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Lesart | Beitrag vom 26.06.2019

Britische Bestseller-AutorenBotschafter des Anti-Brexit touren durch Europa

Von Friedbert Meurer

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Der britische Bestseller-Autor Ken Follett. (dpa/PHOTOPQR/LE PARISIEN/Olivier Corsan)
Sorgt sich um den Ruf der britischen Literatur: Bestseller-Autor Ken Follett. (dpa/PHOTOPQR/LE PARISIEN/Olivier Corsan)

Bestseller-Autor Ken Follett sorgt sich um den Ruf Großbritanniens, der durch den Brexit leidet. Zusammen mit drei anderen Erfolgsautoren hat er den Aufruf "Dear Readers" gestartet – und geht mit ihnen im Herbst auf Lesereise, um zu zeigen: Wir sind Europäer!

Vier der erfolgreichsten britischen Autoren der Gegenwart, alle machen sich Sorgen um die Reputation ihres Landes in der Welt. Ken Follett mit seinen weißen Haaren, ist der älteste des Quartetts, 70 Jahre alt, perfekter dunkler Anzug, dazu eine dunkelblaue Krawatte mit Streifen. Er hatte die Idee, die Vier in London zusammenzutrommeln und eine Freundschaftstour durch Europa im Herbst zu organisieren.

"Es ist uns allen peinlich und wir sind aufgebracht, was sich in unserem Land in den letzten Jahren abspielt. Das finden wir beschämend. Denn wir selbst sehen uns als Erben einer unglaublich großen Tradition der europäischen Literatur."

"Jetzt sind wir die Verrückten"

Gemeinsam kommen Ken Follett, Lee Child, Jojo Moyes und Kate Mosse auf die unerhörte Zahl von einer Viertelmilliarde an verkauften Büchern. Ken Follett hat eine Auflage von 180 Millionen, alle vier erscheinen weltweit und werden in viele Sprachen übersetzt.

Jojo Moyes, 49 Jahre alt, kommt auf 40 Millionen verkaufte Titel, alleine drei Millionen davon in Deutschland. Unter anderem: "Me Before You" oder auf Deutsch "Ein ganzes halbes Jahr".

"Vor zwei Jahren habe ich intensiv Südamerika bereist. In Brasilien und Argentinien haben sie uns erzählt, unsere britischen Politiker seien verrückt geworden. Da hat sich wirklich die Perspektive verschoben. Denn traditionell haben wir Briten das über südamerikanische Politiker gedacht. Und jetzt stehen wir als die Verrückten da."

Brexit ist keine vernünftige Position

Jetzt meldet sich Lee Child zu Wort, er ist per Video aus seinem Appartement in Manhattan zugeschaltet. Er sei in Birmingham aufgewachsen, als Winston Churchill noch Premierminister war. Churchill war für ein vereintes Europa und genau das wolle Großbritannien jetzt in Frage stellen.

Lee Child schreibt Actionromane rund um seinen Helden Jack Reacher und schaut ernst in die Kamera, mit schwarzem T-Shirt, kurze geschnittenen Haaren und der E-Gitarre im Hintergrund an die Wand gelehnt. Was würde Jack Reacher gegen den Brexit tun, lautet die Frage nach New York?

"Er wäre der erste, der sagen würde, das ist eine lächerliche Idee. Reacher kommt vom Militär, niemand weiß besser, wie sehr die Welt miteinander verbunden ist. Wir brauchen Freunde und Verbündete. Er kalkuliert sehr rational, geht danach vor, was vernünftig ist und was nicht. Und der Brexit ist keine vernünftige Position. Reacher würde das als allererster festhalten."

Kein kommerzielles Interesse

Im November gehen die vier Bestsellerautoren auf Tournee durch Europa, sie wollen sich ihrem europäischen Publikum stellen, unter anderem auch in Berlin. Natürlich kommt der Verdacht auf, dass es ihnen um kommerzielle Interessen geht. Alle sind mit ihren Bestsellerromanen reich oder sehr reich geworden. Ken Follett entgegnet entschieden: "nein". Ihr Engagement habe nichts mit Kommerz oder Profit zu tun.

"Unsere Bücher werden alle in den anderen Ländern übersetzt, herausgegeben und gedruckt. Es gibt hier keine Probleme mit Export oder Import. Wir machen uns nicht in kommerzieller Hinsicht Sorgen, sondern auf einer emotionalen Ebene."

Appell an Leser in Europa

Selbst wenn sie ein wenig darauf schielen, was der Brexit für ihren Ruf oder den der britischen Literatur weltweit bedeuten kann, sie laufen auch Gefahr, in Großbritannien selbst beschimpft zu werden. Promis wie sie werden von der Boulevard-Presse sehr schnell als abgehobene Millionäre gebrandmarkt, die Champagner auf Partys in Manhattan schlürfen.

Ihr Appell richtet sich jedenfalls an die Leser und Leserinnen außerhalb Großbritanniens, sagt Follett abschließend etwas resigniert – der Brexit werde wohl nicht mehr aufzuhalten sein:

"Wir wollen nicht den Brexit stoppen, ich habe das Gefühl, dieser Zug ist abgefahren. Wir wollen den Menschen in unseren Nachbarländern in Europa versichern, dass wir Europa nicht verlassen wollen. Wir haben einfach für unsere Leser in Europa eine Botschaft."

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