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Interview | Beitrag vom 17.01.2020

Bürgermeister zum Kunstraub von GothaEchter Krimi mit echten Gemälden

Knut Kreuch im Gespräch mit Axel Rahmlow

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Der Bürgermeister von Gotha, Knut Kreuch, steht mit vor der Brust verschränkten Armen vor fünf vormals vermissten Gemälden.  (dpa)
Im Hintergrund zugesehen und vielleicht ein bisschen die Fäden gezogen: Gothas Bürgermeister Knut Kreuch will die zurückerhaltenen Gemälde in seiner Stadt zeigen. (dpa)

Vor 40 Jahre wurden fünf wertvolle Bilder aus Gotha geraubt. Ende 2019 tauchten sie wieder auf. Nun wurde ihre Echtheit bestätigt. Bürgermeister Knut Kneuch ist begeistert - auch, weil er einen besonderen Erfolg erringen konnte.

Aufatmen im thüringischen Gotha: Spezialisten haben bestätigt, dass die kürzlich zurückgegebenen Bilder des Kunstraubs von 1979 echt sind.

Ende 2019 hatte die Stiftung Schloss Friedenstein bekanntgegeben, dass diese Werke nach 40 Jahren möglicherweise wieder auf­getaucht sind. Über einen Anwalt war damals eine anonyme Erbengemeinschaft an Knut Kreuch, den Gothaer Oberbürgermeister und damaligen Stiftungsratsvorsitzenden, herangetreten, um die Bilder zum Kauf anzubieten.

"Krimi von Gotha bleibt ein Krimi"

Deren Echtheit wurde in einem Labor der Staatlichen Museen zu Berlin untersucht, das Landeskriminalamt Berlin war ebenfalls dabei. Für Kreuch steht fest: "Der heutige Tag war ein Glücksmoment." Ein schwieriges Kapitel der Kunstgeschichte der Stadt Gotha sei beendet worden. Die zur Weltkultur gehörenden Gemälde seien in einem sehr guten Zustand. Eine "schöne Entdeckung" sei zudem, dass sich unter den Bilder ein Original des niederländischen Malers Frans Hals befindet – dies war vorher nicht bekannt gewesen.

"Der Krimi von Gotha bleibt ein Krimi", ist Kreuch überzeugt. Wie es zu dem Kunstraub kam, werde wohl nie vollständig aufgeklärt. Dieser liege zum einen bereits 40 Jahre zurück und zum anderen sei noch heute vieles unklar – sowohl, was die Jahre in der DDR betreffe wie auch die Zeit nach dem Weitertransport in die Bundesrepublik. Dies müsse nun aufgearbeitet werden, "das gehört zu deutsch-deutschen Geschichte dazu".

Es ist kein Geld geflossen

Seine eigene Rolle beschreibt Kreuch als "Zuschauer im Hintergrund". Dabei saß er mit am Tisch bei den Verhandlungen mit der Erbengemeinschaft, die 5,25 Millionen Euro für die Kunstgüter verlangte. Doch man habe sich darauf geeinigt, dass kein Geld für die Gemälde bezahlt werde – und darüber, dass über die Vorgänge geschwiegen werde soll.

In der nächsten Woche sollen die Bilder in Gotha gezeigt werden. Für das kommende Jahr sei dann geplant, die Gemälde in einer "spektakulären Ausstellung" zu zeigen, wie Kreuch ankündigt. Bis dahin solle auch die Geschichte aufgearbeitet werden.

(rzr)

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