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Studio 9 - Der Tag mit ... | Beitrag vom 09.09.2020

Brand im Lager Moria"Wir sind sehenden Auges in die Katastrophe gegangen"

Diana Kinnert im Gespräch mit Korbinian Frenzel

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Zwei junge Männer sitzen in den verkohlten Überresten des Flüchtlingslagers Moria. (AFP / Anthi Pazianou)
Wann wacht die Politik auf? Der Großbrand im Lager Moria erfordere sofortiges Handeln der EU, sagt Diana Kinnert. (AFP / Anthi Pazianou)

Nach dem Feuer im griechischen Lager Moria braucht es eine Lösung für die dort untergebrachten Geflüchteten. Die Christdemokratin Diana Kinnert sieht Deutschland und die EU in der Pflicht, sofort mit der Evakuierung zu beginnen.

Den Geflüchteten im Lager Moria auf Lesbos ist nach dem Großbrand nichts geblieben. Für unseren Studiogast, die Unternehmerin und Christdemokratin Diana Kinnert, herrschten dort schon vorher unhaltbare Zustände: Rund 13.000 Menschen leben, wo nur Platz für knapp 3000 ist.

Hinzu kämen Bandenkonflikte im Lager und Coronainfektionen. "Wir sind sehenden Auges in die Katastrophe gegangen", sagt Kinnert. Deutschland müsse unter seiner EU-Ratspräsidentschaft nun die Initiative ergreifen, um eine Lösung für die Menschen zu finden – und zwar schnell, es gehe um Minuten. "Ich glaube, da muss der Bundesinnenminister jetzt eine Priorität aufrufen."

Innenministerium und Kommunen im Widerstreit

Kinnert sagt weiter: "Das ist ein großes Versäumnis der europäischen Politik. Ich bin grundsätzlich dafür, dass Deutschland relativ schnell Menschen evakuieren und aufnehmen soll. Ich weiß, dass verschiedene Länder und Gemeinden dazu bereit sind."

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Allerdings obliege es dem Innenministerium, darüber zu entscheiden. "Grundsätzlich ist es schwierig, nationale Politik durch kommunale Angebote zu torpedieren."

Das Bild zeigt die Die Christdemokratin Diana Kinnert mit einem schwarzen, runden Hut. (picture alliance / dpa / Flashpic / Jens Krick)"Die europäischen Werte sind in Gefahr", befürchtet Diana Kinnert. (picture alliance / dpa / Flashpic / Jens Krick)Es gebe einen Beschluss der Großen Koalition, unter Beteiligung anderer EU-Staaten 1.500 Schutzbedürftige aufzunehmen, so Kinnert: "Das ist ein Schritt in die richtige Richtung, aber der ist natürlich viel zu langsam." Damit könne nicht aufgefangen werden, "dass dort 13.000 Menschen zusammengesperrt sind". Auch in ihrer Partei, der CDU, herrsche die Meinung vor, dass jetzt gehandelt werden müsse, weil sonst "die europäischen Werte auf dem Spiel stehen". 

(mkn)

Diana Kinnert wurde 1991 in Wuppertal geboren. Die Unternehmerin und Kolumnistin studierte Politologie und Philosophie. 2008 trat sie in die CDU ein. Von 2015 bis Ende 2016 leitete sie das Büro des CDU-Politikers und Vizepräsidenten des Deutschen Bundestages, Peter Hintze. Unter CDU-Generalsekretär Peter Tauber wurde sie Mitglied der Reformkommission der Partei. Sie ist Autorin des Buches "Für die Zukunft seh‘ ich schwarz – Plädoyer für einen modernen Konservatismus".

Hören Sie die ganze Sendung: 


"Was jetzt passiert ist, hat uns nicht wirklich überrascht", sagt Andrea Wegener, Mitarbeiterin der Hilfsorganisation Gain Germany, anlässlich des Brandes in dem griechischen Flüchtlingslager Moria. Dass eine Katastrophe passieren würde, sei abzusehen gewesen. Denn die Coronaquarantäne habe die Probleme in dem überfüllten Lager weiter verschärft:

Bei einer humanitären Katastrophe wie auf Lesbos sei unmittelbares Handeln notwendig, sagt der Philosoph Stefan Gosepath. Sind andere europäische Länder nicht bereit, Flüchtling aufzunehmen, müsse "der Fähigste" in die Lücke springen – und dies sei Deutschland:

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