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Studio 9 | Beitrag vom 26.02.2020

Berlinale-Wettbewerb: "The woman who ran"Heiter-ironisches Gefühlsschlamassel

Anke Leweke im Gespräch mit Liane von Billerbeck

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Filmstill aus "The Woman Who Ran": Eine Frau sitzt, auf das Smartphone blickend, vor einem Fenster mit halb zugezogenen Vorhängen. (Jeonwonsa Film Co. Production)
Szene aus "The woman who ran" von Hong Sang-soo: Essenz der Gefühle. (Jeonwonsa Film Co. Production)

Halbzeit bei der Berlinale. Gestern feierte "The woman who ran" von Hong Sang-soo Premiere, und auch "Never Rareley Sometims Always“ von Eliza Hittman wurde aufgeführt. Unsere Kritikerin Anke Leweke hat die "bisher bewegendste Szene" der Festspiele gesehen.

Nach dem Erfolg von "Parasite" blickt das Publikum nun anders auf das südkoreanische Kino. Gestern feierte "The woman who ran" von Hong Sang-soo Premiere auf der Berlinale. Ein Film über eine Frau, die die Geschäftsreise ihres Ehemannes nutzt, um drei alte Freundinnen wiederzusehen.

"The woman who ran" hat unserer Kritikerin Anke Leweke sehr gut gefallen. Hong Sang-soo, der bereits zum vierten Mal im Wettbewerb vertreten ist, mache eigentlich immer wieder den gleichen Film, sagt sie: "Es dreht sich immer um die Liebe."

Feinsinnig aufgebaut, Gedichten ähnlich

Die Filme des südkoreanischen Regisseurs hätten "etwas schön Beiläufiges", so Leweke. Aber sie seien feinsinnig aufgebaut, Gedichten ähnlich. Lange Kamera-Einstellungen entwickelten einen Sog. "Die Dialoge wirken erst mal banal, wie improvisiert, haben dann aber einen unheimlichen Nachhall, weil es letztlich immer um das Wesentliche geht, um die Essenz der Gefühle, der Sehnsüchte."

"Auf heiter-ironische Weise nimmt uns dieser Regisseur mit in ein Gefühlsschlamassel, das wir alle sehr gut kennen", bilanziert Leweke.

Sehr gut kommt bei unserer Kritikerin auch "Never Rareley Sometims Always" von Eliza Hittman weg - ein Film über ein 17-jähriges Mädchen aus der US-amerikanischen Provinz, die wegen einer Abtreibung nach New York reist.

Die reaktionäre Stimmung in den USA

In dem Film werde nicht viel gesprochen, sondern "sehr präzise beobachtet", sagt Leweke. Und er beinhalte die bisher schönste und bewegendste Szene des Festivals - es ist das Gespräch einer Sozialarbeiterin mit der jungen Heldin, in dem vieles nicht ausgesprochen wird, sich aber immer wieder Erkenntnis im Gesicht des Mädchens spiegelt.

Der Film lasse im Gegensatz zu anderen Wettbewerbs-Beiträgen endlich auch einmal die Gegenwart eines Landes durchschimmern, betont Leweke: Er erzähle viel über die reaktionäre Stimmung in den USA, über männliche Gewalt und Repressionen.

(ahe)

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