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Interview / Archiv | Beitrag vom 23.07.2018

Bannons Pläne für Europas Rechtspopulisten"Die Vernetzung ist längst da"

Liane Bednarz im Gespräch mit Nicole Dittmer

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Das Bild zeigt Steve Bannon und die Front-National-Vorsitzende Marine Le Pen auf dem Parteitag in Lille. (picture-alliance / dpa / MAXPPP / Philippe Pauchet)
Steve Bannon und Marine Le Pen auf einem Parteitag in Lille. (picture-alliance / dpa / MAXPPP / Philippe Pauchet)

Steve Bannon, ehemaliger Chefberater von Donald Trump, will mit einer Stiftung Europas Rechtspopulisten zusammenbringen. Die Publizistin Liane Bednarz warnt vor so einem Zusammenschluss: "Das sind Strategen, die wissen genau, was sie tun."

Der ehemalige Wahlkampfberater von Donald Trump, Steve Bannon, will den Europawahlkampf 2019 aufmischen. Mit seiner Stiftung "Die Bewegung" wolle er Europas Rechtspopulisten zusammenbringen und im EU-Parlament eine "rechtspopulistische Supergruppe" bilden, heißt es in einem Bericht des Nachrichtenportals "The Daily Beast".

In der "New York Times" erklärte Bannon zuvor, er wolle die Infrastruktur sein für eine globale, populistische Bewegung. Neben der Europawahl habe Bannon auch Metapolitik im Sinn, erklärt die Publizistin Liane Bednarz:

"Er sagt, dass er Gruppen unterstützen will, dass er Infrastruktur bereitstellen will, er schaut, mit welchen politischen Stiftungen man zusammen arbeiten kann, d.h. er versucht auch gezielt die Diskursverschiebung gen Rechts in Europa weiter voranzutreiben."

"Man darf ihn nicht unterschätzen"

Und er könne sehr erfolgreich damit sein, schließlich habe Bannon eben auch viel Erfahrung:

"Er hat in den USA die rechtspopulistische Website 'Breitbart' geleitet, die ganz entschieden dazu beigetragen hat, dass sich in den USA dieser Diskurs so entwickelt hat, dass die Wahl von Trump überhaupt möglich war. Man darf ihn nicht unterschätzen, er hat sehr viel Erfahrung in diesem Bereich und er ist ja schon sehr gut vernetzt."

Links: Alice Weidel, Fraktionsvorsitzende der AfD im Bundestag, sitzt am 02.12.2017 beim Bundesparteitag der Alternative für Deutschland im HCC Hannover Congress Centrum in Hannover (Niedersachsen). Rechts: Das Bild zeigt Steve Bannon, den Chefstrategen von US-Präsident Trump. (Links: dpa / Hauke Christian Dittrich; rechts:picture-alliance / dpa / CNP / Olivier Douliery)Alice Weidel (l) traf Trumps Ex-Berater Steve Bannon (r) (Links: dpa / Hauke Christian Dittrich; rechts:picture-alliance / dpa / CNP / Olivier Douliery)

So habe sich Bannon bereits im Frühjahr mit Alice Weidel und Beatrix von Storch von der AfD in Zürich getroffen und dort auf Einladung der "Weltwoche" einen Vortrag mit dem sinnigen Titel "Die populistische Revolte und ihre globalen Auswirkungen" gehalten. Das Schweizer Magazin berichtete in einer ausführlichen Reportage davon.

"Reine Empörung wird nichts mehr erreichen"

Durch Bannons Eingreifen könnten rechtspopulistische Bewegungen noch mehr Auftrieb bekommen, befürchtet Bednarz. Sie könnten sich noch besser vernetzen und, sollte Bannons Plan aufgehen, im EU-Parlament noch viel stärker gegen die EU agitieren.

"Man muss sachlich dagegenhalten, aber man muss es härter tun und man muss es konsequenter tun. Mit reiner Empörung wird man überhaupt nichts mehr erreichen."

Wichtig sei es, diese Bewegung keinesfalls zu verharmlosen:

"Das sind Strategen, die wissen genau, was sie tun. Die Vernetzung ist längst da und wird von Bannon noch weiter angeheizt."

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(Deutschlandfunk Kultur, Studio 9, 04.01.2018)

Trumps gestürzter Einflüsterer - Warum Stephen Bannon gefährlich bleibt
(Deutschlandfunk, Andruck - Das Magazin für Politische Literatur, 11.09.2017)

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