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Fazit | Beitrag vom 15.08.2021

Bedrohte Medienschaffende in Afghanistan "Die Bundesregierung hat sich die Lage schöngeredet"

Christian Mihr im Gespräch mit Eckhard Roelcke

Trauerfeier für den indischen Fotojournalisten Danish Siddiqui, der in Kandahar von den Taliban getötet wurde. (imago / Pacific Press  / Ishant Chauhan)
Bedrohte Journalistinnen und Journalisten: Trauerfeier für den indischen Fotofrafen Danish Siddiqui, der in Kandahar von den Taliban getötet wurde. (imago / Pacific Press / Ishant Chauhan)

Durch ein VISA-Notprogramm sollen afghanische Mitarbeiter deutscher Medienhäuser geschützt werden. Das fordert ein Offener Brief an die Bundesregierung. Berlin habe die Lage falsch eingeschätzt, kritisiert Christian Mihr von Reporter ohne Grenzen.

Die Taliban haben in Afghanistan die Macht übernommen und bedrohen nun auch Medienschaffende. Zum Schutz für afghanische Mitarbeiter deutscher Medienorganisationen fordern Verlage, Sender und Medienhäuser – darunter auch Deutschlandradio – in einem Offenen Brief an die Bundesregierung ein VISA-Notprogramm.

Katja Gloger von Reporter ohne Grenzen spricht in zwei Mikrofone. (picture alliance / Christoph Soeder)Katja Gloger, Reporter ohne Grenzen (picture alliance / Christoph Soeder)Reporter ohne Grenzen fordert UN-Sondersitzung [AUDIO] Alle Journalistinnen und Journalisten in Afghanistan seien bedroht, sagt Katja Gloger von Reporter ohne Grenzen. Die Taliban gingen von Haus zu Haus und suchten gezielt nach ihnen. Gefordert werde eine Sondersitzung des UN-Sicherheitsrats mit NGOs, um durch einen Notfallplan Medienschaffende aus dem Land und außer Gefahr zu bringen. 

Mindestens 100 Medienschaffende seien in den letzten 20 Jahren in Afghanistan ermordet worden, sagt Christian Mihr von Reporter ohne Grenzen. "In Gefahr sind alle Journalistinnen und Journalisten in Afghanistan, die dort für einheimische oder für viele ausländische Medien arbeiten: für deutsche Medien wie den Spiegel, die dpa und viele andere Medien, die angewiesen sind auf den Sachverständigen vor Ort."

Insgesamt handele es sich vermutlich nur um ein paar Dutzend Mitarbeiter, die geschützt werden müssten, so Mihr.

Dramatische Lage verkannt

Wie gefährlich es in Afghanistan ist, habe erst kürzlich ein Kollege berichtet: "Er hat dort mit Medienschaffenden vor Ort gesprochen. Der Bericht, den mein Kollege mitgebracht hat, war dramatisch."

Hier geht es zum Literatursommer von Deutschlandfunk Kultur. (Foto: imago / fStopImages / Malte Müller)

Medienmitarbeitende nicht in ein Schutzprogramm aufzunehmen, wie es jüngst die USA getan hätten, sei ein Versäumnis der Bundesregierung, weil die Entwicklung in Afghanistan absehbar gewesen sei. Überhaupt habe die Bundesregierung die Lage der vergangenen Jahre falsch bewertet, sagt Mihr.

"Ich kenne viele Berichte der vergangenen Monate und Jahre, wo Journalistinnen und Journalisten bedroht waren und wo es mit deutschen Behörden Diskussionen gab, wenn die ausreisen sollten oder im Asylverfahren waren. Die Bundesregierung hat sich die Lage in Afghanistan in den vergangenen Jahren immer wieder schöngeredet."

(mle)

Eine Frau steht an einer TV-Kamera und filmt. Sie trägt ein geblümtes Kopftuch. (imago / Rahmat Alizadah )Zan TV-Reporterin (imago / Rahmat Alizadah )Berichten trotz tödlicher Gefahr
Schon vor dem Vormarsch der Taliban war die Lage insbesondere für Journalistinnen schwer in Afghanistan. Viele werden von Extremisten bedroht oder getötet. Deshalb sind auch viele ins Exil gegangen. Auch die Journalistinnen von Zan TV, ein afghanischer Fernsehsender, der fast ausschließlich von Frauen betrieben wird, müssen sehr vorsichtig sein und können kaum mehr live berichten.

Mehr zum Thema

Journalistinnen in Afghanistan - Berichten trotz tödlicher Gefahr
(Deutschlandfunk Kultur, Weltzeit, 12.08.2021)

NATO-Abzug aus Afghanistan - Ein Volk in Angst vor den Taliban
(Deutschlandfunk Kultur, Weltzeit, 27.07.2021)

Afghanistan - Morde an Journalisten bedrohen die Pressefreiheit
(Deutschlandfunk Kultur, Politisches Feuilleton, 22.01.2021)

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