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Studio 9 | Beitrag vom 30.01.2018

BegabtenförderungLeistung macht Schule

Von Anke Petermann

Schüler während einer Unterrichtsstunde. (imago/photothek)
Begabtenförderung soll stärker an Regelschulen verankert werden. (imago/photothek)

Bund und Länder wollen besonders leistungsfähige Schüler besser fördern. Und damit Talente nicht unentdeckt bleiben, starten sie nun eine Initiative an Regelschulen. Wir haben eine der Pilotschulen besucht.

Im Informatik-Unterricht demonstriert Ina Seiwert, wie sie das zuvor programmierte farbige Blinken eines LED-Streifens über einen Laptop steuert. Die Fachoberschülerin will studieren, und zwar:

"In Richtung Medien – Medien-Informatik oder Medien-Design."

Die 18-Jährige ist ein kreatives Talent, glaubt ihr Informatik-Lehrer. Christian Stadler setzt auf forschendes Lernen, eine Methode, die es erleichtert, Begabte zu erkennen und zu unterstützen.

"Wir hatten zum Beispiel schon am Anfang mit den Robotern gearbeitet, wo sie Spiele entwickeln sollten, nach dem Motto, wie können wir das kombinieren, und da gab's einige, die schon selbständig auf die Idee kamen, was passiert, wenn die zusammenstoßen würden, wie kann ich einen Algorithmus entwickeln, dass eine Kollision vermieden wird, da braucht man die besonders Guten gar nicht mehr drauf zu stoßen, die versuchen das schon selbständig zu lösen. Und das Schöne ist, gerade in dem Bereich haben wir festgestellt: Die versuchen, auch die Schwächeren zu unterstützen - von sich aus."

125 Millionen bis 2028

Ina Seiwert holt sich genau damit zusätzliches intellektuelles Futter, beobachtet Stadler. Damit Begabtenförderung an Regelschulen nicht länger zufällig bleibt, sondern das Leistungsniveau systematisch hebt, haben sich Bund und Länder auf einen 125-Millionen-Euro-Etat bis 2028 verständigt. Inklusive wissenschaftlicher Begleitforschung. In Rheinland-Pfalz soll das Pädagogische Landesinstitut in Speyer Lehrern eine Vielfalt von Methoden vermitteln. Es gilt, so die Mainzer Bildungsministerin Stefanie Hubig, SPD, Leistungsstarke zu fordern, aber auch verschüttete Potenziale Leistungsfähiger zu entfalten.

"So dass wir in jedem Jahr fünf Jahre lang 250.000 Euro, also 1,25 Millionen allein für dieses Projekt ausgeben, weil wir glauben, dass es in den 17 Schulen in Rheinland-Pfalz – und da haben wir alle Schularten dabei – die Berufsbildenden Schulen, die Grundschulen, die Realschulen plus, die IGSen (Integrierte Gesamtschulen) und auch die Gymnasien, dass es also dann später auch auf andere Schulen mit übertragen werden kann."

Kritiker: Die Klassen sind zu groß

"Wichtig ist der Bereich der Diagnostik", sagt Sigrid Schöpfer. Die Leiterin der kombinierten Haupt-, Real- und Fachoberschule Birkenfeld hält Fortbildung in diesem Bereich für besonders wichtig. Sie will auch bildungsferne Elternhäuser erreichen und Mentoring für verborgene Talente organisieren. Eine gute Idee, findet Schulelternsprecher Alexander Wirth.

"Ich glaube, das ist der Schlüssel zum Erfolg. Meiner Überzeugung nach ist es so, dass je mehr die Eltern die Begabung ihrer Kinder erkennen, (sie) auch wissen, wo sie ansetzen können. Und wenn man hier noch Möglichkeiten schafft, dass die Eltern viel mehr beteiligt werden an der Entwicklung des Kindes, was ja im Grunde genommen jedes Elternteil möchte, dann glaube ich, ist das eine sehr, sehr positive Geschichte."

Kritiker merken allerdings an: In Klassen mit bis zu 30 Schülern, wie sie in Rheinland-Pfalz für Stufe 7 bis 10 möglich sind, sei eine gezieltere Förderung Leistungsstarker und potenziell Leistungsfähiger kaum zu stemmen.

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