Seit 00:05 Uhr Literatur

Sonntag, 23.09.2018
 
Seit 00:05 Uhr Literatur

Fazit | Beitrag vom 01.09.2018

Balthus-Ausstellung in BaselIn New York ein Skandal, in der Schweiz geehrt

Raphael Bouvier im Gespräch mit Marietta Schwarz

Beitrag hören Podcast abonnieren
Das Foto zeigt das Gemälde "Therese, träumend" des Malers Balthus, hier in einer Ausstellung im Kölner Museum Ludwig im Jahr 2007. (picture-alliance / dpa / Oliver Berg)
Bild des Anstosses: "Thérèse, träumend" von Balthus (picture-alliance / dpa / Oliver Berg)

Tausende Menschen forderten in einer Online-Petition, dass das Bild "Thérèse, träumend" von Balthus aus dem "Metropolitan Museum" in New York entfernt wird - weil es die "Sexualisierung von Kindern verkläre". Jetzt gibt es in Basel eine Balthus-Ausstellung. Mit dabei: "Thérèse, träumend".

Kurator Raphael Bouvier von der Fondation Beyeler, die die Balthus-Ausstellung in Basel initiiert, sagt, man habe sich nicht von der Debatte in New York beeinflussen lassen. Schon deshalb nicht, weil die Ausstellung bereits seit zwei Jahren geplant werde. "Wir hatten die Ausstellung schon vor dieser ganzen neuen Debatte geplant, seit Oktober 2016. Die Werkliste war schon konzipiert, von daher war es ein Zufall, dass sich das mit der Debatte gekreuzt hat", so Bouvier.

Balthus war schon immer umstritten

Natürlich sei Balthus schon immer ein umstrittener Künstler gewesen, meint der Kurator. Dahinter stecke auch Kalkül. "Seine erste Ausstellung 1934 in Paris, die hat er, das sagt er selber, praktisch auch als eine Art 'Skandalausstellung' konzipiert, um letzlich Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Das ist ihm auch gelungen", sagt der 41-Jährige.

Das Bild "Passage du Commerce - Saint Andre" des Malers Balthus (picture-alliance / dpa / epa ansa Merola)"Passage du Commerce - Saint Andre" von Balthus (picture-alliance / dpa / epa ansa Merola)

 "Thérèse, träumend" wurde vom "Metropolitan Museum" in New York ausgeliehen. Im Zentrum der Ausstellung stehe aber ein Werk, das schon lange als Dauerleihgabe in Basel sei, erzählt Kurator Bouvier, und zwar "Passage du Commerce - Saint Andre". "Wir wollten um dieses Bild herum eine große, retrospektive Ausstellung organisieren. Auch um dieses Bild im Gesamtschaffen besser einordnen zu können. Die Ausstellung ist jetzt auch tatsächlich als Retrospektive konzipiert, also man hat die Möglichkeit, anhand von vierzig Hauptwerken aus dem Bereich der Malerei das gesamte Schaffen des Künstlers zu entdecken", sagt Bouvier.

Eingestellt auf kontroverse Diskussionen

"Passage du Commerce - Saint Andre" zeige einen ganz anderen Balthus, meint Bouvier. "Das ist ein Bild, das vor allem durch seine enigmatische Seite besticht. Und uns ist es ein besonderes Anliegen, dass man im Rahmen dieser Ausstellung wirklich auch die künstlerische Vielfalt, den künstlerischen Reichtum von Balthus kennenlernt. Jenseits dieser Mädchendarstellungen", so der Kurator. Aber auch auf kontroverse Diskussionen sei man eingestellt. Es gebe Kunstvermittler, die permanent in den Ausstellungräumen für Fragen ansprechbar seien. "Und es gibt eine Kommentarwand, wo die Betrachter eingeladen sind, ihre eigene Meinung, ob negativ oder positiv, zu äußern", so Kurator Raphael Bouvier.

(beb) 

Kulturpresseschau

Aus den FeuilletonsKlassiker unter #MeToo-Verdacht
Dominique Swain und Jeremy Irons in der "Lolita"-Verfilmung aus dem Jahr 1997. (imago stock & people)

Steht Vladimir Nabokov mit seinem Roman "Lolita" unter #MeToo-Verdacht? Was sagt die 79-jährige Feministin Germaine Greer zu dieser Bewegung? Und was würde Romy Schneider darauf antworten, wenn sie noch leben würde? Damit beschäftigen sich die Feuilletons.Mehr

weitere Beiträge

Der Theaterpodcast

Folge 6Über Gräben
Die Schrift am Luckenwalder Stadttheater liegt im Schatten. (picture alliance / dpa / Sascha Steinach)

Wie halten sie's mit den Produktionsbedingungen? Im Juni-Podcast geht es um das Verhältnis von festen Häusern und Freier Szene. Außerdem Thema: eine strittige Inszenierung in Berlin und wie Theater sich gegen rechte Übergriffe wappnen können.Mehr

weitere Beiträge

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur