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Breitband | Beitrag vom 09.02.2019

Breitband SendungsüberblickZensur in Venezuela

Moderation: Vera Linß und Mike Herbstreuth

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Anhänger von Juan Guaidó demonstrieren in Caracas friedlich gegen die Regierung von Nicolás Maduro. (picture alliance / Adrien Vautier)
Politischer Machtkampf in Venezuela: Anhänger von Juan Guaidó demonstrieren in Caracas friedlich gegen die Regierung von Nicolás Maduro. (picture alliance / Adrien Vautier)

Abschaltung von Sendern und Ausstrahlungsverbote: Eine freie Berichterstattung ist in Venezuela nicht mehr möglich. Was tun die Journalisten, wie wird die Öffentlichkeit informiert? Außerdem: Gimlet-Übernahme, Journalismusroboter und Technofeminismus.

"Zensur auf neuem Höhepunkt" schreibt Reporter ohne Grenzen zur aktuellen Lage in Venezuela. Die Organisation berichtet, wie in den letzten Tagen Redaktionsräume gestürmt, Fernsehsender abgeschaltet und eine Radiosendung abgesetzt wurden. "Das ist keine Selbstzensur, das ist reine, harte Zensur, die uns zum Schweigen gebracht hat", erklärte César Miguel Rondón, einer der renommiertesten Radiomoderatoren des Landes, auf Twitter.

Venezuela, dessen Exporteinnahmen zu 95 Prozent vom Erdöl abhängen, steckt in einer schweren Wirtschaftskrise, die sich inzwischen zu einem politischen Konflikt ausgeweitet hat: Die Präsidentschaftswahlen des letzten Jahres gelten als manipuliert, die Opposition erkennt deshalb die zweite Amtszeit des Präsidenten Nicolás Maduro nicht an, woraufhin sich Ende Januar der Parlamentspräsident Juan Guaidó zum Interimsstaatschef erklärt hat.

Die Wirtschaftskrise und der politische Machtkampf haben extreme Auswirkungen auf das Leben im Land – auf die Bevölkerung und auch auf die Medien. Das Geld ist nichts mehr wert und Journalisten sind arbeitslos. Wir sprechen mit der Journalistin Adriana Loureiro Fernández in Venezuela: Wie geht es den Journalisten im Land? Wie arbeiten sie? Wie wird Öffentlichkeit hergestellt? Wo verlaufen die Kampflinien zwischen autokratischen Medien und Gegenöffentlichkeit?

Spotify kauft Podcast-Label Gimlet

Es ist die Meldung der Woche in der Audio- und Podcast-Welt: Die Streaming-Plattform Spotify hat das US-amerikanische Podcast-Label Gimlet Media gekauft. Wahrscheinlich für die beachtliche Summe von 230 Millionen US-Dollar.

Das ist einerseits fast zehn Mal mehr Geld als das Startup Gimlet bisher von seinen Investoren bekommen hat und andererseits drei Mal so viel wie der bisher geschätzte Wert von Gimlet. Kurz: Das Podcast-Label scheint der Streaming-Plattform sehr viel wert zu sein. Wir sprechen mit Sandro Schroeder über den Kauf.

Woran Journalismus-Roboter scheitern

Automation ist heute in den meisten Jobs angekommen, im Journalismus allerdings noch nicht so recht. Es gibt zwar einige Projekte, vor allem bei Nachrichtenagenturen, die mit viel Aufwand automatische Sport-, Wetter- oder Börsenberichte erzeugen, aber in anderen Bereichen wird das Potential von Algorithmen oft infrage gestellt. Die Gründe dafür hat Thomas Reintjes recherchiert.

Technofeminismus löst Cyberfeminismus ab

Cornelia Sollfrank ist eine der Vordenkerinnen des Cyberfeminismus. In den achtziger Jahren schrieb sie, angelehnt an das "Cyborg Manifesto" von Donna Haraway, dass das Internet die Gesellschaft weiblicher machen würde und Geschlechtsunterschiede verschwimmen würden. Gekommen ist es anders, sagt sie heute.

Im Rahmen der diesjährigen transmediale stellt Sollfrank ihr neues Buch "Die schönen Kriegerinnen" vor. Darin schlägt sie eine Ablösung des Cyberfeminismus der neunziger Jahre vor und setzt sie sich für eine Art Techno-Ökö-Feminismus ein. Sie sagt von sich selbst: Eigentlich sieht sie sich als Troll. Wen möchte sie trollen? Wir sprechen mit der Forscherin, Künstlerin und Autorin Cornelia Sollfrank.

Who the f*** is FuckJerry?

Seit dem Hype um die beiden Dokus über das grandios gescheiterte Fyre Festival, hat auch die breite Öffentlichkeit einen neuen Namen gelernt: FuckJerry. Dahinter steckt eine kleine Werbeagentur, die dem Fyre Festival zu "viral fame" verholfen hat. Die Agentur bespielt viele Social-Media-Accounts und produziert virale Hits für viele verschiedene Auftraggeber. Sie war sogar an der Netflix-Doku über das Fyre Festival selbst beteiligt.

Tatsächlich ist FuckJerry nur eine von vielen Agenturen, die virale Inhalte fürs Netz erstellen und damit auch großen Erfolg haben. Wird das Internet gerade agenturisiert? Ist die Zeit von freien, spaßigen Nutzerinhalten vorbei? Oder war es von Anfang eine Illusion, dass das Netz und dessen Memes mal frei von wirtschaftlichen Interessen waren? Matthias Finger hat sich mit dem Phänomen beschäftigt.

Netzmusik-Playlist

The Биты – Elon Musk (CC BY)
Jon Worthy and the Bends – Have It Your Way (CC BY)
Fleurie – Constellate (CC BY-NC-ND)
melodysheep – Children of Planet Earth (CC BY-NC-SA)
Erothyme – You Been Sleepin (CC BY)
Six Umbrellas – Magic (CC BY-SA)
El Buho – Yanima (Mike) (CC-BY-NC-SA)

Das Team

Moderation: Vera Linß und Mike Herbstreuth
Redaktion: Dennis Kogel, Jochen Dreier und Jana Wuttke
Netzmusik: Roland Graffé
Webredaktion: Nora Gohlke

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(Deutschlandfunk Kultur, Breitband, 30.06.2018)

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Die Jugendlichen von heute sind "Digital Natives" – das Internet ist ihnen genauso vertraut wie der Ort, an dem sie leben. Wir sprechen mit unseren Gästen darüber, welche Themen für junge Menschen relevant sind und wie sie das Netz nutzen.Mehr

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