Seit 01:05 Uhr Tonart

Freitag, 14.08.2020
 
Seit 01:05 Uhr Tonart

Lesart / Archiv | Beitrag vom 03.03.2015

AutorenporträtsOhne Hand unterm Kinn

Die Fotografin Heike Steinweg im Gespräch mit Andrea Gerg

Podcast abonnieren
Die Fotografin Heike Steinweg mit einigen ihrer Bilder. (Heike Steinweg Photography)
"Fotografieren ist Malen mit Licht", sagt die Fotografin heike Steinweg. (Heike Steinweg Photography)

Eine alte Hauswand, ringsherum städtisches Leben: In einer solchen Umgebung fotografiert Heike Steinweg am liebsten Schriftsteller. In einem Langzeitprojekt setzt sie letzte Sätze von Romanen in Beziehung zu den Porträtierten.

Jeder weiß, wie wichtig erste Sätze für einen Roman sind. Doch wie ist es mit dem letzten Satz? Was bedeutet es für einen Autor, nach Jahren der Arbeit ein Buch zu beenden und hinauszuschicken in die Welt? Das hat sich die Fotografin Heike Steinweg gefragt - und daraus ein Langzeitprojekt gemacht: "The Last Line". Steinweg porträtiert dabei Schriftsteller und befragt sie zum letzten Satz ihrer Romane. So entsteht eine Kombination aus Wort und Bild.

Aris Fioretos hat ihr einen letzten Satz geschenkt

Dabei erlebt sie besonders wunderbare Momente, wie sie erzählt. So habe ihr der Autor Aris Fioretos einen letzten Satz "geschenkt" - von einem Roman, der noch gar nicht fertig war. 

So unterschiedlich die Sätze und Schriftsteller, so konsequent folgt Steinweg bei ihrer Arbeit einem Prinzip: Nie dürfen Autoren auf ihren Bildern die berühmte Hand unterm Kinn haben, nie vor einer Bücherwand stehen und nie lesen. Viel besser als Umgebung, so Steinweg: eine schöne alte Hauswand, eine Stadt. So wie bei Jonathan Safran Foer: Er steht hinter einer Glasscheibe - und um ihn herum tobt das New Yorker Leben.      

Heike Steinweg sitzt im Treppenhaus des RIAS-Funkhauses in Berlin. (Deutschlandradio / Melanie Croyé)Die Fotografin Heike Steinweg zu Besuch beim Deutschlandradio Kultur (Deutschlandradio / Melanie Croyé)

 

Info: Die Ausstellung "The Last Line" ist bis 5. Mai in der Berliner Autorenbuchhandlung zu sehen.  
Mehr zum Thema:

Friedhofsbesuche mit Schrifstellern

"Königsdisziplin" der Fotografie
(Deutschlandfunk, Büchermarkt, 07.10.2008)

Lesart

Christian Metz: "Kitzel" Eine intime Kommunikation
Cover von Christian Metzs "Kitzel – Genealogie einer menschlichen Empfindung", vor einem Aquarell-Hintergrund.  (S. Fischer / Deutschlandradio)

Wir alle kennen den Kitzel und das Kitzeln - und auch Wissenschaftler und Philosophen sind davon seit jeher fasziniert. Der Literaturwissenschaftler Christian Metz legt nun eine große Kulturgeschichte des Nachdenkens über den Kitzel vor.Mehr

Manuel Vilas: "Die Reise nach Ordesa"Nostalgie und Zorn
Cover des Buchs "Die Reise nach Ordesa" von Manuel Vilas auf einem orangefarbenen Aquarellhintergrund (Berlin Verlag / Deutschlandradio)

Manuel Vilas' autobiografischer Roman über einen aus einfachen Verhältnissen stammenden Dichter und dessen Kindheit zur Franco-Zeit ist in Spanien zum Bestseller geworden. Dabei ist es ein Buch der Klage und der Wut, sprachlich aber betörend bildhaft. Mehr

weitere Beiträge

Buchkritik

Monika Maron: "Artur Lanz"Sehnsucht nach einem Helden
Cover von Monika Marons Roman "Artur Lanz", vor einem Aquarell-Hintergrund. (S. Fischer / Deutschlandradio)

Die Hauptfigur ihres Romans "Artur Lanz" hat enorme Ähnlichkeit mit Monika Maron selbst. Allerdings ist sie in ideologischer Hinsicht gelassener als die Autorin. Ein Gesinnungsroman über postheroische Zeiten, boshaft, aber dennoch vergnüglich.Mehr

weitere Beiträge

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur