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Interview | Beitrag vom 05.11.2018

Bildungsforscher zur Chancengleichheit"Je früher man ansetzt, umso besser"

Ludger Wößmann im Gespräch mit Nicole Dittmer

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Sprachförderung in einer Kindertagesstätte. (Imago / Joker / Petra Steuer)
Sprachförderung in einer Kindertagesstätte. (Imago / Joker / Petra Steuer)

Für den Bildungsforscher Ludger Wößmann liegt der Schlüssel zur Chancengleichheit in frühkindlicher Bildung. Das zeige der Vergleich mit den Ländern, wo höhere Bildungsgerechtigkeit herrsche, so der Leiter des ifo Zentrums für Bildungsökonomik in München.

Armut verfestigt sich, so das Ergebnis einer neuen Studie der Hans-Böckler-Stiftung. Bildung sei der Schlüssel, um diesen Teufelskreis zu durchbrechen. Nur: Der Bildungserfolg hängt immer noch stark von der Herkunft ab.

"Bildung ist kumulativ", betont Ludger Wößmann, Leiter des ifo Instituts für Bildungsökonomik. Deshalb sei es wichtig, im Sinne der Chancengleichheit schon möglichst früh mit der Förderung zu beginnen. 

"Wenn wir wirklich wollen, dass später mehr Kinder aus benachteiligten Schichten auf die Uni kommen, dann müssen wir im frühkindlichen Bereich ansetzen, schon vor der Grundschule, damit sie ähnliche Startchancen in dem Bereich haben."

Zwar habe es in den letzten Jahren einen massiven Ausbau in der frühkindlichen Bildung gegeben, aber die Frage sei, ob gerade die benachteiligten Kinder davon profitierten. Der Ausbau ermögliche es vor allem den Eltern, am Arbeitsmarkt teilzunehmen. Er solle aber eigentlich auch die Chance bieten, die Kinder in ihrer Entwicklung zu fördern.

Zu frühe Aufteilung auf verschiedene Schularten

Ein weiterer Baustein auf dem Weg zur Chancengleichheit sei die spätere Verteilung auf verschiedene Schularten, so Wößmann weiter:

"Es müsste dazu kommen - und das ist in Deutschland ein heikles Thema -, dass wir nicht schon nach der vierten Klasse aufteilen auf verschiedene Schularten. Denn dann haben die bildungsfernen Schüler wenig Chancen gehabt, ihr volles Potenzial zu zeigen. De facto wird dann nach der dritten Klasse entschieden, wo ich hingehe. Wenn das so früh ist, dann sehen wir sehr stark, dass diese Entscheidung besonders stark von dem familiären Hintergrund abhängt und gar nicht so sehr von dem wirklichen Potenzial der Kinder. Länder, in denen das später geschieht, schaffen es, dass am Ende der Schulzeit größere Chancengleichheit besteht."

Förderung nach dem Gießkannen-Prinzip funktioniert nicht

Im Bereich der frühkindlichen Bildung sei es wichtig, dass die Förderung auch wirklich bei den bedürftigen Kindern ankomme. Der Ausbau der frühkindlichen Bildung sei bislang eher nach dem Gießkannen-Prinzip erfolgt und habe so zum Teil den bildungsnahen Schichten genutzt.

"Wir müssten den Mut haben zu sagen: Nein, wir investieren jetzt ganz stark in die Kinder aus den bildungsfernen Schichten, damit die die Chance haben, wirklich besser vorbereitet vorangehen zu können."

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