Seit 17:05 Uhr Studio 9
Mittwoch, 20.10.2021
 
Seit 17:05 Uhr Studio 9

Länderreport / Archiv | Beitrag vom 30.05.2016

Bodensee-ProjektForschungsreise zum Teufelstisch

Von Uschi Götz

Die Schülerinnen Ronja (links) und Magdalena (rechts) untersuchen Algen an Bord des Forschungsschiffes "Aldebaran". (dpa / picture alliance / Jonas-Erik Schmidt)
Die Schülerinnen Ronja (links) und Magdalena (rechts) untersuchen Algen an Bord des Forschungsschiffes "Aldebaran". (dpa / picture alliance / Jonas-Erik Schmidt)

Baden-Württembergs Industrie klagt über einen Facharbeitermangel. Das Land investiert deshalb auch in naturwissenschaftliche Projekte für Schüler – das spektakulärste ist eine Fahrt auf dem Bodensee mit dem Forschungsschiff "Aldebaran".

Drei Schülerinnen und vier Schüler legen Rettungswesten an. Sie kennen sich vom Schüler-Forschung-Zentrum in Überlingen, heute wollen sie bei Versuchen Antworten auf ihre Fragen finden – an Bord des Forschungsschiffes "Aldebaran".

Die technische Ausstattung und der weltweite Einsatz machen die "Aldebaran" einzigartig. 14 ausgewählten Schülergruppen aus Baden-Württemberg steht das Schiff in den kommenden zwei Wochen exklusiv zur Verfügung. Jeden Tag einer anderen Gruppe forschender Schüler. Viele haben sich jahrelang auf diesen Einsatz, auf diesen Tag vorbereitet.

Mati: "Dann haben wir hier noch… weiß jemand, was das ist? O.k. Das ist eine Rettungsinsel."

Mati, Student und erfahrener Hochseesegler, steht in Segelhose und Gummistiefeln vor den Schülern und weist sie in die Sicherheitsvorkehrungen an Bord ein. Der Bodensee, auch Schwäbisches Meer genannt, ist ein tückisches Gewässer. Das Wetter kann sich schlagartig ändern, auch erfahrene Kapitäne haben einen Heidenrespekt vor den plötzlich auftretenden Starkwinden, die mit bis zu 100 Stundenkilometern über den See fegen können. Skipper auf dem Schiff ist heute Denis. Er ist am Bodensee aufgewachsen und kennt den launischen See:

"Wetter wird heute gut, bis auf heute Nachmittag. Gegen zwei, halb drei könnte noch eine kleine Sturmfront kommen, wo wir drei Windstärken bekommen, aber ansonsten bin ich zuversichtlich, dass wir gut wieder ankommen."

Die Sturmfront, die Forschung, der rettende Hafen – der Reihe nach.

Die Schüler sind mittlerweile unter Deck des 14 Meter langen gelben Forschungsschiffes, das seit 1992 weltweit in Küstengewässern unterwegs ist. Der aus Baden-Württemberg stammende Biologe und Journalist Frank Schweikert ist bei allen Forschungseinsätzen mit an Bord:

"Erst einmal herzlich willkommen an Bord."

Vor über 25 Jahren kaufte er ein vom Sturm zerstörtes Schiff und ließ es nach eigenen Vorstellungen wieder zusammenbauen und einzigartig einrichten:

"Es hat die höchste Technologiedichte überhaupt, also wenn ihr einmal überall die Schubladen später aufmachen solltet, dann findet ihr überall Kabel, Geräte, Aggregate."

Mit Frank Schweikert ist immer eine wissenschaftlich hochqualifizierte Crew an Bord, je nach Forschungsauftrag aus verschiedenen Disziplinen kommend:

"Was habt ihr denn für Wünsche? Was wolltet ihr schon immer einmal auf einem Forschungsschiff machen?"

