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Interview | Beitrag vom 18.10.2019

BDI-Kongress in Köln Goldgräberstimmung im Weltraum

Stephan Hobe im Gespräch mit Ute Welty

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Blick auf den Mond von der internationalen Weltraumstation aus. (Nasa/Zuma Wire/dpa/picture-alliance)
Auch der Weltraum benötigt eine rechtliche Ordnung, fordert der Jurist Stephan Hobe. (Nasa/Zuma Wire/dpa/picture-alliance)

Da die kommerzielle Bedeutung des Weltraums wächst, werden auch mehr rechtliche Regelungen nötig, sagt der Jurist Stephan Hobe. Vor allem die USA hätten daran wenig Interesse, um die Ressourcen im All einfach nutzen zu können.

Die Raumfahrt ist für die deutsche Industrie im digitalen Zeitalter von zentraler Bedeutung. 50 Jahre nach der ersten Mondlandung veranstaltet der Bundesverband der deutschen Industrie (BDI) deshalb seinen ersten Weltraumkongress, der sich mit den kommerziellen Möglichkeiten des Alls befasst. Angesichts von Weltraumtourismus, Satellitennutzung und Ressourcenabbau wächst aber auch der Bedarf an mehr rechtlicher Regelung. 

"Rechts vor Links" gelte im Weltraum leider bisher noch nicht, sagt der Jurist Stephan Hobe, Leiter des Instituts für Luft- und Weltraumrecht der Universität Köln. Aber es sei schon physikalisch schwierig, das zu etablieren. "Aber wir müssen an Verkehrsregeln für den Weltraum ran in der Zukunft." Bisher gebe es fünf international gültige Verträge, denen einige Staaten beigetreten seien. So gebe es beispielsweise seit 50 Jahren einen internationalen Weltraumvertrag, den rund 110 Staaten ratifiziert hätten. Der Mondvertrag dagegen werde nur von 18 Nationen unterstützt.

Marlin Hughes schaut am 4.2.2003 in Nacogdoches (Texas) auf eine runde Eisenkugel, bei der es sich um einen Tank der verunglückten Columbia-Raumfähre handeln soll. Die NASA hält es für möglich, dass die Unglücks-Raumfähre "Columbia" von Weltraummüll getroffen wurde. (AFPI/dpa/picture-alliance)Die Eisenkugel "Columbia" könnte von Weltraummüll getroffen worden sein und kam in Texas vom Himmel. (AFPI/dpa/picture-alliance)

Gerade was den Umweltschutz angehe, sei aber noch viel zu tun: "Die wichtigsten Umlaufbahnen werden seit 50 Jahren benutzt." Deshalb gebe es viele Rückstände, eben "Weltraumtrümmer", die durch ihre große Geschwindigkeit sogar große Satelliten zerstören könnten. "Das ist eine tickende Zeitbombe." Es sollte deshalb eine Recyclingindustrie ins Leben gerufen werden, die ein Geschäft daraus machen könnten, Weltraumtrümmer zu beseitigen, sagt Hobe.

Himmelskörper gehören der Menschheit

Vor allem die USA hätten damit angefangen eine "Goldgräberstimmung" zu verbreiten und wollten am liebsten im Weltall nichts regeln. Aber Hobe plädiert dafür, dass rechtliche Grundlagen dringend benötigt würden. Schließlich gehörten der Mond und die anderen Himmelskörper nicht etwa einem einzelnen Staat oder Wirtschaftsunternehmen, sondern der ganzen Menschheit. "Das hat zur Folge, dass man sich überlegen muss, wie die Erlöse verteilt werden müssen."

Wie bei der Tiefseekonvention   

Auch in der Tiefsee habe es Versuche gegeben, zunächst nichts zu regeln. Dort gebe es aber inzwischen die Tiefseekonvention, die eine Lizenz vorschreibt, wenn man in der Tiefsee tätig wird. "Ein Lizenzsystem scheint mir relativ wahrscheinlich zu sein", sagte Hobe über eine zukünftige Regelung für den Weltraum. Vorbereitet werde auch etwas für den Schutz des Planeten, sollte eines Tages ein großer Asteroid auf die Erde fallen. "Aber die Begegnung mit Außerirdischen, die ist bisher nicht vorgesehen."

(gem)

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