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Lesart / Archiv | Beitrag vom 29.12.2016

Bestseller-Autorin Rita Falk"Dann schreib' ich jetzt was Lustiges!"

Von Georg Gruber

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Die Krimi-Autorin Rita Falk landete mit ihren Franz-Eberhofer-Krimis, die in dem bayerischen Dorf NIederkaltenkirchen angesiedelt sind, Bestseller-Hits, die mittlerweile auch verfilmt wurden. (picture alliance/dpa/Uwe Zucchi)
Die Krimi-Autorin Rita Falk lebt gern auf dem Land in der bayrischen Provinz. (picture alliance/dpa/Uwe Zucchi)

Der Eberhofer Franz, Polizist in Niederkaltenkirchen, und seine Freunde bevölkern die Provinz-Krimis von Rita Falk. Dass die Geschichten auf der Bestseller-Liste landeten, hat sie selbst überrascht.

Niederkaltenkirchen heißt das kleine Dorf, in dem Millionen Leser zu Hause sind. Dort lebt und ermittelt Franz Eberhofer. Ausgedacht hat sich den Polizisten und das ganzen Leben in diesem Dorf – die Oma, den Vater, die Freundin Susi, die Kriminalfälle - Rita Falk. Sie wohnt mit ihrem Mann, einem Polizisten, in einem ganz ähnlichen Dorf, noch kleiner als Niederkaltenkrichen. In einem alten Schulhaus, erbaut um 1900. Sie öffnet die Tür, blonde Haare, Jeans, grüne Wolljacke.

"Hallo, herzlich willkommen und hereinspaziert, so, geh ma gleich ins Wohnzimmer durch, und wo wir uns jetzt befinden ist tatsächlich das alte Klassenzimmer, das einzige Klassenzimmer übrigens in der Schule. Und wir haben das Haus vor zwei Jahren gekauft und dann eben ein bisschen umgebaut."

Bücherregale bis zur Decke

Ein großer Tisch, Bücherregale bis zur Decke, aber keine Spur vom Franz und seinem Kumpel und Ex-Kollegen, dem Birkenberger Rudi. Die warten im ehemaligen Rektorenzimmer:

"So, wie man sieht, stehen auch der Eberhofer und Birkenberger im Eck, das sind die Kinoaufsteller von den Filmen, und die überlassen mir die Kinobetreiber dann immer, wenn die Filme abgelaufen sind. Und die zwei schauen mir dann beim Schreiben immer über die Schulter."

Hier schreibt sie also, mehrere Stunden am Tag. Die Verfilmungen haben sicher zur Popularität der Krimi-Reihe beigetragen. Auch die Hörbücher, gesprochen von Christian Tramitz verkaufen sich hundertausendfach.

Wie hoch die Auflage ihrer Bücher ist, interessiere sie nicht, sagt sie. Aber sie kann sich noch erinnern, wie es war, als ihr Erstling "Winterkartoffelknödel" auf einmal in den Bestsellerlisten auftauchte:

"Also das erste Mal war das wirklich ganz krass, also mein Mann hat geheult, tatsächlich, ich bin da immer ein bisschen rationaler, ich habe schon eine Gänsehaut gehabt, und so, und freu mich, aber ich bin dann schon sehr realistisch auch immer, und sag: ja, das ist jetzt ganz toll, und ich freu mich, aber wer weiß, wie es weitergeht."

Schreiben gegen die Lebenskrise

Das Schreiben war für sie ein Weg aus einer persönlichen Lebenskrise: Arbeitslos, Burnout mit Mitte vierzig - bis dahin hatte sie als Bürokauffrau gearbeitet.

