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Fazit | Beitrag vom 30.05.2019

Ausstellung zu Antisemitismus in MünchenTradition der Ausgrenzung

Hannes Sulzenbacher im Gespräch mit Eckhard Roelcke

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Unbekannte legten im Winter 2006/2007 einen Schweinekopf mit "Judenstern" vor dem Chemnitzer Restaurant Schalom ab (NS-Dokumentationszentrum München © Privatbesitz Uwe Dziuballa)
Die Ausstellung bringt den Besuchern den Antisemitismus der Gegenwart näher: Unbekannte legten im Winter 2006/2007 einen Schweinekopf mit "Judenstern" vor dem Chemnitzer Restaurant Schalom ab. (NS-Dokumentationszentrum München © Privatbesitz Uwe Dziuballa)

Die Ausstellung "Die Stadt ohne. Juden Ausländer Muslime Flüchtlinge" thematisiert Antisemitismus und stellt Gegenwart und Vergangenheit gegenüber. Dabei zeigen sich erschreckende Parallelen.

Im Mittelpunkt der Ausstellung "Die Stadt ohne. Juden Ausländer Muslime Flüchtlinge" steht der Film "Stadt ohne Juden" von 1924. "Der Roman, der dem Film zu Grunde liegt, erzählt davon, dass in einer polarisierten Gesellschaft, die unruhig ist, die keine Arbeit hat, die zerrüttet ist, ziemlich schnell ein Sündenbock gefunden wird, der an allem schuld ist. Und das sind die Juden", erklärt Kurator Hannes Sulzenbacher. Deswegen komme es zu einem Beschluss, alle Juden der Stadt zu verweisen.

Eine Prophezeiung des Holocaust sieht Sulzenbacher darin allerdings nicht. Der Autor Hugo Bettauer habe 1922 eher eine alberne Politsatire geschrieben. Während der Roman noch durchaus einen heiteren Ton habe, sei dann im Film von 1924 kaum "etwas Humoristisches geblieben", sagte Sulzenbacher.

Antisemitismus damals und heute

Die Ausstellung zeichnet anhand einzelner Filmszenen verschiedene Stufen des Ausgrenzungsprozesses nach. Aktuelle Beispiele zeigen dann, wie Juden, Muslime und Flüchtlinge heutzutage angefeindet und ausgegrenzt werden.

Zu Filmszenen aus "Stadt ohne Juden" werden Objekte aus den 1920/30er Jahren und aus der Gegenwart gezeigt. Dabei finden sich erschreckende Parallelen. In den 1930er Jahren habe es zum Beispiel das Brettspiel "Juden raus" gegeben, berichtete Sulzenbacher. Das Pendant dazu finde sich nun auch in der Gegenwart:

"Wir haben ein Spiel gefunden, das diesem Spiel nicht nur ähnelt, sondern es an Widerwärtigkeit weit übertrifft. Das Spiel 'Pogromly'. Das haben die Mitglieder des NSU hergestellt zu einem Zeitpunkt, als sie abtauchen mussten, kein Geld hatten und eine Quelle gesucht haben, wie sie Geld verdienen können. Es ist eine Form von Monopoly, in der es darum geht, Menschen in ein KZ zu schicken. Ein umfassend abstoßendes Spiel, wo man genau sieht: Die Mittel von damals können auch die Mittel von heute sein."

(nho)

Die Stadt ohne. Juden Ausländer Muslime Flüchtlinge
NS-Dokumentationszentrum München
30. Mai 2019 bis 10. November 2019

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