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Interview / Archiv | Beitrag vom 01.02.2018

Befristete Arbeitsverträge Skepsis gegenüber SPD-Position

Werner Eichhorst im Gespräch mit Dieter Kassel

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Ein Mitarbeiter des Gebäudereiniger-Handwerks hält am 01.05.2014 in Nürnberg (Bayern) auf einer Kundgebung vom Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) einen Protest-Flyer gegen befristete Arbeitsverhältnisse in seiner Branche in der Hand. (dpa/picture-alliance/Daniel Karmann)
Die Gewerkschaften kämpfen seit Jahren befristete Arbeitsverhältnisse (dpa/picture-alliance/Daniel Karmann)

Befristete Arbeitsverträge sind für viele Menschen ein Hindernis im Berufsleben. Deshalb streiten Union und SPD darüber, ob sie beschränkt werden sollten. Der Soziologe Werner Eichhorst sieht kein großes Problem, außer an den Hochschulen. Er hält eine Reform der Mini-Jobs für wichtiger.

Arbeitnehmer, die sich jahrelang von einem Vertrag zum nächsten hangeln, schlechte Bezahlung, geringe Karrierechancen. Die SPD will deshalb in den Koalitionsgesprächen durchsetzen, dass "befristete Arbeitsverträge" eingeschränkt werden, die Union wehrt sich dagegen.Aus Sicht der Arbeitgeber kann es gute Gründe für Befristungen geben, etwa wenn ein Arbeitnehmer nur für ein bestimmtes Projekt eingestellt wird oder eine Vertretung für einen erkrankten Kollegen übernehmen soll. Doch seit 1985 kann ein Arbeitgeber Arbeitsverträge auch "sachgrundlos" befristen. Um diese Verträge geht es beim aktuellen Streit zwischen der Union und der SPD.

Ohne sachlichen Grund können Arbeitsverträge für höchstens zwei Jahre befristet werden. Kürzere Verträge dürfen höchstens drei Mal verlängert werden, aber nur bis zu einer Gesamtdauer von zwei Jahren. Außerdem darf der Arbeitnehmer beim Unternehmen vorher nicht beschäftigt gewesen sein. Der Gesetzgeber versucht damit Arbeitgebern eine Brücke bauen, damit diese länger prüfen können, bevor sie sich binden.

Kein großes Thema

Der Soziologe Werner Eichhorst sieht da vor allem in der Privatwirtschaft kein großes Problem bei den befristeten Verträgen. "Insgesamt haben in Deutschland über die letzten Jahre konstant etwa sechs bis sieben Prozent der Beschäftigten einen befristeten Arbeitsvertrag.", sagte der Direktor im Bereich Arbeitsmarktpolitik Europa des Forschungsinstituts zur Zukunft der Arbeit (IZA) im Deutschlandfunk Kultur. Nur einige davon seien "sachgrundlos". Hinzu kämen etwa genauso viele befristete Verträge für Auszubildende.  In Deutschland sei im europäischen Vergleich eines der Länder, wo der Übergang aus der befristeten Beschäftigung in eine unbefristete Tätigkeit recht leicht möglich sei. "Das sehe ich nicht das große Thema und man kann jetzt nicht sagen, dass es in den letzten Jahren sich zugespitzt hätte."

Studenten an der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule (RWTH) Aachen verfolgen am Mittwoch (12.04.2006) eine Vorlesung im Fach Maschinenbau. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft und der Wissenschaftsrat haben im Rahmen der Exzellenzinitiative die RWTH Aachen auf ihre Liste der Elite-Unive. (Oliver Berg / dpa)Vor allem an den Hochschule wird die Befristung für viele zur beruflichen Sackgasse (Oliver Berg / dpa)

Probleme an den Hochschulen

Sehr viel mehr befristete Arbeitsverträge als in der Privatwirtschaft gebe es im öffentlichen Dienst und vor allem an den Hochschulen. Dort sei auch die Wahrscheinlichkeit geringer, in einen unbefristeten Job überzugehen. In der Wissenschaft gebe es auch nochmal ein eigenes Arbeitsrecht, das Befristungen im größeren Umfang zulasse. "Hier fehlt in Deutschland eine Lösung, die es erlaubt, dann eben auch akademische Karrieren zu einem früheren Zeitpunkt zu stabilisieren und dann auch eine Entfristung unterhalb der Professorenebene hinzubekommen."

Kritik an Mini-Jobs   

Eichhorst sagte, er sehe andere Beschäftigungsverhältnisse, vor allem die "Mini-Jobs" für viel problematischer. Sie böten wenig Aufstiegsmöglichkeiten, wenig soziale Absicherung und teilweise höher Qualifizierte in einfachen Tätigkeiten festhielten.  "Hier würde ich mir eher eine Reform wünschen als im Bereich der befristeten Beschäftigung."

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