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Konzert / Archiv | Beitrag vom 21.05.2021

Bamberger Symphoniker im Konzert mit PublikumRussische Lieblingswerke

Moderation: Stefan Lang

Hinter typisch russischen Kuppeln einer Kirche mit Kreuzen, die sich als schwarze Silhouette ezigen, geht dirket die Sonne glutrot unter. (IMAGO / ITAR-TASS / Marina Lystseva)
Sonnenuntergang in Moskau - hier studierte Rachmaninow, fand die Liebe seines Lebens und schrieb sein zweites Klavierkonzert, um dann die Stadt für immer zu verlassen. (IMAGO / ITAR-TASS / Marina Lystseva)

Die Bamberger Symphoniker treten heute das erste Mal wieder vor Publikum auf. Anna Vinnitskaya spielt das wohl beliebteste, das zweite Klavierkonzert von Rachmaninow, danach folgt ein regelrechtes Orchesterfest: "Bilder einer Ausstellung" von Modest Mussorgski.

Endlich wieder Publikum - eine Freude für alle Beteiligten, auch für uns, das Team vom Deutschlandfunk Kultur. Das Programm bietet zwei Highlights der russischen Musikliteratur samt europäischen Einwurfes: Jean Francaix hat für die außergewöhnliche Besetzung für Tuba und zwei Bläserquintette einen Europäischen Walzer komponiert, der zwischen den "russischen Riesen" erklingt.

An erster Stelle das wohl beliebteste romantische Klavierkonzert überhaupt, das Zweite von Sergei Rachmaninow, der es nach einer langen Schaffenskrise mit Hilfe seines Arztes zu Papier brachte. Ihm widmete er das Konzert, das die Welt eroberte. Solistin des Abends ist Anna Vinnitskaya, die gern in Bamberg eingeladen wird.

Die Pianistin mit hochgesteckten, leicht lockigen Haaren ist durch den geöffneten Flügel hindurch zu sehen. Sie sitzt gedankenverloren am Klavier und spielt versunken. (IMAGO / Reichwein)Pianistin Anna Vinitskaja ist kurzfristig eingesprungen, weil sich Kollege Oleksandr Gavryluk leicht am Arm verletzt hat. (IMAGO / Reichwein)

Der folgende Walzer ist typisch für Jean Francaix: er vermag Werke zu erfinden, die Herz und Verstand in gleichem Masse anregen und gleichzeitig intelligente Unterhaltung sind.

Französische Herkunft unüberhörbar

Außergewöhnlich: die Besetzung für Tuba solo, dazu doppelte Holzbläserrige und Hörner. Der Walzer war einst Auftragswerk für die Festspiele in Schwetzingen. Da geht es im arglosen Tubaton voran, doch technisch heikel, alles mit Witz in Spiellaune gemünzt. Unvermittelt schleicht sich die französische Hymne ein, wird wieder weggeblendet und mündet in munteren Zitaten der Kompositionskollegen. 

Heiko Triebener ist der Solist und wird von einem doppelten Bläserquintett der Bamberger Symphoniker begleitet.

Wilde Persönlichkeit

Final folgt Populäres von Modest Mussorgski – für Orchester vom Kollegen Ravel gesetzt. Modest Mussorgski war unberechenbar, sprunghaft, eine wilde, eruptive Erscheinung mit begnadetem Talent, Charaktere wie auch Stimmungen, Genreszenen und auch Einzelbilder zu musikalisieren.

Der russische Komponist Mussorgski, dargestellt auf einem Gemälde von I.J. Repin in der staatlichen Tretjakow-Galerie Moskau. Er wurde am 21. März 1839 in Karewo geboren und verstarb am 28. März 1881 in Petersburg. | (picture alliance / Novosti / Ilja Repin)Man sieht Modest Mussorgski an, dass er auch gern dem Wodka zusprach. (picture alliance / Novosti / Ilja Repin)

Die Anregungen für seine "Bilder einer Ausstellung" erhielt er durch den Besuch einer Gedächtnisausstellung zu Ehren seines Malerfreundes Victor Hartmann.

Von Bild zu Bild

Hartmann war überaus beliebter, der plötzlich verstarb. Mussorgski hatten es vor allem zehn seiner Bilder angetan, nicht alle hingen in der Ausstellung. Der Komponist geht in seinem Zyklus von einem zum anderen Bild - der Wechsel wird durch eine Promenadenmusik angezeigt. Viele Gestalten und Plätze sind zu entdecken. 

Von kleinen Gestalten und großen Toren

Zuerst der hässliche Gnomus, dann das alte Schloss, gefolgt von stampfenden Ochsenhufen, die einen Karren – Bydlo - durch den Dreck ziehen. Ein keckes Ballett der Kücklein in den Eierschalen setzt an, ein polnischer Jude bettelt einen reichen Mann an. 

Dem folgt der Besuch des Marktplatzes von Limoges, danach gelangt der Hörer in die Katakomben, wo der Komponist quasi in der Sprache der Toten mit den Toten spricht: Cum mortis in lingua mortua. An der 'Hütte der Baba Yaga' vorbei führt uns der Komponist zum Abschluss zum Großen Tor von Kiew. 

Live aus der Konzerthalle Bamberg

Sergei Rachmaninow
Konzert für Klavier und Orchester Nr. 2 c-Moll, op. 18

Jean Francaix
Petite Valse Europeenne (für Tuba und doppeltes Bläserquintett)

Modest Mussorgski
Bilder einer Ausstellung (Orchestrierung von Maurice Ravel)

Anna Vinnitskaya, Klavier
Heiko Triebener, Tuba

Bamberger Symphoniker
Leitung: Juraj Valčuha

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