Seit 01:05 Uhr Tonart

Mittwoch, 01.04.2020
 
Seit 01:05 Uhr Tonart

Breitband | Beitrag vom 22.02.2020

Breitband SendungsüberblickWie Rechte radikalisieren

Mit Vera Linß und Marcus Richter

Beitrag hören Podcast abonnieren
Die Spurensicherung der Polizei am Tatort in Hanau am Mittwochabend, 19.02.2020. Pappschilder mit Zahlen stehen auf einer Treppe, an dem die Opfer des rechtsextremes Anschlags lagen. (imago / 7aktuell / Simon Adomat )
Zehn Menschen starben in Hanau. Anschließend tötete der Täter sich selbst. (imago / 7aktuell / Simon Adomat )

Festnahmen mutmaßlicher Rechtsterroristen in der einen Woche, ein Terroranschlag mit vielen Toten kurz darauf: Welche Rolle spielt das Netz im Zusammenhang mit rechtem Terror. Außerdem: Die Silicon-Valley-Lobby in Brüssel und Podcasts von der Polizei.

Vergangenes Wochenende wurde die rechtsextreme "Gruppe S." durch einen Polizeieinsatz in zehn Bundesländern gestoppt, bevor sie ihre Pläne für Terroranschläge in die Tat umsetzen konnte. Wenige Tage später erschoss ein Mann in Hanau aus rassistischen Motiven zehn Menschen. Insgesamt sind in Deutschland seit der Wiedervereinigung fast 170 Menschen durch rechten Terror getötet worden.

Ein wichtigen Beitrag zur Radikalisierung von Rechtsextremen leistet das Internet. Es hilft der Szene, sich zu vernetzen. Die Pamphlete oder gar Anschlagsvideos der Täter werden massenhaft geteilt. Doch wie funktioniert der Weg vom Surfen durchs Netz bis zum rechten Terror? Darüber sprechen wir mit der freien Journalistin Karolin Schwarz, die sich in ihrem neuen Buch "Hasskrieger" mit dem global vernetzten Rechtsextremismus befasst hat.

Medien und Meinungen

Nach dem Attentag in Hanau wird wieder darüber debattiert, wie eine angemessene Berichterstattung über rassistisch motivierten Terror aussehen muss. Sowohl bei den Verbrechen des NSU, der Ermordung des Politikers Walter Lübcke, dem Christchurch-Attentat in Neuseeland oder dem Anschlag auf die Synagoge in Halle gab es viel Kritik. Etwa daran, dass vorschnell berichtet wurde und es dadurch zu Fehlern kam. Dass die Sprache stark klischeebehaftet war. Dass den Tätern zu viel Raum gegeben wurde und die Perspektive der Opfer viel zu kurz kam.

Haben die Medien aus diesen Fehlern gelernt und es im aktuellen Fall besser gemacht? Der Kulturjournalist Tobi Müller mit einer Analyse. 

Die Silicon-Valley-Lobby in Brüssel

Die EU hat ihre Strategie zur Förderung von Künstlicher Intelligenz vorgestellt. Sie will damit Europa zu einem "globalen Vorbild für die digitale Wirtschaft" machen und den Technikvorreitern aus China und den USA etwas entgegensetzen. Das hat einige Silicon-Valley-Firmen offenbar in Unruhe versetzt. Denn im Vorfeld kamen gleich zwei Chefs persönlich in Brüssel vorbei. Google-CEO Sundar Pichai und Facebook-Gründer Mark Zuckerberg.

Wir sprechen mit der Ex-Europaabgeordneten Julia Reda darüber, warum die US-Konzerne so viel Angst vor den EU-Plänen haben und wie stark der Einfluss von Lobbying in Brüssel tatsächlich ist.

Ändert das Netz den Umgang mit Plagiaten?

Am 16. Februar hat der Chefredakteur von "KATAPULT" - ein Magazin über Sozialwissenschaften - in einem polemisch verfassten Kommentar Vorwürfe gegenüber der "Süddeutschen Zeitung" erhoben. Diese würde für ihre Rubrik "Unterm Strich", in der sie Fakten in für Social Media optimierten Bildern präsentiert, die Ideen und Zahlen von "KATAPULT" übernehmen, ohne um Erlaubnis zu bitten. Ein Vorwurf, den die "Süddeutsche Zeitung" mittlerweile bestätigte und in der Konsequenz die gesamte Rubrik "Unterm Strich" einstellte.

Dennis Kogel hat sich mit dem Fall beschäftigt und gefragt, was diese uns über den Umgang mit Plagiaten im Internet erzählt.

"Copcasts" – wenn die Polizei zum Sender wird

Auch wenn der Hype scheinbar vorbei ist - immer noch entstehen in bester "Serial"-Manier neue Podcasts, in denen ein Fall durch einen Reporter neu aufgerollt wird. Wir stellen zwei ganz spezielle True-Crime-Podcasts vor: Sie werden nicht von einer Journalistin erzählt, sondern von der Polizei selbst. Wie gut und sinnvoll solche sogenannten "Copcasts" sind, hat sich Mike Herbstreuth für uns angehört.

Netzmusik

Surprise and Delight – The Walls Move In (CC BY-SA
Latrama – On Beethoven's theme from 'Abbé Stadler' (CC BY-NC-ND)
St. Gallen – Love... ft. Any Name You Are (CC BY-SA)
Sunday Chocolate Club – 1998 (CC BY-NC-SA)
Path – If Only I (CC BY)
wilunki – old friends (CC BY-SA)

Das Team

Moderation: Vera Linß und Marcus Richter
Redaktion: Hagen Terschüren und Jana Wuttke
Medien und Meinungen: Tobi Müller
Besprechung: Dennis Kogel
Netzkultur: Mike Herbstreuth
Netzmusik: Roland Graffé
Webredaktion: Hagen Terschüren

(hte)

Mehr zum Thema

Rassistischer Anschlag von Hanau – Der Täter ist bedeutungslos
(Deutschlandfunk Kultur, Politisches Feuilleton, 21.2.2020)

Künstliche Intelligenz in der EU – Schluss mit Krone der Schöpfung
(Deutschlandfunk Kultur, Studio 9, 19.02.2020)

Nach Plagiats-Vorwürfen – „Süddeutsche Zeitung“ stellt „Unterm Strich“-Kolumne ein
(Deutschlandfunk, Die Nachrichten, 18.02.2020)

Breitband

Breitband SendungsüberblickHandydaten gegen die Coronakrise
Eine Frau läuft durch eine Straße, trägt einen Mundschutz und Sonnenbrille und blickt dabei auf ihr Handy, das sie vor sich trägt. (picture alliance/NurPhoto/Beata Zawrzel)

Weltweit spielen Regierungen Möglichkeiten durch, wie Handydaten im Kampf gegen das Virus genutzt werden können. Aktuell scheint eine Entscheidung fällig: Bürgerrechte bewahren oder Überwachung legitimieren – oder gibt es eine Lösung zwischen diesen Polen?Mehr

Maker-SzeneBeatmungsgeräte im Eigenbau
3D Modell basierend auf einem Open-Source-Vorschlag der Rice University, erstellt von Jonas Ohnemus (Jonas Ohnemus)

Krankenhäuser auf der gesamten Welt brauchen in der Corona-Krise mehr Beatmungsgeräte. Projektgruppen aus der Maker-Szene arbeiten deshalb an Lösungen für einfache Beatmungsgeräte – und die sind durchaus vielversprechend.Mehr

weitere Beiträge

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur