Schach

Die Computer haben die Nase vorn

06:33 Minuten
Magnus Carlsen bei der "Meltwater Champions Chess Tour" in Oslo im November 2021.
Gegen einen Schachcomputer hat selbst der amtierende Weltmeister Magnus Carlsen keine Chance. © picture alliance / NTB | Torstein Bøe
Niclas Huschenbeth im Gespräch mit Thomas Wheeler · 26.12.2021
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Jahrzehnte lang kann man Schach spielen und immer neuen Gefallen daran finden: an der Komplexität und Ästhetik des Spiels. Doch den Kampf gegen die Maschinen haben wir längst verloren, sagt der Schachgroßmeister Niclas Huschenbeth.
Seit 2013 dominiert ein Norweger die Schachwelt: Magnus Carlsen. Am 18. Dezember hat er zum vierten Mal den WM-Titel verteidigt, in einer letztlich klaren Angelegenheit mit 7,5 zu 3,5 gegen den russischen Herausforderer Ian Nepomnjaschtschi.
Das Besondere am neuen alten Weltmeister, sei, „dass er einfach kaum Fehler macht, dass er über einen langen Zeitraum, über die gesamte Partie qualitativ hochwertige Züge spielt“, sagt der deutsche Schachgroßmeister Niclas Huschenbeth. Carlsen habe den Kampf um die Weltmeisterschaft „mehr oder weniger gewonnen, weil er die Fehler von seinem Gegner, die Patzer, die der Gegner begangen hat, konsequent ausgenutzt hat“.

Auch nach 20 Jahren noch begeistert

Niclas Huschenbeth ist 29 Jahre alt und kam über seinen Vater zum Schach. Dieser hatte ihm das Spiel beigebracht. Schon früh hatte er einen Schachcomputer, gegen den er Tag und Nacht spielen konnte. Bis heute ist seine Leidenschaft für dieses Spiel groß. Mittlerweile gibt er seine Begeisterung weiter – in seiner Online-Schachschule Chessence. „Wenn man sich ein wenig mit Schach beschäftigt hat, dann erkennt man recht schnell diese unglaubliche Tiefe, diese Komplexität von dem Spiel", betont er. "Dass jede Partie irgendwie anders ist, dass man immer etwas Neues sieht, etwas Neues lernt, neue Motive kennenlernt."
Er selbst spiele über 20 Jahren Schach und sei noch nicht einmal ansatzweise an dem Punkt angelangt, wo er sagen würde: Ich habe jetzt Schach verstanden oder durchdrungen. "Leute, die jetzt neu dabei sind oder die vielleicht auf meinem YouTube-Kanal die Videos schauen, die erfreuen sich genauso an der Ästhetik, an der Komplexität von Schach – und ich bringe das einfach rüber, was ich empfinde, meine Leidenschaft, und teile das mit den Leuten.“

Die Computer sind nicht einzuholen

Die Grundzüge des Spiels zu erlernen, gehe schnell, sagt der Schachgroßmeister, aber das ganze Brett im Blick zu haben und zu erkennen, wie die Figuren zu ziehen seien, das dauere und komme erst über die Praxis.
Doch eins ist klar, wie Huschenbeth erklärt: Die Schachcomputer haben die Menschen in dieser Hinsicht schon längst überholt. "Wenn es darum geht, wer besser ist im Schach, dann ist es auf jeden Fall mittlerweile der Computer. Um das einzuordnen: Der beste Spieler der Welt, Magnus Carlsen, hat eine Elo-Zahl, das ist die internationale Wertungszahl, von 2860. Die Computer werden eingeschätzt auf ungefähr 3400." Dieser Unterschied von 500 bis 600 Punkten sei enorm. "Insofern sind im Schach die Computer auf jeden Fall schlauer, kann man sagen."

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