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Tonart | Beitrag vom 07.05.2019

Ausverkaufte Kultur-VeranstaltungenVerbraucherschützerin warnt vor dem Ticket-Zweitmarkt

Tatjana Halm im Gespräch mit Carsten Beyer

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Eine Frau läuft schnellen Schrittes an einer Wand mit Konzertplakaten vorbei (picture alliance / NurPhoto / Artur Widak)
Auch wenn die Lust aufs Konzert beim Ticketkauf in Frust umschlägt: Käufe auf dem Zweitmarkt sind riskant. (picture alliance / NurPhoto / Artur Widak)

Die Festivalsaison steht vor der Tür und manche Events sind schon ausverkauft. Wer doch noch ein Ticket ergattern will, kauft dann vielleicht auf einem Zweitmarkt im Netz. Verbraucherschützerin Tatjana Halm rät davon ab - auch wenn es schwerfalle. 

Manchmal zählen Minuten beim Ticketverkauf: Wer nicht rechtzeitig bucht, muss feststellen, dass die gewünschte Veranstaltung ausverkauft ist. Viele Fans sind dann bereit, mehr zu zahlen. Sie suchen dann Plattformen im Internet auf, auf denen Tickets über einen Zweitmarkt angeboten werden.

Tatjana Halm, Rechtanwältin bei der Verbraucherzentrale in Bayern, meint, dass es keine genauen Erhebungen in Deutschland gebe, wie viele Nutzer solche Plattformen nutzen und dabei schließlich betrogen werden. Aus eigener Erfahrung weiß sie aber, dass viele Verbraucher betroffen sind.

Ticketmarkt ohne Gesetze

Wer auf einer Zweitmarkt-Plattform kauft, rechnet mit hohen Preisen. Oft kämen, so Halm, noch Gebühren dazu, die erst kurz vor Einkaufsabschluss erkenntlich seien. "Manchmal kommen auch Tickets, die man gar nicht gekauft hat. Oder gar keine."

Hinzu komme, so Halm weiter, dass die Veranstalter zunehmend die Tickets personalisierten. "Dann bekommt man Schwierigkeiten, dass man nicht eingelassen wird. Dann muss man Tickets womöglich neu kaufen."

Mit Glück gehandelt

Dass die Plattformen oft mit Tickets handeln, die es noch gar nicht gibt, spricht für den Wagemut der Unternehmen. Für ein Fußballspiel, das noch nicht genau terminiert ist, kann es keine Eintrittskarten geben.

Die Plattformen rechnen also damit, dass die Tickets von irgendjemand über ihre Seite weiterverkauft werden. Der Kauf ließe sich also mit einer Wette vergleichen. 

Kein Schutz

Tatjana Halm rät dringend, nur beim Originalhändler zu kaufen. Gerade bei doppelt ausgedruckten Tickets, bei denen der QR-Code am Eintritt eingelesen wird, könne nur eine Maßnahme greifen: "Als Erster da sein. Der, der zuerst reinkommt, hat gewonnen. Der andere hat großes Pech."

Auch der Rechtsweg sei oft schwierig. Halm sagt dazu: "Zwar kann man rechtlich vorgehen, aber die praktische Umsetzung ist schwierig." Oft säßen die Firmen im Ausland, und man kenne die direkten Verkäufer nicht.

Da zudem alles anonymisiert vorgehe, habe man keinen Ansatzpunkt für Rückforderungen. Manchmal könne man mit Hilfe einer Rechtschutzversicherung den langwierigen Prozess stemmen. "Aber in den meisten Fällen bezahlt man Lehrgeld".

Halm rät dringend vom Kauf auf solchem Zweitmarkt-Plattformen ab, "so schwer es dem Fan auch im Einzelnen fällt."

(cdr)

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