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Studio 9 | Beitrag vom 06.01.2016

Bundeswehr in MaliEinsatz in gesetzloser Zone

Von Jens Borchers

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Zu sehen ist ein Arm eines Bundeswehrsoldaten mit dem Missions-Logo von MINUSMA, der Unterstützungsmission der Bundeswehr in Mali. (picture alliance / dpa / Peter Steffen)
Im Rahmen der Mission MINUSMA ist die Bundeswehr im Senegal und in Mali im Einsatz. (picture alliance / dpa / Peter Steffen)

Bisher haben deutsche Soldaten vor allem in einer Ausbildungsmission der EU im relativ ruhigen Süden Malis gearbeitet. Die Friedenstruppe der Vereinten Nationen, MINUSAMA genannt, kümmert sich aber vor allem um den unruhigen Norden des Landes. Dort soll die Bundeswehr verstärkend eingreifen.

Die Friedenstruppe MINUSMA gilt als die gefährlichste Mission der Vereinten Nationen. Seitdem die mehr als 11.000 Frauen und Männer starke Truppe vor zwei Jahren in Mali stationiert wurde, sind 56 Soldaten getötet worden.

MINUSMA hat eine riesige Aufgabe in einem riesigen Gebiet. Der Norden und Nordosten von Mali ist etwa drei Mal so groß wie Deutschland. Dort soll MINUSMA für Stabilität sorgen.

Vor drei Jahren hatten Aufständische diese Region beinahe komplett übernommen. Dann intervenierten französische Soldaten, Mali bekam eine neue Zentralregierung, mittlerweile wurde ein Friedensvertrag mit den Rebellen unterschrieben.

Keine Besserung in Sicht

Seitdem leben die Menschen im Norden Malis mit dem Versprechen, es werde besser. Coulybali, ein 40-jähriger Einwohner der Stadt Kidal, merkt aber nichts  davon:

"Es gibt keine Anzeichen, dass der Staat hier in der Region präsent wäre. Keine Verwaltung, kein Präfekt, kein Gouverneur, kein technischer Service, keine Nichtregierungsorganisationen die den Staat unterstützen. Ich bin wirklich Optimist, aber da ist nichts."

Die Schulen sind nach wie vor geschlossen, Kinder können nichts lernen. Nicht der malische Staat, sondern eine der Rebellengruppen hat in der Stadt Kidal eine Ausgangssperre verhängt. Von abends 20 bis morgens 6 Uhr.

Unterdessen liefern sich Rebellengruppen und selbst ernannte Dschihadisten Gefechte in der Umgebung. Zwar gibt es Einheiten der malischen Armee im Norden, aber sie kontrollieren die Lage keineswegs. Von Gendarmerie oder Polizei ganz zu schweigen.

Sowohl Malis Armee wie auch Polizei und Nationalgarde werden mit Unterstützung der Europäischen Union ausgebildet. Daran sind Bundeswehrsoldaten seit gut zwei Jahren beteiligt. Jetzt sollen Bundeswehrsoldaten in Gao, im Norden von Mali, stationiert werden.

Mali - ein zweites Afghanistan?

In Deutschland diskutiert man schon, ob diese Mission ein zweites Afghanistan für die Bundeswehr werden könnte. General Franz Pfrengle leitete bis Weihnachten die Ausbildungsmission der Europäischen Union in Mali. Seine Einschätzung:

"Hier ist es etwas völlig Anderes als in Afghanistan. Ich spüre hier einen Willen, etwas zu tun. Und wissen Sie: Auch die Leute sind anders. Die Malier sind ein absolut friedfertiges Volk. Ich bin mir sicher, dass mittlerweile die malische Bevölkerung nichts mehr will als Frieden. Und nichts mehr will als Stabilität."

Oberstleutnant Markus Milde führt das bisher sehr kleine Kontingent der Deutschen bei MINUSMA, der Blauhelmtruppe der Vereinten Nationen. Milde war schon öfter im Norden Malis.

"Wir haben des Öfteren Anschläge mit Minen oder auch mit indirektem Stahlfeuer auf die einzelnen Camps der MINUSMA. Direkte Angriffe auf Soldaten im Norden finden ganz, ganz selten statt."

Malis Regierung braucht einen Plan

Verschiedene Gesprächspartner in Mali beschrieben den Norden des Landes als weitgehend gesetzlose Zone. Ob diese Gesetzlosigkeit mit internationaler Hilfe beendet werden kann, ist eine offene Frage. Die malische Regierung will die militärische Unterstützung durch MINUSMA. Aber Oppositionspolitiker wie Tiebelé Drame fordern, Malis Regierung müsse vor allem selbst einen Plan haben:

"Eine eigenständige, nationale Sicherheitsstrategie. In diese Strategie müssten die französischen Spezialkräfte zur Terroristenjagd eingebettet sein. Und MINUSMA eben auch. Aber vor allem müssen wir Malier wissen, was wir wollen. Für die nächsten zwei oder die nächsten zehn Jahre."

Bis dahin steht erst einmal MINUSMA vor einer Herausforderung: Stabilität in Mali zu schaffen. 

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