Die Schüler haben ein autonomes Boot entwickelt, das mit Solarenergie betrieben wird und Daten über die Wassertemperatur und den pH-Wert sammeln soll. Hergestellt wurden die Teile für das Boot mit einem 3D-Drucker. Doch die Sonne spielt nicht mit, das Solarboot kann heute nicht zum Einsatz kommen. Egal, die sieben Schülerinnen und Schüler haben auch so viele Fragen, die sie erstmals mit wissenschaftlichen Geräten an Bord näher untersuchen wollen:

Schüler / Schweikert: "Sie haben ja eine Kamera an Bord. Da am Teufelstisch, da hat es eine interessante Felsformation unter Wasser, vielleicht können wir die einmal anschauen? Ich weiß nicht, ob Sie die kennen? Wie weit kann man mit der Kamera da runter gehen? (Schweikert) 40 Meter können wir mit der Kamera runter gehen. (Schüler) Also, das wäre einmal interessant, das anzuschauen. (Schweikert) Ja, dann fahren wir. Teufelstisch ist wie weit? (Skipper Dennis) Höhe Überlingen, Sipplingen, in der Ecke, rechte Seite, Seezeichen 24. (Schweikert) Ja gut, dann ist der Fall ja klar."

Der Fall ist klar. Der Teufelstisch gilt als einer der unheimlichsten Orte im Bodensee. Eine einzigartige riesige Felsformation befindet sich direkt am Ufer im See, ist aber von Land und Wasser aus nicht zu sehen. Vor allem Taucher zieht es deshalb an diese berüchtigte und sagenumwobene Stelle des Bodensees.

Frank Schweikert gibt das Zeichen zum Start, es geht los in Richtung Teufelstisch:

"Klappe Achterleine, dann Achterleine los, Mati, bisschen abdrücken …"

Schweikert: "Wir erleben jetzt eine Premiere. Ich habe euch ja vorhin erzählt, dass wir immer versuchen, umweltgerecht zu sein, und hier auf dem Bodensee ist es besonders wichtig. Wir haben ja normalerweise einen Dieselmotor an Bord und sind seit Kurzem mit einem kleinen Elektroaußenborder ausgerüstet. Da wir heute wenig Wind haben und so gut wie keine Welle, probieren wir zum ersten Mal, dass die Aldebaran, mit euch und auch mit uns, elektrisch an- und ablegt."

Wasserproben und Kleintiere

Die erste von 14 Expeditionsfahrten der "Aldebaran" auf dem Bodensee beginnt heute am westlichen Ende des Überlinger Sees in Bodman-Ludwigshafen. Das gelbe Forschungsschiff läuft kaum hörbar aus dem Hafen aus. Ein leichter Wind kommt auf. Lorina steht an Deck und schaut in die Richtung Teufelstisch, der irgendwo am gegenüberliegenden Ufer liegt:

"Wir wollen die Gesteine untersuchen, herausfinden, wie genau die aufgebaut sind, was da Besonderes ist, der Unterschied zu anderen Gesteinen."

Neben Lorina steht Leona. Die beiden 16-jährigen Mädchen forschen seit einigen Jahren gemeinsam an Projekten und haben schon mehrfach an Wettbewerben von "Jugend forscht" teilgenommen.

Leona: "Was ich noch interessant finde, ist, wenn man eine Wasserprobe nimmt und untersucht, was genau für Kleintiere am Bodensee sind."

Schweikert: "Der Akku ist alle."

Dennis steht am Ruder, Mati bereitet unter der Deck das warme Essen vor, und Lorena erzählt derweil, sie wolle später einmal in die Forschung gehen:

"Bio finde ich sehr interessant, aber Chemie, Bio-Chemie, das finde ich echt toll."

Schweikert: "Wir lassen jetzt das Schwert herunter, damit das Schiff Stabilität zum Segeln bekommt, da haben wir eine Hydraulikpumpe, dann können wir richtig segeln."

Die Aledebaran hat einen maximalen Tiefgang von 80 Zentimetern, bis zu sieben Leute können auf dem Schiff arbeiten und schlafen.

Schweikert: "Das ist das Besondere, es ist aus Aluminium und sehr robust, das ist keine Freizeit-Yacht, es ist 16 Millimeter dickes Aluminium unten, und wir können damit auch in ganz flachen Bereichen fahren. Das ist das Interessante, dass man mit so viel Technik, mit so viel Labor-Equipment, irgendwohin fahren kann, wo man normalerweise ganz schwer hinkommt mit einem großen Forschungsschiff."

