Bully-Herbig-Film "Tausend Zeilen"

Spiel mit der Wahrheit

11:08 Minuten
Kraftvolle Szene: Die Figur des Claas Relotius zerschlägt im Film Tausend Zeilen sein Spiegelbild.
Ziemlich meta: Die Figur des Claas Relotius zerschlägt sein Spiegelbild im Film „Tausend Zeilen“. © Warner Bros / Marco Nagel
Bully Herbig im Gespräch mit Susanne Burg · 24.09.2022
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2018 erregte der Fall Relotius Aufsehen. Der Spiegel-Autor hatte sich Teile seiner Geschichten ausgedacht. Bully Herbig war sofort klar, dass darin ein Filmstoff lauern könnte. Im Herbst 2022 feiert der Film Premiere. Herbig erzählt, wie es dazu kam.
Es war ein riesiger Medienskandal: die Spiegel-Affäre um Claas Relotius. Der Journalist galt als Wunderkind, seine Reportagen gewannen mehrere Preise. 2018 platzte die Blase. Relotius war als Hochstapler aufgeflogen. Wie sich herausstellte, hatte er sich viele seiner Protagonisten und Teile der Geschichten ausgedacht.
Aufgedeckt hat das sein Kollege Juan Moreno, der die Geschichte in dem Buch „Tausend Zeilen Lüge“ zusammenfasste. Ende September kommt „Tausend Zeilen“ ins Kino, ein Film, der sehr stark von Morenos Buch inspiriert ist. Aus Claas Relotius wird Lars Bogenius, aus Juan Moreno Juan Romero, gespielt von Elyas M’Barek.

Sofort war klar, dass das eine große Geschichte ist

Regie geführt hat ein Mann, der viel in der Comedy zu Hause ist – der bekannt ist durch Filmen wie „Der Schuh des Manitu“ oder „Lissi und der wilde Kaiser“: Bully Herbig. Wann war ihm klar, das könnte Stoff für einen Film sein?
"Ich bin immer auf der Suche nach Geschichten, die man fürs Kino verfilmen kann", sagt Michael "Bully" Herbig. Angesichts der Enthüllungen, Spiegel-Autor Claas Relotius habe sich Teile seiner preisgekrönten Geschichten ausgedacht, hat er so sofort gedacht:
„Das ist groß. Ein großes Nachrichtenmagazin fällt auf einen Hochstapler rein.“ Er hat auch sofort einen Style im Kopf gehabt: „Ein bisschen Thriller, ein bisschen Drama, ein bisschen Satire.“

"Ein riesen Glücksfall"

Als er hörte, dass die Ufa sich die Filmrechte gesichert habe, hat ihn das zunächst gewurmt. Zwei Wochen später sei das Regieangebot gekommen, erzählt Herbig: „Das war ein riesen Glücksfall für mich.“

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Er hat gleich beim ersten Treffen erzählt, wie er sich den Film vorstellt: Welche Temperatur der Film haben müsste und welches Tempo. Reizvoll fand er vor allem, „dass man ja mit dem Thema Lüge total spielen kann". Man könne ja alles behaupten und sich daher auch Dinge ausdenken. „Das hat mich so gereizt. Und ich bin froh, dass es geklappt hat“.
Als er das Buch schließlich gelesen hatte, war ihm klar, dass man Juan Morenos Buch nicht 1:1 verfilmen könne. Man könne sich aber davon inspirieren lassen. „Man muss aber einen eigenen Weg, eine eigene Interpretation finden, wie man die Geschichte so erzählt.“
Autor Juan Moreno bei der Premiere von Tausend Zeilen in Berlin. Er lächelt freundlich in die Kamera.
Ihn gibts wirklich: Autor Juan Moreno bei der Premiere von "Tausend Zeilen" in Berlin. © IMAGO / Sven Simon
Das hat ihm am meisten Spaß gemacht: Die Möglichkeit, andere Haken zu schlagen und Dinge zu erfinden.

Der Film hat gerade in Zeiten von Fake News Wucht

Für Herbig ist der Stoff ein zeitloses Thema. „Klar haben wir diesen Vorfall als Grundlage genommen. Aber es war ja nicht der Erste seiner Art. Aber der hatte natürlich noch mal eine andere Wucht – gerade in Zeiten von Fake News.“
Der Regisseur hat auch den Eindruck, dass heutzutage oft die Schlagzeile viel wichtiger ist als der Inhalt. Geschwindigkeit und Schnelligkeit eine viel höhere Priorität haben. „Es geht nicht mehr darum: Stimmt die Schlagzeile so, wie sie da geschrieben steht oder die Nachricht? Sondern um: Lass sie uns als erstes raushauen.“  
Es gebe ja den Spruch: „Eine gute Recherche zerstört die schönste Geschichte." Deswegen ist er auch kein Journalist: „Weil ich mir die Freiheit nehme, Dinge zu erfinden.“

Inspiriert von der Wirklichkeit

Elyas M’Barek spielt Juan Romero, der vom Spiegel-Autor Juan Moreno inspiriert ist. "Er ist der größte deutsche Kinostar, den wir gerade haben", sagt Bully Herbig. Er hat sich gefragt: "Wie wird man das Image los?" Das habe etwas mit Äußerlichkeiten zu tun, aber auch mit der Art und Weise, wie M’Barek spielt.
Hauptdarsteller Jonas Nay, Regisseur Michael "Bully" Herbig und Hauptdarsteller Elyas M’Barek bei der Premiere von Tausend Zeilen in Berlin.
The Boys are back in Town: Jonas Nay, Michael "Bully" Herbig und Elyas M’Barek bei der Premiere von "Tausend Zeilen" in Berlin. © IMAGO / Metodi Popow
Beide hätten zusammen überlegt, welche Erfahrungen sie mit Journalisten gemacht hätten, so Herbig. Auch da gebe es ganz unterschiedliche Figuren und Charaktere. Die Frage war daher, welche Ticks und Eigenschaften man M’Bareks Filmfigur mitgeben könne.
„Ich fand ganz wichtig, dass man bei ihm auch immer ein bisschen Neid und Eifersucht spürt.“ Diese Kombination aus Erscheinungsbild und Spiel habe dazu geführt, dass Leute aus dem Kino kommen und sagen: „Mensch, so gut haben wir den Elias noch nie gesehen.“
Für Bully Herbig sind die Hauptfiguren auch gar nicht so sehr Gegenspieler. „Wir haben zwei Hauptdarsteller, die gehen ihren Weg – und haben ihre Motivation.“ Er will gar nicht rechtfertigen, was Bogenius, die Figur von Jonas Nay, macht. „Aber man lässt ihn halt auch machen.“ Ihn hat interessiert, warum die Figur das macht – und dafür verantwortlich ist, dass er diesen Spielraum bekommt.
„Nicht, dass ich es erstrebenswert finde, einem Hochstapler nachzueifern – aber ich beobachte ihn gern.“
(ros)

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