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Lesart / Archiv | Beitrag vom 07.04.2017

Carlos Ruiz Zafón und sein "Das Labyrinth der Lichter"Über die Vollendung eines Welterfolgs

Moderation: Joachim Scholl

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Carlos Ruiz Zafón trägt eine schwarze Hornbrille, dunkelblaues Polo und hellblaues Leinensakko vor gelblichem Hintergrund. Er schaut mit einem kleinen Lächeln direkt in die Kamera. (Getty Images / Hulton Archive / Leonardo Cendamo)
Carlos Ruiz Zafón (1964-2020) (Getty Images / Hulton Archive / Leonardo Cendamo)

Carlos Ruiz Zafóns Romanzyklus über den Friedhof der vergessenen Bücher ist ein Bestseller. Jetzt ist der vierte und letzte Band erschienen - und mit ihm eine neue, ungewöhnliche Hauptfigur. "Meine Lieblingsfigur von allen Büchern", sagt Zafón.

Der spanische Schriftsteller Carlos Ruiz Zafón ist tot. Nach Angaben seines Verlags starb der aus Barcelona stammende Autor im Alter von 55 Jahren in Los Angeles. Er hatte seit längerem an einer Krebserkrankung gelitten.
Aus diesem traurigen Anlass können Sie hier ein Gespräch nachhören, das Joachim Scholl 2017 in der Sendung "Lesart" mit Carlos Ruiz Zafón führte.

Programmhinweise:
In der Sendung "Studio 9" sprechen wir um 17.35 Uhr mit dem Übersetzer Peter Schwaar, der sechs Romane von Carlos Ruiz Zafón ins Deutsche übertragen hat. In der Sendung "Fazit" sprechen wir um 23.05 Uhr mit Hans-Jürgen Balmes, dem Programmleiter des Verlags S. Fischer, in dem Zafóns Bücher erschienen sind.

Mit seinem neuen Roman "Das Labyrinth der Lichter" beschließt der spanische Schriftsteller Carlos Ruiz Zafón seine Tetralogie um den Friedhof der vergessenen Bücher. Im Mittelpunkt steht die eigenwillige, knallharte Geheimpolizistin Alicia Gris, die das plötzliche Verschwinden eines Politikers aufklären soll, das wiederum mit einem geheimnisvollen Buch zu tun hat.

Alicia sei aus allen seinen Büchern seine Lieblingsfigur, sagte der Schriftsteller im Deutschlandradio Kultur. "Vor allem steht sie für mich für die Seele des Geistes, der diese vier Bücher ausmacht."

Einmal quer durch die Hölle

Die Geschichte spielt zur Zeit der Franco-Diktatur und schildert auch die zahlreichen Grausamkeiten jener Zeit. Dennoch sei es ihm nicht darum gegangen, einen politischen Roman zu schreiben oder etwas über die Franco-Zeit, betont Zafón. "Es ging mir weniger um die Schlechtigkeit einer Zeit oder einer bestimmten Regierung, sondern um das Böse oder das Schlechte, was in der menschlichen Natur steckt. Und ich denke, dass uns das 20. Jahrhundert viel Gelegenheit gegeben hat, diese Dunkelheit, die in Menschen stecken kann, zu erforschen."

Buchcover Carlos Ruíz Zafón: "Das Labyrinth der Lichter" vor einer Nachtansicht von Barcelona (S. Fischer Verlag / dpa)Buchcover Carlos Ruíz Zafón: "Das Labyrinth der Lichter" (S. Fischer Verlag / dpa)

Die Hauptfigur Alicia sei stark genug, "sich diesem Bösen, dieser unermesslichen großen, bösen Kraft gegenüberzustellen, sie letzten Endes zu bezwingen oder diese Hölle, die keiner bisher hat überschreiten können, weil diese dunklen Mächte einen gleich in sie hineinziehen – diese Hölle sozusagen zu durchqueren", so Zafón.

"Alicia zahlt einen hohen Preis dafür, um auf die andere Seite zu kommen. Das ist gewissermaßen auch ihr Schicksal. Aber um eine Lösung zu schaffen und um uns auch als Leser auf die andere Seite zu bringen, ans Ende dieser Geschichte, musste Alicia eine sehr starke Persönlichkeit sein."

Der Friedhof der vergessenen Bücher steht allen weiter offen

Traurigkeit darüber, dass mit "Labyrinth der Lichter" die Romanreihe um den Friedhof der vergessenen Bücher zu Ende geht, verspüre er nicht, betont der Schriftsteller. "Eher eine Art von Befriedigung, dass diese Arbeit so vollendet werden konnte. Ich sehe diesen Friedhof auch nicht als geschlossen an, sondern offen für alle Leser, die da in den folgenden Jahren noch kommen mögen oder auch jetzt das schon gelesen haben, sodass dieser Ort in ihrer Fantasie ebenso weiterleben kann wie in meiner."

Carlos Ruiz Zafón: "Das Labyrinth der Lichter"
aus dem Spanischen von Peer Schwaar
Verlag S. Fischer, Frankfurt/Main 2017
944 Seiten, 25 Euro

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