Breitband Sendungsüberblick

    Facebooks gesellschaftliche Verantwortung

    32:51 Minuten
    Die Facebook-Apps Facebook, Instagram und Whatsapp auf einem Smartphone Bildschirm.
    Sollte man Facebook als kritische Infrastruktur betrachten und entsprechend regulieren? © imago / MiS
    Moderation: Vera Linß und Tim Wiese · 09.10.2021
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    Facebook schwäche die Demokratie und schade Teenagern, so die Whistleblowerin Frances Haugen diese Woche im US-Senat. Doch der Ausfall der technischen Systeme hat gerade erst gezeigt, wie wichtig das soziale Netzwerk ist. Sind Regulierungen unvermeidbar?
    Anfang dieser Woche ist das Internet plötzlich ein anderer Ort. Sechs Stunden lang funktionieren die Apps und Webseiten des US-Unternehmens Facebook nicht mehr richtig. Darunter das soziale Netzwerk selbst, Instagram und WhatsApp. Laut der amerikanischen IT-Firma Downdetector war dieser Ausfall der größte seiner Art in der Geschichte. Die Routinen vieler Nutzer wurden durcheinander gebracht. 14 Millionen Menschen weltweit sollen sich über die Probleme beschwert haben.
    Das allein zeigt schon, welche immense Bedeutung das Unternehmen Facebook für viele Nutzer hat. Zusätzlich schalten viele Unternehmen und auch Influencer ihre Werbung auf den Plattformen. Auch hier dürfte der Ausfall einen großen Schaden hinterlassen haben. Experten gehen von einem zweistelligen Millionenbetrag für die Unternehmen aus. Und doch ist das wohl das geringere Übel, denkt man an die Enthüllungen die dank Whistleblowerin Frances Haugen bekannt geworden sind.
    Sie ist maßgeblich verantwortlich für die "Facebook Files", die das "Wall Street Journal" Anfang September veröffentlicht hat. Darin heißt es unter anderem, dass Facebook und Instragram bei Jugendlichen negative Folgen für die Psyche haben können. Zwar sei das intern bereits länger bekannt, würde aber ignoriert werden. Junge Menschen seien ein zu wichtiger Werbemarkt. Ein anderer Vorwurf lautet, dass Facebook VIP-Accounts erlaube, die Facebook-Regeln für Belästigung zu brechen und dass das US-Unternehmen nicht genug gegen über Facebook abgewickelte Kriminalität in Entwicklungsländern tue.
    Viele Stimmen schlagen nach dieser Woche denselben Ton an. Facebook könne zukünftig so nicht weitermachen. Vielleicht sei endlich der Moment gekommen, das Netzwerk zu regulieren, es so zu behandeln, wie es das Unternehmen verdient habe: als kritische Infrastruktur! Und es damit auch aus dem reinen gewinnorientierten Denken herauszuholen.
    Darüber spricht Breitband mit Stephan Bohn, Organisationswissenschaftler am Humboldt Institut für Internet und Gesellschaft. Er hat zusammen mit zwei Kollegen schon Anfang August einen Aufruf veröffentlicht, Facebook und andere Plattformen als "too big too fail" einzustufen und stark zu regulieren. Doch wie kann das gehen? Und gehen die Verhandlungen zum Digital Markets Act und zum Digital Services Act der EU weit genug?

    Alle Themen der Sendung:

    • Facebooks Hybris - der technische Hintergrund erklärt
    • Facebooks Nemesis - die Whistleblowerin Frances Haugen
    • Facebooks Themis - Behandeln wie andere kritische Infrastruktur
    • "Journalist Trauma Support Network" - Neue Weiterbildung für Psychologinnen und Psychologen für die Therapie von Medienschaffenden

    Das Team:


    Moderation: Vera Linß und Tim Wiese
    Redaktion: Jochen Dreier und Vera Linß
    Beiträge: Matthias Finger und Carina Schroeder
    Webredaktion: Carina Schroeder
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