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Tonart | Beitrag vom 11.07.2019

Ausstellung zu Techno und House in ParisDie Geschichte der Elektromusik

Von Martina Zimmermann

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Schwarz-weiß Bild, Menschen stehen nebeneinander. (Jean-Christian Meyer)
Elektronische Musik und Raven gehören zusammen: Ein Bild aus der Serie "Lunacy" von Jean-Christian Meyer aufgenommen im Jahr 1993. (Jean-Christian Meyer)

Kraftwerk, die Großväter der elektronischen Musik, spielen gleich drei Abende hintereinander in Paris im Rahmen des "Days Off"-Festivals. Parallel dazu findet die Ausstellung "Electro. From Kraftwerk to Daft Punk" statt.

"Electro Expo" erklärt Geschichte, Kultur und Visionen der elektronischen Techno und House-Szene. Der Bogen wird gespannt "Von Kraftwerk bis Daft Punk", so der Untertitel der Ausstellung. Für Kurator Jean-Yves Leloup sind beide Bands Gesamtkunstwerke:

"Eine technologische und modernistische Poesie bei Kraftwerk und ein fantastisches Popuniversum bei Daft Punk: Beide Bands haben eine starke Vorstellungswelt."

Soll heißen, beide nutzen grafische Künste seit jeher auf Konzerten und in Clips. Kraftwerk hat eine Serie von 3D-Video- und Klangkreationen eigens für die Ausstellung geschaffen, Daft Punk eine Installation mit roten Pyramiden und den beiden charakteristischen Figuren mit helmähnlichen Robotermasken – auf diese Weise haben es die beiden Künstler geschafft, ihre Gesichter aus der Presse fernzuhalten.

Verschiedene Elektroszenen weltweit

Über der Installation singt ein Roboter. Die Ausstellung illustriert die Verbindung zu anderen Künsten, aber auch Geschichte und Technik der Elektromusik. Jean-Michel Jarre hat ein Studio mit 50 eigenen Geräten zur Verfügung gestellt, von der Revox mit den alten Bändern bis zum virtuellen Studio zeigt es auch die technische Entwicklung. Star-DJ Laurent Garnier kreierte die Playlist zur Ausstellung. Neben den Stars wollte Kurator Jean-Yves Leloup das Publikum nicht vergessen:

"Ich habe 17 Fotografen und Fotografinnen ausgesucht, die verschiedene Szenen in verschiedenen Ländern ablichten. Moskau heute, Paris heute und gestern, Rio de Janeiro, die Free Partys in Frankreich und Europa, viele Clubber und Raver zu verschiedenen Zeiten und an verschiedenen Orten, gerade sehen wir Undergroundszenen von Paris von heute. Paris erlebt derzeit ein goldenes Zeitalter der Elektroszene, wie Berlin."

Schwarz-weiß Bild von zwei tanzenden Mensch, daneben Farbbild von zwei tanzenden Menschen. (Bill Bernstein, Courtesy David Hill Gallery, London / Caroline Hayeur)Zur Musik gehört es sich zu tanzen: "The Fun House" 1979 von Bill Bernstein und Rave in Montreal 1996 von Caroline Hayeur. (Bill Bernstein, Courtesy David Hill Gallery, London / Caroline Hayeur)

Die Berliner Szene ist dabei, Detroit, Chicago und New York, wo alles anfing, bis hin zu neuen Szenen, zum Beispiel in Südafrika, wo heimische Töne und Rhythmen eingebaut werden. Die Mix-Kunst der DJs wird erklärt, Vinylplatten sind ausgestellt als Kult und als Kunst.

Die Entwicklung der Elektroszene ist dank der Expo für alle nachvollziehbar, der Aspekt der Verbindung zu anderen Künsten zeigt originale Werke: So setzen die 24.000 LED-Birnen der Künstler von "1024 Architektur" die Musik von Laurent Garnier dynamisch in Farben und Licht um. Diese Installation animiert nicht nur überzeugte Raver zum Tanzen, sie kann auch Besucher begeistern, die nicht auf den Dancefloors der Metropolen zuhause sind.

Zusammenarbeit von Mensch und Maschine

Zum Schluss gibt die Ausstellung eine Frage mit auf den Weg: Ist künstliche Intelligenz die musikalische Technologie der Zukunft? Jean-Yves Leloup glaubt nicht an eine Revolution:

"Es geht nicht darum, Musiker zu ersetzen, sondern um eine Zusammenarbeit von Mensch und Maschine, wie das in der Elektromusik bereits der Fall ist."

Die Musiker von Kraftwerk stehen mit roten Hemden nebeneinander, im Hintergrund ein rot angeleuchtetes Gebäude. (Peter Boettcher, Courtesy Sprüth Magers)Vorreiter elektronischer Musik: Kraftwerk gehört zu einen der wenigsten Bands, die in Frankreich bekannt sind. (Peter Boettcher, Courtesy Sprüth Magers)

Parallel zur Ausstellung findet in diesen Tagen das zehnte "Day Off"-Festival in der Philharmonie statt. Dabei sind auch Stars der Elektroszene: DJ Apparat aus Berlin, Thom York von Radiohead gibt zwei elektronische Solokonzerte und natürlich Kraftwerk. Die Düsseldorfer werden drei Abende hintereinander spielen. Vincent Anglade, zuständig für aktuelle Musik in der Philharmonie:

"Kraftwerk ist eine Ikone in Frankreich, weil Frankreich eine Kultur der elektronischen Musik hat – schließlich haben wir die French Touch, Daft Punk und eine starke Szene. Für uns ist Kraftwerk die Inspirationsquelle für unsere französische elektronische Musik."

Zehntausend Fans werden zu den drei Konzerten von Kraftwerk erwartet. Die Ausstellung zählt bereits 70.000 Besucher, darunter sehr viele junge Leute. Sie läuft noch einen Monat lang. Es gibt Pläne, sie auch in anderen Ländern zu zeigen. Vielleicht kommt sie auch nach Deutschland.

Electro. From Kraftwerk to Daft Punk
noch bis 11. August 2019
in der Philharmonie de Paris

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