Schülerprojekte, wie zurzeit auf dem Bodensee, sind eine Ergänzung zu dem, was sonst auf dem Schiff an Forschung läuft:

"Wir waren viel unterwegs im Barriere-Riff vor Belize, wir haben dort mit der Universität Hamburg und mit dem Naturkundemuseum in Berlin Forschungsarbeiten gemacht auf den Spuren des Klimawandels. Wir haben geschaut, inwieweit der Klimawandel schon auf Korallensysteme Einfluss nimmt. Wir haben gesehen, dass es eigentlich schon ganz gravierend ist und dass es eigentlich viel zu wenig Forschungskapazitäten gibt, um bei dieser großen Geschwindigkeit des Klimawandels forschungsmäßig hinterher zu kommen."

Der See ist ein Trinkwasserspeicher

Es gibt viel zu forschen. Der Bodensee liefert für über 4,5 Millionen Menschen Trinkwasser und ist damit Europas größter Trinkwasserspeicher. Dank großer umweltpolitischer Anstrengungen ist das Wasser des Sees so sauber wie seit über 60 Jahren nicht mehr. Der Trinkwasserspeicher, er zieht zu allen Jahreszeiten viele Touristen an. Natur- und Kunstliebhaber, Sportler ebenso wie Künstler und Schriftsteller. Nicht wenige schätzen die Melancholie des Sees im Winter, wenn der Nebel oft tagelang über dem See hängt. Andere finden genau diese Wetterlage unerträglich und flüchten regelrecht aus der Gegend.

Bei klarer Sicht geht es wieder allen gut, dann sieht man den meist schneebedeckten 2500 Meter hohen Säntis. Gepaart mit der blauen Seelandschaft und einer einzigartigen Blumenpracht kann diese perfekte Landschaftsidylle aber auch anstrengen. "Zum Kotzen schön" so beschrieb einst Otto Dix die Landschaft.

Skipper Dennis: "Über die Hälfte haben wir schon geschafft, vielleicht noch 40 Minuten."

Noch ein bisschen Zeit also, um der Schülergruppe das einzigartige Forschungsschiff näher vorzustellen.

Schweikert: "Das ist eine Kombi-Koje, da haben wir hier einen kleinen Nasslaborbereich mit einer automatischen Sonde, wo wir Seewasser ansaugen und automatisch analysieren können während der Fahrt. Hier in der Koje schläft auch der wissenschaftliche Leiter der jeweiligen Fahrt. Dann haben wir hier ein kleines Trockenlabor und wir nennen es auch Medienlabor, weil hier Mikroskop neben Computer steht und alles, was wir in dem Mikroskop sehen können, wird über Kameras visualisiert, das sehen wir einerseits auf dem großen Monitor im Salon, auf der anderen Seite können wir das aufnehmen, um es später in Fernsehreportagen einbauen zu können."

Was zurzeit aus Sicht der Wissenschaft auf dem Bodensee besonders interessant sei, fragt ein Schüler den Biologen Schweikert.

Schweikert: "Es gibt ja eine neue Seenkartierung, bei dieser Seenkartierung kam so die eine oder andere Besonderheit zum Vorschein. Dass es also steile Klippen und Kanten am See gibt, da würde sich die Universität Stuttgart sehr dafür interessieren, wie die Tier- und Pflanzengemeinschaften zusammengesetzt sind an diesen Steilhängen. Das ist verhältnismäßig wenig untersucht und wenn wir Zeit haben, dann würden wir uns da gerne noch drum kümmern."

Skipper Dennis drosselt das Tempo.

Schweikert: "Wir sind gleich am Teufelstisch, da ist schon die Warnboje und wir tasten uns jetzt ganz langsam heran, nehmen Ruder und Schwert hoch, weil der ja ganz flach ist, und wenn wir dann dort sind, lassen wir die Unterwasserkamera rein und gehen mal gucken."

