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Lesart / Archiv | Beitrag vom 22.02.2020

Buchautor Gunter Dueck kritisiert die Arbeitswelt Prozesse optimieren in sterbenden Firmen

Gunter Dueck im Gespräch mit Christian Rabhansl

Ein Arbeitnehmer in einem Büro in Hamburg sieht sich mit zahlreichen Anforderungen konfrontiert und wirkt gestresst. (picture-alliance/dpa-tmn/Jens Schierenbeck)
Der Mathematiker Gunter Dueck beschreibt ein düsteres Bild der Arbeitswelt, in der Beschäftigte unter dem Optimierungsdruck leiden. (picture-alliance/dpa-tmn/Jens Schierenbeck)

Mit zu viel Effizienzdruck setzen Unternehmen ihre Beschäftigten unter Dauerstress, kritisiert Buchautor Gunter Dueck. Dabei entstehe nicht die notwendige Innovationskraft, um sich in der digitalen Veränderung neu aufstellen zu können.

Eigentlich habe er nichts gegen Prozessoptimierung in Unternehmen, sagt der Mathematiker und Buchautor Gunter Dueck. Er habe selbst zehn Jahre lang eine Abteilung in einer Computerfirma geleitet. "Aber man kann es übertreiben", meint er. In der neuen digitalen Welt bildeten sich gerade viele neue Unternehmen. "Und was machen die Leute? Sie optimieren die Prozesse in ihren sterbenden Firmen – das ist einfach nicht in Ordnung."

Mitarbeiter werden ersetzt

Er habe den Untertitel seines Buches "Heute schon einen Prozess optimiert?" bewusst so gewählt und die Zeile "Das Management frisst seine Mitarbeiter" sehr ernst gemeint. Bei McDonalds drückten Mitarbeiter nur kurz auf eine Taste für "Hamburger-Menü 3", und dann mache die Maschine alles selber. Mit der Digitalisierung seien diese Leute inzwischen durch Automaten ersetzt worden. "Das passiert jetzt mit vielen Berufen", sagt Dueck und nennt Steuerberater oder Anwälte als weitere Beispiele. Diese Entwicklung führe dazu, dass viele Menschen in ihrem Beruf nur noch vor dem Computer säßen und etwas abhakten.

Keine Zeit für Innovationen

Sehr häufig werde auf Kosten der Menschen optimiert, kritisiert der Mathematiker. Es werde immer mehr verdichtet, die Leute seien immer mehr gestresst und hätten kaum noch Pausen. In dieser "ausbeutungsnahen Situation" bleibe keine Zeit mehr dafür, an Innovationen zu denken. Es gelinge nicht, nachhaltiger und kreativer zu denken, weil die Arbeit zu sehr verdichtet sei. Dabei müssten sich die Unternehmen im Zuge der Digitalisierung neu aufstellen und neue Geschäftsmodelle entwickeln. "Die Leute sind unter zu viel Stress, damit sie überhaupt etwas nachdenken können." Kreativität entstehe nicht in einem Zwölfstundentag und Hetze, sagt Dueck.

Negatives Menschenbild

"Das Menschenbild kreist um das Geschäftsmodell", schildert der Mathematiker die Entwicklung in den Unternehmen. Oft gehe es vor allem darum, immer nur schnell zu sein. Wenn das der Parameter sei, bekomme man als Chef einen Hass auf Leute, die eine Minute auf dem Gang stehen und sich unterhalten. Dadurch bekomme man ein negatives Menschenbild und glaube, dass die Leute nicht arbeiten wollten. Es sei eine Dummheit, das "Optimum mit dem Maximum zu verwechseln". Eigentlich wüssten alle, dass der Stress stärker zurückgefahren werden müsste.

(gem)

Gunter Dueck: Heute schon einen Prozess optimiert? Das Management frisst seine Mitarbeiter
Campus-Verlag, 328 Seiten, 24,95 Euro

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