"Mir ist wirklich sehr, sehr schlecht gegangen, wie ich arbeitslos geworden bin und hab mir dann überlegt, Mensch, du wolltest doch immer schon mal mehr Zeit zum Schreiben haben, weil ich habe früher schon viel so Kurzgeschichten und so Zeug geschrieben und hab mir gedacht: Jetzt probierst du es einfach. Und durch das, dass ich in einer ganz anderen Welt war, eben in Niederkaltenkirchen zum Beispiel, waren meine eigenen Probleme sind weniger geworden und waren plötzlich weg. Und ich war dann soviel damit beschäftigt, mir Figuren auszudenken und Plots auszudenken und Örtlichkeiten, dass ich einfach viel mehr in der Welt meiner Bücher war, als in meiner eigenen Welt. Und das hat mir sehr geholfen doch.

"Winterkartoffelknödel" entstand, nachdem ihr erstes Manuskript, "Hannes" die Geschichte einer Freundschaft, überall abgelehnt worden war, mit der Begründung: zu schwere Kost für ein Debut.

"Und dann bin ich da so ein bisschen trotzig geworden und habe mir gedacht: Okay, wenn ihr von mir nichts Ernstes haben wollt, dann schreib' ich jetzt was Lustiges. Und dann ist eigentlich der Eberhofer entstanden."

Und mit den Erfolgen der Provinzkrimis hat es auch  "Hannes" inzwischen in die Buchläden geschafft.

"So, das ist jetzt meine Küche, die haben wir letztes Jahr neu gemacht und da haben wir die Wand rausmachen lassen und haben eine große Essküche, und, ja, ich kenn das einfach von meiner Oma, wir sind die meiste Zeit bei meiner Oma in der Essküche gehockt, das Wohnzimmer ist eher für Weihnachten über geblieben. Für mich ist das so ein bisschen eine Kindheitserinnerung, drum wollte ich das unbedingt."

Provinz – lange Zeit war das ein Schimpfwort. Heute ist Niederkaltenkirchen fast schon so etwas wie ein Sehnsuchtsort für Hundertausende. Mittelpunkt einer überschaubaren Welt, die auch durch die Verbrechen nicht wirklich aus den Fugen gerät.

"Also ich kann da nur das wiedergeben, was mir meine Leser eben auch schreiben in ihren Briefen, dass sie sich einfach in Niederkaltenkirchen wohlfühlen und zu Hause fühlen, und dass sie einfach mit der Oma am Küchentisch sitzen und beim Wolfi ein Bier mittrinken und mit dem Franz auf Streife fahren."

Eine Erfolgsgeschichte wie im Märchen

Von der arbeitslosen Bürokauffrau mit Burnout zur Bestsellerautorin – klingt fast wie im Märchen. Rita Falk sagt, sie habe sich durch den Erfolg nicht verändert, sie sei die gleiche geblieben.

"Ich freu mich, wenn bei Lesungen die Menschen kommen und die kommen teilweise mit Tränen in den Augen und fragen: Frau Falk, dürfen wir ein Selfie machen, dürfen wir Sie mal drücken? Das ist eigentlich so mehr mein Lohn, der Kontakt mit den Fans….. (Bellen) Jetzt aber Schluss, da ist der Stock größer als der Dackel."

Von der Küche aus kann man in den Garten gehen. Vier Hunde haben sie, Hühner, Enten, zwei Pferde, zwei Esel. Der Blick geht über die Wiesen zum nächsten Dorf. In welchem Ort sie wohnt, soll nicht verraten werden, so die Absprache vor dem Besuch.

Rita Falk sagt, sie habe das Leben auf dem Land schon immer geliebt, schon als Kind. Die Enge, dieses "jeder kennt jeden" und jeder weiß alles über den anderen und spricht auch darüber – für sie kein Problem. Im Gegenteil:

"Davon habe ich meine Ideen her, ich hock‘ immer mit offenen Ohren irgendwo in einem Lokal, bin irgendwo am Stammtisch neben dran, lausch‘ da fleißig mit, für mich ist das sehr wichtig, in der Provinz zu leben. Provinz ist für mich einfach schön."

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