Gefährlich und verführerisch

Das von Nadelhölzern dicht bewachsene Ufer ist nur wenige Meter entfernt. Ein großer, mehrfach verzweigter abgestorbener Ast ragt aus dem Wasser. Auf den ersten Blick sieht es aus, als käme gerade ein Krokodil aus dem hier hell bis dunkelgrün changierenden Wasser. Ausgerechnet an seiner gefährlichsten Stellen sieht der Bodensee regelrecht verführerisch aus. Doch das Warnschild im Wasser kümmert sich nicht darum:

"Tauchen im Umkreis von 300 m nördlich/ nordwestlich sowie 500 m östlich/ südöstlich verboten"

Je näher das Schiff der unheimlichen Stelle kommt, desto ruhiger wird es an Bord. Alle kennen hier Geschichten von Tauchern, die nie mehr gefunden wurden oder erst nach Tagen tot geborgen werden konnten.

Das Wasser ist jetzt sehr flach, doch der Abgrund beginnt nur wenige Meter weiter, und man meint auch ein wenig von den Kräften dieses Ortes auf dem Schiff zu spüren.

Von der Heckplattform lässt der Ozeanograf Steffen Schulz die Kamera ins Wasser, die Schüler schauen zu, kaum ist die Kamera ein paar Meter unter Wasser, gehen die jungen Forscher unter Deck. Auf einem großen Bildschirm geht die Unterwasserfahrt weiter.

"Was man jetzt sieht, ist ein recht rötlicher Grund, so ein Plateau, links und rechts ziemlich abfallend. Fische hat man bis jetzt noch keine gesehen, aber Algen jede Menge. Das ist interessant, das hätte ich jetzt nicht gedacht, dass das hier so aussieht."

… meint der 16-jährige Samuel.

Die Kamera gleitet immer tiefer hinab, Bilder von der berühmt-berüchtigten Felsformation sind zu sehen. Wie eine Nadel steht der Teufelstisch im See, bis zu 90 Meter tief geht es nach unten, sein Durchmesser etwa 15 Metern. Die Strömungen sind hier unberechenbar, man weiß: Vom Grund steigen hier immer wieder Methanblasen auf. Wie im berüchtigten Bermudadreieck. Teufelstisch hier, Teufelsdreieck dort.

Auch die Bordmannschaft schaut sich unter Deck die Live-Bilder vom Teufelstisch gebannt an. Und an Deck ist sich Skipper Denis jetzt sicher: Die Sturmfront kommt früher als angekündigt.

"Die Wetterfront, die wir gesehen haben, die kündigt sich gerade so ein bisschen an. (Autorin: Was heißt das?) Dass es demnächst ein bisschen Wind gibt und ein bisschen Regen und dann kommt ein bisschen Action ins Leben."

Alles geht nun ziemlich schnell. Die Kamera wird hochgeholt, Denis prüft, ob alle an Bord noch Rettungswesten tragen und nimmt dann zügig Kurs in Richtung Bodman-Ludwigshafen.

Der Wind wird stärker, es beginnt zu regnen – erst ein paar Tropfen, dann Hagel.

Am Himmel türmen sich schwarze Wolken auf, an den Ufern blinken die Sturmwarnleuchten − Zeichen dafür, dass schnellstmöglich ein Hafen angelaufen werden muss.

Die "Aldebaran" hält auch schwere Stürme unbeschadet aus, doch für weniger seetaugliche Gäste an Bord eines Schiffes reichen schon wenige Minuten auf einem schwankenden Schiff, um seekrank zu werden.

Nur noch ein paar Meter sind es bis zum sicheren Hafen Sipplingen. Die Stimmung an Bord ist dennoch gelassen, die Schüler haben keine Angst. Lachend sitzen sie unter Deck im Salon um einen Tisch herum und freuen sich schon auf das Mittagesessen.

Lorena zieht ein durchweg positives Fazit der Ausfahrt. Hautnah am Teufelstisch, das sei toll gewesen, sagt sie, doch zunächst überwiegt:

"Die Blitze zu sehen und der Regen. Ja, ich mag das halt einfach am See."

Einsatz der Messboje aus Rottweil

Zwei Wochen ist die "Aldebaran" im Einsatz auf dem Bodensee. Jeden Tag kommt eine neue Forschungsgruppe an Bord. Kurz nach Pfingsten ist es ein Team des Rottweiler Leibniz-Forschungszentrums an Bord. Drei Jahre lang haben die Abiturienten an einer Messboje gebaut, der heutige Einsatz ist ein krönender Abschluss ihrer Schulzeit. Die Messboje Pelagus kann, wenn alles funktioniert, viele wichtige Daten über Luftdruck, Lufttemperatur und Windgeschwindigkeit liefern. Der untere Teil der Boje misst die Strömungsgeschwindigkeit sowie die Wassertemperatur.

Schweikert: "Wir fahren auf die 15 Meter Meter Linie vor Seeburg."

Tobias steht auf der Heckplattform, das regnerische Wetter scheint das junge Forscherteam nicht von seinem Vorhaben abzuhalten, konzentriert geht jeder seiner Aufgabe nach.

Felix: "Ich habe mich mit den verschiedenen Sensoren auseinandergesetzt und versucht, die mit unserem Mikro-Controller zu verbinden und die auszulesen."

Tobias: "Mit Bluetooth kann man es mit jedem beliebigen Handy verbinden."

Die Schülerforschungsgruppe hat mit ihrem Projekt für internationales Aufsehen gesorgt. Auf einer Messe wurde ein brasilianisches Ingenieurbüro auf die Entdeckung der jungen Wissenschaftler aufmerksam. Prompt kam Post aus Brasilien, erzählt Tobias:

"Die wollen in Brasilien auch die Wasserqualität überprüfen, da ist ein großes Problem, dass die Firmen immer die ganzen Gifte und Abfälle in die Gewässer lassen. Mit der Boje wollen sie dann versuchen, diese Gifte festzustellen, damit man es den Firmen auch nachweisen kann, auch damit die Wasserqualität verbessert werden kann."

Frank Schweikert hört interessiert zu. Von solchen jungen Forschern bekommen auch die alten Hasen immer wieder Anregungen, auch Forschungsaufträge.

So kam die Idee zur Erforschung von Plastik in Gewässern vor einigen Jahren von einer Schülergruppe. Heute ist es eines der zentralen Forschungsthemen, gerade auf der "Aldebaran".

Schweikert: "Plastikmüll ist eigentlich überall. Viele Gebrauchsgegenstände von Plastik bis zum Reifenabrieb auf den Straßen kommen letztendlich über die Flüsse in den See und vom See im Meer landen."

Ein Team um den Wissenschaftler Christian Laforsch von der Universität Bayreuth hat vor einigen Jahren am Gardasee winzige Plastikpartikel im Wasser entdeckt, im Uferbereich des Sees fanden sich genauso viele der Teilchen wie sonst an Meeresstränden.

Fische, Würmer und andere wirbellose Tiere können diese kleinen Plastikteile mit Nahrung verwechseln. Einer Studie zufolge besteht ein nicht zu unterschätzendes Risiko, dass giftige Plastikreste in die menschliche Nahrungskette gelangen. In Muscheln, Wasserflöhen und Muschelkrebsen wurden bereits winzige fluoreszierende Kunststoff-Ablagerungen nachgewiesen.

Schweikert: "Wir haben hier ein Gerät an Bord, ein sogenannter Manta Trawl, das ist diese Metallkiste, und die ist von Professor Laforsch aus Bayreuth und Christian Laforsch hat jetzt auch den Auftrag, hier am Bodensee nach diesen Teilchen zu gucken und er hat uns dieses Netz, wenn wir mit ihm zusammenarbeiten, auch einsetzen, damit wir euch das einmal zeigen können."

Mittlerweile liefert die Boje der Forschergruppe Daten. Die Begeisterung an Bord, auch bei der erfahrenen Crew, ist groß. Interessiert hört der passionierte Segler Christoph Dahl zu. Dahl ist Geschäftsführer der Baden-Württemberg Stiftung. Die Stiftung fordert und fördert schon seit Jahren im Südwesten Projekte von Nachwuchsforschern, so auch den Einsatz der "Aldebaran".

Talentförderung mit "mikro makro mint"

Junge Menschen im Südwesten werden in vielen Projekten im Land praxisnah mit naturwissenschaftlichen und technischen Fragen konfrontiert und für eigene Forschungen motiviert. Ein landeseigenes Förderprogramm mit dem Namen "mikro makro mint" dient dazu, möglichst viele Talente im Land zu entdecken und gezielt in kleinen Gruppen an speziellen Forschungszentren zu fördern.

Die jungen Wissenschaftler sollen später als Topkräfte den namhaften Unternehmen in dem wirtschaftsstarken Bundesland zur Verfügung stehen. Die Stiftung investiert also in die Zukunft des Landes, erklärt Christoph Dahl:

"Da haben wir als Baden-Württemberg Stiftung schon seit vielen Jahren Programme aufgelegt, zum Beispiel Coaching for Future, junge Wissenschaftler zeigen, wie interessant solche Fächer sein können. Wir machen da alle Anstrengung, um die Technikfächer, die naturwissenschaftlichen Fächer interessant zu machen. Das gelingt uns, glaube ich, ganz gut, gerade mit solchen Programmen."

14 Tage lang war die "Aldebaran" bis zu diesem letzten Wochenende im Mai auf dem Bodensee unterwegs. Die Nachwuchsforscher werten in den kommenden Wochen und Monaten ihre Ergebnisse aus und werden ihre Dokumentationen auch veröffentlichen.

Möglichst viele junge Menschen für ähnliche oder ganz neue Fragen in diesen Wissenschaftsbereichen zu begeistern. Frank Schweikert und sein Team tragen einen großen Teil dazu bei:

"Viele der Schüler, die hier an Bord waren, sagen, es war mein größtes Erlebnis in meinem Leben. Das sind also wirklich prägende Momente, die die Schüler hier haben und das macht auch unser Team ganz glücklich, dass wir sehen, dass wir mit dieser Arbeit in diesen Menschen ganz viel bewegen können. Viele der Schüler wählen dann später beispielsweise auch ein naturwissenschaftliches Studium, weil es einfach total viel Spaß gemacht hat, hier an Bord einmal Natur und Lebewesen im Wasser, im Wassertropfen hautnah zu erleben."

Schweikert: "So, wir legen jetzt an. Wir klarieren Mittelspring und Achterleine."

Mehr zum Thema

Studie zu Ganztagsschulen - Sozialkompetenz der Kinder steigt, aber nicht die Leistung
(Deutschlandradio Kultur, Interview, 28.4.2016)

Sachbuch - Plädoyer für das Staunen
(Deutschlandradio Kultur, Lesart, 23.9.2014)

Nationale Bildungsstandards - "Kompetenzen sind nicht wissensfrei"
(Deutschlandradio Kultur, Interview, 12.8.2014)

App: Dlf Audiothek

Die neue Dlf Audiothek App ist ab sofort in den Appstores von Apple und Google zum kostenlosen Download erhältlich (Deutschlandradio)

Entdecken Sie mit der Dlf Audiothek die Vielfalt unserer drei Programme, abonnieren Sie Ihre Lieblingssendungen, wählen Sie aus Themenkanälen und machen daraus Ihr eigenes Radioprogramm.


Jetzt kostenlos herunterladen

Länderreport

BaudenkmälerDas Scharfrichterhaus zieht um
Auf einem Balken einer Hausfassade ist die Jahreszahl 1790 zu lesen. (Deutschlandradio /  Iris Milde)

Was tun, wenn ein altes Fachwerkhaus unter Denkmalschutz nicht an seinem ursprünglichen Platz stehen bleiben kann? Abbauen und wieder aufbauen! Wie das funktioniert, ist gerade im sächsischen Neschwitz zu beobachten.Mehr

Hanf-Anbau im AllgäuGoldgräberstimmung auf dem Acker
Ein grauhaariger Mann mit Pferdeschwanz steht auf einem Acker und begutachtet Pflanzenstängel und -blüten. (Deutschlandradio / Tobias Krone)

Hanf könnte einer der Werkstoffe der Zukunft sein. Und mit einem hohen THC-Gehalt taugt er auch zum Rausch. Wie viel Hanf künftig in Deutschland angebaut wird, liegt auch an der kommenden Bundesregierung. Bauern im Allgäu sondieren schon mal die Möglichkeiten.Mehr

weitere Beiträge

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur