B. Grant / T. Dougherty: „Unsere Erde vorher und nachher“

Unser Raubbau an der Natur

05:54 Minuten
Buchcover von "Unsere Erde vorher und nachher". Das Cover des quadratischen Bildbands zeigt mit zwei Luftaufnahmen, wie der Aralsee über die Jahre immer kleiner geworden ist. Dahinter weißer Hintergrund, auf dem der Titel des Buchs in grüner Schrift steht.
© DuMont Buchverlag

Timothy Dougherty, Benjamin Grant

Übersetzt von Nina Goldt

Unsere Erde vorher und nachher. 250 Satellitenaufnahmen zeigen, wie wir die Welt verändernDumont, Köln 2021

288 Seiten

38 Euro

Von Günther Wessel · 05.01.2022
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Riesige Autobahnkreuze im Nirgendwo, ausufernde Fabrikanlagen, kahl geschlagene Wälder: Die Menschheit verändert den Planeten, aber nicht zum Besseren. Der Bildband „Unsere Erde vorher und nachher“ macht das eindringlich und mahnend klar.
Der Historiker Benjamin Grant gründete 2013 das Projekt „Overview“, das inzwischen eine Webseite mit Blog und einen Instagram-Account mit mehr als einer Million Followern betreibt. Das Buch zeigt nun in hervorragender Qualität 250 der dort veröffentlichten Satellitenbilder, subsumiert in den Kategorien Zivilisation, Ressourcen und Reaktionen. Jedes Kapitel wird von einem kurzen Text eingeleitet und jedes Bild ist mit einer prägnanten und informativen Bildlegende versehen. 
Diese faszinierenden Bilder aus der Weltraumperspektive dokumentieren etwa das Wachstum der Städte und zeigen wie sich Las Vegas innerhalb der letzten 30 Jahre in die Wüste hineingefressen hat – mit einer unendlichen Aneinanderreihung von Einfamilienhäusern.

Der Mensch frisst sich in die Natur

Sie zeigen aber auch wie der motorisierte Verkehr die Landschaft verändert: Riesige Autobahnkreuze erstrecken sich im Nirgendwo, auf einer Altreifendeponie warten Hunderte Millionen alter Autoreifen darauf, abtransportiert und verbrannt zu werden, mehrspurig stauen sich Lkws im Hafen von Los Angeles.
Vier andere Aufnahmen zeigen, wie deutsche Autos nach Singapur gelangen: das Volkswagenwerk in Wolfsburg, die riesigen Hafenanlagen von Bremerhaven – hier werden weltweit die meisten Autos umgeschlagen –, die Frachtschiffe im Suezkanal und schließlich die Entladestellen in Singapur.
Eines ist aber bei allen Bildern gleich: eine erschreckende Menge an betonierter, versiegelter Fläche, bar jeder Natur.

Bilder wirken wie abstrakte Kunst

Manche Fotos wirken in ihrer Farbgebung wie abstrakte Kunstwerke. An Piet Mondrians Farbflächenbilder erinnern ausgerechnet (oder passenderweise) die Luftaufnahmen der großen blühenden Tulpenfelder in Holland, an flächige weiße Farbaufträge von abstrakten Malern die 36.000 Hektar mit Plastikplanen überspannten Felder und Gewächshäuser bei Almería in Südspanien – hier wächst angeblich die Hälfte der gesamten Obst- und Gemüsemenge in Europa.
Unterschiedliche Grün-, Türkis- und Brauntöne treffen dort stimmungsvoll aufeinander, wo menschliches Handeln eine gigantische Naturkatastrophe auslöste: an der Küstenlinie des Aralsees, der heute wegen Flussableitungen zur Bewässerung von Baumwollplantagen nur noch ein Achtel seiner ursprünglichen 65.000 Quadratkilometer misst.

Der Mensch ist verantwortlich

Zersiedelte Landschaften, durch Raubbau an Rohstoffen vergiftete Natur, kahl geschlagene Wälder, ausufernde Fabrikanlagen, durch den Klimawandel ausgelöste Naturkatastrophen – immer ist der Mensch verantwortlich für das, was uns dieser hervorragende Bildband eindringlich nahebringt, für das Verschwinden der Natur und damit die Zerstörung unserer eigenen Lebensgrundlage. Sehend wissen wir: Wir stehen an einem Scheideweg, wir bestimmen, wie sich das Leben auf der Erde entwickeln wird.

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