Seit 22:03 Uhr Freispiel

Donnerstag, 14.11.2019
 
Seit 22:03 Uhr Freispiel

Fazit / Archiv | Beitrag vom 24.06.2018

Calixto Bieito inszeniert Monteverdis "Poppea" in ZürichDie Selfie-Gesellschaft als Opernkrimi

Bernhard Doppler im Gespräch mit Eckhard Roelcke

Podcast abonnieren
Poppea (gespielt von Julie Fuchs) und Nerone (dargestellt von David Hansen) stehen in der Bildmitte. Im Hintergrund ist ein Teil des einrahmenden Publikums zu sehen.  (Opernhaus Zürich - Foto: Monika Ritterhaus)
"Die Krönung der Poppea" - eine Mischung aus Liebe, Hass und Selbstzweifel (Opernhaus Zürich - Foto: Monika Ritterhaus)

Der spanische Regisseur Calixto Bieito ist für seine drastischen Operndeutungen bekannt. In Zürich feierte nun seine Inszenierung der "Krönung der Poppea" Premiere - und Fazit-Kritiker Bernhard Doppler hätte mehr erwartet.

Die im 17. Jahrhundert von Claudio Monteverdi komponierte Oper "Die Krönung der Poppea" ist ein Krimi mit großer Spannung. Kaiser Nero verstößt seine Ehefrau Ottavia und macht Poppea zur Kaiserin. Diese Oper voller Intrigen hat der spanische Regisseur Calixto Bieito in seiner Inszenierung in die heutige Zeit geholt, in die "Selfie-Gesellschaft".

Eine Totale von der Bühne, in deren Mittel das Orchester eingelassen ist, an den Seiten sieht man diverse Videoeinspielungen (Opernhaus Zürich - Foto: Monika Ritterhaus)Szene aus "Die Krönung der Poppea" - inszeniert von Calixto Bieito (Opernhaus Zürich - Foto: Monika Ritterhaus)

In der Aufführung, in der das Publikum teilweise mit auf der Bühne sitzt, wird die Handlung teils live, teils mit voraufgezeichneten Videos eingespielt. Für Opernkritiker Bernhard Doppler ein "sehr beliebtes Stilmittel". Das Wichtige sei aber eigentlich nicht die Selfie-Gesellschaft, sondern, "dass es eine Oper ist, die Selbstzweifel, die Liebe und Hass in einer Figur immer wieder in ganz großartigen Arien thematisiert."

Das werde auch durch die Stimmen besonders deutlich. Die Rolle des Otone wird beispielsweise von einer Frau gesungen. In manchen Rollen gilt das auch für die Rolle des Nerone, in Zürich übernahm diese Rolle der Countertenor David Hansen. Und "gerade darin liegt auch die Erotik und Sexualität dieser Figuren, die auf der Bühne auch teilweise bisexuell handeln und sich nicht nur auf einen Partner beziehen", sagt Doppler.

Eine prägende und lustvolle, musikalische Interpretation 

Neben den Stimmen haben ihn auch das Orchester und der Dirigent Ottavio Dantone überzeugt. "Es ist eine sehr expressive, oft sehr swingende Musik, die von Dantone sehr prägend und sehr lustvoll zum Einsatz gebracht wird und den großartigen Text von Francesco Busenello immer wieder sehr gut verdeutlicht." 

Am Ende ist Fazit-Kritiker Bernhard Doppler aber doch ein wenig unzufrieden mit dem Abend von Calixto Bieito: "Als Inszenierung habe ich mir eigentlich mehr erwartet. Die Oper ist unglaublich gut und unglaublich vielseitig. Sie enthält historische Figuren, allegorische Figuren, wie zum Beispiel die Liebe, und sie enthält noch Figuren aus dem Volk. Und der Regisseur vermischt das alles eigentlich in eine gleiche Premierengesellschaft. Da wäre meiner Meinung nach noch viel mehr aus diesem Stoff herauszuholen gewesen."

Kulturpresseschau

Aus den FeuilletonsKunstfreiheit oder Demokratie?
Besucher lesen die Kommentare auf den Zettelchen, die an der Stelle befestigt sind, an der das Gemälde "Hylas und die Nymphen" (1896) von John William Waterhouse in der Manchester Art Gallery ausgestellt war. (Britta Schultejans/dpa)

Die "Zeit" widmet sich den Protesten derer, die sich nicht in Museen repräsentiert fühlen. Und das Hamburger Blatt wundert sich über das Verhalten der Institutionen: Kunstwerke würden zu schnell aus Ausstellungen verbannt und die Freiheit der Kunst nicht verteidigt.Mehr

weitere Beiträge

Der Theaterpodcast

weitere Beiträge

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur