. (picture alliance/Andreas Arnold/dpa)

Ein rassistisch-nationalistisches, verworrenes Weltbild: Das habe der mutmaßliche Täter von Hanau mit anderen Attentätern gemein, sagt die Journalistin Caroline Fetscher. Verschwörungstheorien seien leider teils auch im Bürgertum zu finden.

Es war nach allen bisherigen Erkenntnissen Rechtsterrorismus: Der mutmaßliche Täter Tobias R. erschoss im hessischen Hanau neun Menschen. Die Polizei fand ihn später tot in seiner Wohnung, er hatte mutmaßlich auch seine Mutter getötet. Es ist bekannt, dass R. im Internet Verschwörungstheorien verbreitete und unter anderem davon sprach, man müsse bestimmte Bevölkerungsgruppen vernichten, weil man sie nicht mehr abschieben könne. Die Journalistin Caroline Fetscher, Autorin beim "Tagesspiegel", erinnert das "rassisch-ethnisch-nationalistische Konzept" und das verworrene Weltbild an "viele andere Amoktaten".

Caroline Fetscher (Deutschlandradio / Manfred Hilling)Caroline Fetscher schreibt seit 1997 für den Tagesspiegel. (Deutschlandradio / Manfred Hilling)

Zu finden sei dieses Denken beispielsweise in den Manifesten des norwegischen Attentäters Anders Behring Breivik und des Attentäters von Christchurch: "Da passt das alles sehr gut rein. Diese verschwörungstheoretischen Elemente findet man ja nun inzwischen leider auch im Bürgertum teilweise", so Fetscher.

Zunehmende Akzeptanz paranoider Ressentiments

Nach dem Mord an dem Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke und dem Anschlag auf die Synagoge in Halle handelt es sich nun offensichtlich um den dritten rechtsextremen Mordanschlag innerhalb kurzer Zeit: "Was umsomehr dafür spricht zu sagen, das ist ein Kind unserer Zeit, also das ist nicht irgendein ausgefreakter Einzelfall - genauso wenig wie der Mann in Halle, genauso wenig wie die Täter, die Herrn Lübcke auf dem Gewissen haben", sagt Fetscher.

Die Journalistin beobachtet eine "zunehmende Akzeptanz gerade solcher paranoider Ressentiments und Deutungsmotive", die weiter in die Gesellschaft eindringe. "Wenn wir bei der AfD zum Beispiel das Wort 'Umvolkung' haben, also die Fantasie, Bevölkerungsanteile sollten ausgetauscht werden, dann ist das letztlich nur die milde Form von dem, was wir bei dieser Art von Tätern in ganz extremer Weise beobachten."

(bth)

Das gesamte Gespräch mit Caroline Fetscher hören Sie hier:

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