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Frühkritik | Beitrag vom 07.08.2018

Britney Spears mit "Piece of Me" in Berlin"Eine Art 'Shades of Grey' für Mehrzweckhallen"

Elissa Hiersemann im Gespräch mit Ute Welty

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US-Sängerin Britney Spears auf Welttournee: Am 4. August 2018 beim Konzert im englischen Brighton (picture alliance / Capital Pictures)
Britney Spears auf Welttournee: Vor ihrem Berliner Konzert trat sie im englischen Brighton auf. (picture alliance / Capital Pictures)

Britney Spears tourt mit ihrer fünf Jahre alten Las-Vegas-Show um den Globus. Das habe alles sehr lieblos gewirkt, urteilt unsere Kritikerin zum Deutschland-Start von "Piece of Me" in Berlin: "Es war eher ein Workout als ein Konzert."

"Die Inszenierung fand ich ziemlich frappierend – ein krasser Anachronismus im Jahr 2018 mit Bewegungen wie #MeToo", bewertet Elissa Hiersemann den Deutschlandtour-Auftakt von Britney Spears in Berlin. Auch wenn man in dieser Hinsicht von einer Las Vegas Show nicht viel erwarten solle, ist unsere Konzertkritikerin verwundert:

"Auch Britney Spears lebt im Jahr 2018, davon hab ich zumindest nichts gemerkt. Das war nichts Selbstermächtigendes, nichts, was irgendwie auf die Gegenwart hingewiesen hat. Ich war nach 90 Minuten so erschöpft, gelangweilt - und irgendwie auch sehr traurig."

Ein kommerzielles Konzept aus Las Vegas

Die "Piece of Me" Show habe im Jahr 2013 in Las Vegas begonnen und sei dann dort wegen des kommerziellen Erfolges vier Jahre gelaufen, erklärt Hiersemann den Hintergrund der Tour. Immerhin habe Spears insgesamt 120 Millionen Euro mit diesen 250 Shows verdient. Seit einem Jahr sei die Sängerin weltweit mit diesem Programm unterwegs - und nun auch in Deutschland angekommen.

"Künstlerisch ist man in Las Vegas eher in einer Sackgasse angekommen", beschreibt Hiersemann die Schwäche des Tour-Konzeptes, weil es in diesen Shows nur darum gehe, sämtliche bekannten Hits eines Stars abzufeuern. Das Fehlen kreativer Innovation sei auch beim Berliner Konzert von Spears weder zu überhören noch zu übersehen gewesen. Die Bühnenbilder wechselten zum Beispiel von einem Friedhof mit Fledermäusen über ein futuristisches Szenario zu einer Zirkusmanege. "Es wirkte alles sehr lieblos", so Hiersemann.

Mehr Workout als Konzert

"Es gab viel Playback. Es war eher ein Workout als ein Konzert", beschreibt Hiersemann den Charakter von Spears Auftritt. Bei jedem der fast 30 Lieder sei sie von Tänzerinnen und Tänzern begleitet worden: "Britney Spears hat nur ein, zwei Mal das Publikum direkt angesprochen, darunter dann so Sätze wie: Hello Germany!"

Das Publikum sei von den altbekannten Mega-Hits allerdings begeistert gewesen. "Da waren die 13.000 Leute direkt am Kochen", beschreibt Hiersemann die Atmosphäre in Berlin. Immerhin waren weibliche Fans auch in Schuluniformen erschienen, als Hommage an Spears Outfit im Musikvideo zu "Baby One More Time" von vor 20 Jahren.

"Viel Lärm um nichts"

Im Jahr 2018 steht Britney Spears als blonde Sexbombe mit Overknee-Stiefeln und glitzernder Unterwäsche auf der Bühne, berichtet Hiersemann. Die Sängerin habe sich zusammen mit ihren Tänzern und Tänzerinnen durch den Abend geräkelt, mit Pole-Dance-Einlagen an der Stange und leichten Sadomaso-Inszenierungen. "Viel Lärm um nichts", fasst die Kritikerin den Tourauftakt zusammen: "Der Abend war so eine Art 'Shades of Grey' für Mehrzweckhallen."

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