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Interview | Beitrag vom 31.01.2020

"Bad Banks" im RealitätscheckDie Angst vor der dritten Staffel

Rainer Voss im Gespräch mit Stephan Karkowsky

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Désirée Nosbusch und Paula Beer in der zweiten Staffel von "Bad Banks". (ZDF / Letterbox Filmproduktion)
Hauptfiguren der ZDF-Serie "Bad Banks": Christelle Leblanc (Désirée Nosbusch) und Jana Liekam (Paula Beer). (ZDF / Letterbox Filmproduktion)

Ein sexistischer Ex-Nazi, ein schizophrener Millionenerbe, ein durchgeknallter Finanzaufseher: Auch die zweite Staffel der TV-Serie "Bad Banks" zeigt die dunkle Welt der Hochfinanz. Vieles davon hält der Ex-Banker Rainer Voss für völlig überzogen.

Die vielfach preisgekrönte ZDF-Serie "Bad Banks" geht in die zweite Runde - und erneut zeigt sie unmoralische Finanzgeschäfte und ein Personal, das im Spiel um Macht und Geld vor nichts zurückschreckt. Rainer Voss, ehemaliger Banker bei der Deutschen Bank, hat sich die gesamte Staffel angeschaut und findet: "Die ganzen Mechanismen, die da abgebildet werden - das ist, wie sich ein Redakteur vorstellt, wie so was läuft." Aber nicht, wie es tatsächlich laufe.

Dabei gebe es durchaus Realitätsbezüge, wie Voss berichtet. Etwa ein so genanntes FinTech - ein Unternehmen, das die Investmentbankerin Jana (Paula Beer) mit ihrem Team gründen und das nur mit nachhaltigen Finanzprodukten handeln soll.

FinTechs versuchten, "mit modernen Mitteln dem traditionellen Bankgeschäft das Wasser abzugraben", erklärt Voss. Zumal Banken nicht gerade innovative Unternehmen seien.

Die Finanzwelt zieht Menschen mit "Macken" an 

Auch dass die Finanzwelt offenbar Menschen mit einer "Macke" anzieht und Drogen eine gewisse Rolle spielen, bestätigt er. Doch an den Figuren - darunter ein sexistischer Ex-Nazi, eine asiatisch-stämmige Stalkerin und ein schizophrener Millionenerbe - hat Voss viel zu kritisieren, etwa deren Manierismen und erotische Verwicklungen:

In der Serie stiegen die Figuren "abends, von einer Hormonattacke getroffen, mit dem Kollegen ins Bett". "Am nächsten Morgen wird man wach, schüttelt sich die Hände und sagt: 'Wir müssen uns aber weiter professionell verhalten.' In Zeiten von #MeToo ist das völlig absurd, da sind Sie am nächsten Tag weg. Und Sie kriegen auch nie wieder einen Job in der Industrie."

Mit Blick auf die reale Finanzwelt scheint Voss, der 2008 aus dem Geschäft ausstieg, nicht allzu besorgt. Wenn er wüsste, wann der nächste große Crash kommt, wäre er "ein sehr reicher Mann", sagt der Ex-Banker. Momentan sorge er sich viel mehr darum, "dass irgendwann 'Bad Banks 3' kommt".

(bth)

Die zweite Staffel von "Bad Banks" ist ab diesem Freitag bereits in den Mediatheken von ZDF und Arte zu sehen.

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