Seit 01:05 Uhr Tonart

Mittwoch, 13.11.2019
 
Seit 01:05 Uhr Tonart

Im Gespräch | Beitrag vom 22.06.2019

Autos, Fußgänger und E-Scooter im ClinchWem gehört die Straße?

Weert Canzler und Isabell Eberlein im Gespräch mit André Hatting

Beitrag hören Podcast abonnieren
Ein Mann macht eine Probefahrt mit einem blauen E-Scooter, einem Elektroroller. Im Hintergrund sind parkende Autos zu sehen.  (picture alliance/dpa/Roland Weihrauch)
Der erste Anbieter von Elektro-Tretrollern startet in Herne. Einer der Mitarbeiter macht eine Probefahrt. (picture alliance/dpa/Roland Weihrauch)

Es ist der alltägliche Verteilungskampf im Straßenverkehr: Autos, Fußgänger, Radfahrer. Je nach Temperament geht es da schon mal heiß her. Nun kommen auch noch die E-Scooter dazu. Wie können wir verträglich miteinander unterwegs sein?

"Ich finde, dass es rau zugeht auf unseren Straßen, und dass zu wenig Platz da ist für Radfahrer und Fußgänger", sagt Isabell Eberlein. Bei ihren Radfahrten in Berlin erlebe sie oft "blanken Hass" seitens der Autofahrer.  Es sei interessant, wie sich die Menschen wandeln, je nachdem, welches Verkehrsmittel sie nutzen: "Sobald die Leute im Auto sitzen, setzen sie die Autobrille auf und vergessen, dass sie auch Fußgänger und Radfahrer sind."

Mobilität für alle

Isabell Eberlein ist Vorstandsmitglied im Verein "Changing Cities". Sein Ziel: Eine menschenfreundliche Stadt. Die werde wird nicht vom Verkehrslärm bestimmt, sondern "bietet Luft, die wir gerne atmen, und Plätze, die zum Verweilen einladen. Mobilität in dieser Stadt steht allen Menschen in gleicher Weise zur Verfügung." Das heiße auch: Der Platz für Autos müsse kleiner, der für Fußgänger und Radfahrer ausgebaut werden. Und wenn die neuen E-Scooter kommen, müssten die Radwege eben noch breiter angelegt werden.

"Wer Straßen sät, wird Verkehr ernten", sagt Dr. Weert Canzler. Der Politikwissenschaftler arbeitet am Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB) vor allem zur Energie- und Verkehrswende. Der Straßenraum werde knapper, bisher sei das Auto privilegiert gewesen – dies müsse sich ändern. "Die Autos müssen weg aus den Innenstädten. Sie verbrauchen allein zwölf bis 13 Quadratmeter, nur, wenn sie stehen – und ein Auto steht 23 Stunden am Tag." Seine Forderungen: Parkplätze umwidmen zugunsten von Radwegen sowie eine generelle Geschwindigkeitsbegrenzung auf 30 km/h in Innenstädten – und Vorfahrt für Fahrräder. Die Niederlande, aber auch deutsche Städte wie Münster oder Erlangen zeigten, wie das geht.

E-Scooter als Teil der ökologischen Verkehrswende?

Weert Canzler setzt dabei auch auf die E-Mobilität: "Pedelecs, E-Scooter – sie alle haben einen Riesenvorteil: Sie sind leise, verbrauchen wenig Platz und können ein Bestandteil einer ökologischen Verkehrswende sein." Das Ganze dann gemeinsam genutzt durch Sharing-Angebote und per App verfügbar. "Das ist eine ganz andere Vorstellung von Mobilität."

Wem gehört die Straße?
Darüber diskutiert André Hatting am Samstag, den 22.06.2019 mit Weert Canzler und Isabell Eberlein – live von 9 Uhr 05 bis 11 Uhr. Hörerinnen und Hörer können sich beteiligen unter der Telefonnummer 0800 2254 2254, per E-Mail unter gespraech@deutschlandfunkkultur.de – sowie auf Facebook und Twitter.

Mehr zum Thema

Diskussion um E-Scooter - Platz da, hier komm ich!
(Deutschlandfunk Kultur, Politisches Feuilleton, 17.05.2019)

Winfried Hermann über Verkehrskonzepte der Zukunft - "Wir brauchen eine neue Art von Mobilität"
(Deutschlandfunk Kultur, Interview, 15.05.2019)

E-Scooter - Wo sollen sie rollen?
(Deutschlandfunk Kultur, Interview, 02.05.2019)

Im Gespräch

Sopranistin Sarah Maria SunDie Allrounderin des Gesangs
Die Sopranistin Sarah Maria Sun August 2018 (Thomas Jauck)

Maria Sun wollte schon als Kind Musikerin werden. Inzwischen ist die Sopranistin eine der großen Interpretinnen neuer Musik. Sie beherrscht den Obertongesang, den Untertongesang und das Jodeln. Und als überzeugte Veganerin engagiert sie sich für Tierschutz.Mehr

weitere Beiträge

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur