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Fazit / Archiv | Beitrag vom 10.04.2020

Bachfest 2020Johannes-Passion als multimediales Experiment

Jörn Florian Fuchs im Gespräch mit Eckhard Roelcke

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Denkmal für den Komponisten Johann Sebastian Bach vor der Thomaskirche in Leipzig (MDR / Stephan Flad)
Das Leipziger Bachfest hält an seiner Tradition fest, aber verlegt die jährliche Aufführung der Johannes-Passion ins Netz. (MDR / Stephan Flad)

Seit 170 Jahren wird eine der Bach-Passionen am Karfreitag in der Leipziger Thomaskirche aufgeführt. So auch diesmal – allerdings in reduzierter Besetzung und mit zugeschalteten Chören. Ein gelungenes und berührendes Experiment, urteilt unser Kritiker.

"Landauf, landab sind die Passionsaufführungen abgesagt, und damit drohte auch jetzt hier in Leipzig eine inzwischen 170 Jahre alte Tradition das erste Mal ins Stocken zu kommen, nämlich die Tradition, dass am Karfreitag in der Thomaskirche eine der beiden Bach-Passionen aufgeführt wird", sagte Michael Maul, der Intendant des Bachfestes Leipzig, im Vorfeld. Diese Tradition wurde nun fortgeführt.

Am Nachmittag des Karfreitag wurde in der Thomaskirche die Johannes-Passion aufgeführt und live gestreamt – allerdings in einer kammermusikalischen Fassung für einen Sänger plus Orgel, Cembalo und Marimba. Mit dabei auch der amtierende Thomaskantor, Gotthold Schwarz.

Drama frei Haus

"Ich war von der Sache ziemlich berührt", sagt unser Kritiker Jörn Florian Fuchs nach der Aufführung, die er zu Hause am Bildschirm verfolgt hat. Die Musiker hätten erstaunlich viel von der Dramatik in das heimische Wohnzimmer übertragen können, betont er. Erstaunlich insofern, als die Johannes-Passion ein dramatisches Werk ist: Da gibt es Turbae-Chöre, die das Volk darstellen, das die Kreuzigung von Jesus fordert. Da gibt es Rezitative, Arien, Choräle – Beschleunigung und Innehalten.

Doch trotz Minimalbesetzung musste niemand auf den großen Chorklang verzichten. Dieser wurde nämlich aus aller Welt zugeschaltet: Chöre aus Ottawa, Sankt Gallen oder Malaysia. Also eine multimediale Expedition, ein Experiment, das technisch sehr gut funktioniert hat, so Fuchs weiter.

Mitsingen, filmen und einschicken

"Wenn man sich auch auf die Bildwelt, auf die Videoregie einlässt, die diese eben fast menschenleere Thomaskirche zeigt, und mit ganz interessanten Schwenks auf die Architektur, auf die Bögen dieser Kirche geht und dann eben die Zuspielung im Multiscreen dieser Chöre aus aller Welt – das bekommt dadurch auch etwas sehr, sehr Besonderes."

Fünf dieser Choräle waren zudem zum Mitsingen gedacht. "Die Idee ist, dass wir das zu Hause an den Bildschirmen mitsingen, uns dabei filmen und das Ganze wiederum nach Leipzig dann schicken, wo es, wenn alles klappt, im Juni nochmal eine Aufführung gibt und diese Videos mit zugespielt werden."

(ckr)

Die Aufführung der Johannes-Passion in der Thomaskirche Leipzig gibt es zum Nachhören und Nachsehen in der ARD-Mediathek oder bei Arte TV.

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