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Tonart | Beitrag vom 22.03.2021

Ausstellung "Hits & Hymnen" in BonnVom Funken, der ein Feuer entfacht

Tuya Roth im Gespräch mit Mascha Drost

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Das Foto vom Publikum beim Bruce-Springsteen-Konzert am 19.07.1988 in Ost-Berlin zeigt begeisterte, junge Männer. Einige Menschen halten ein selbstgemaltes Plakat hoch, darauf eine US-Flagge und die Aufschrift "We Tramps we're born to run" - "Wir Tramps, wir sind geboren, um zu rennen." (picture alliance / dpa-Zentralbild | dpa-Zentralbild)
Bruce Springsteen spielte am 19. Juli 1988 in Ost-Berlin vor rund 150.000 Fans aus der ganzen DDR. Damit ist der "Boss" nun im Haus der Geschichte gelandet. (picture alliance / dpa-Zentralbild | dpa-Zentralbild)

Das Haus der Geschichte widmet sich in einer Schau den Verbindungen zwischen Musik und Politik. In einem Raum vergegenwärtigen die Macher vier wichtige Konzerte der deutsch-deutschen Geschichte. Mit dabei: Bruce Springsteen 1988 in der DDR.

Anfang der 1980er-Jahre singt Nicole "Ein bisschen Frieden", und Nena entert mit "99 Luftballons" die ZDF-Hitparade. Am Ende des Jahrzehnts gibt Bruce Springsteen sein legendäres Konzert auf der Radrennbahn Weißensee - vermutlich das größte Rockkonzert, das die DDR erlebt hat.

Die Lieder und das Konzert stehen beispielhaft dafür, wie Musik und Politik manchmal in Verbindung treten, sich gegenseitig beeinflussen. Die Ausstellung "Hits & Hymnen. Klang der Zeitgeschichte" im Haus der Geschichte in Bonn beschäftigt sich mit diesem Phänomen.

Musik und der Nerv der Zeit

"Ein Song muss in erster Linie den Nerv der Zeit treffen", sagt die Kuratorin Tuya Roth. "Und dann berührt er vor allen Dingen die Emotionen der Zuhörer. Und wenn er das schafft und vielleicht noch gut ins Ohr geht, dann hat er eigentlich alles erfüllt, um zu einem Hit zu werden."

Das Ausstellungsteam habe über alle Genre-Grenzen hinweg – von klassischer Musik bis Rap – Lieder und Bands ausgewählt, die zu Protest aufgerufen oder auf diesen reagiert hätten, sagt Roth. Die im Gedächtnis geblieben seien.

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"Ein bisschen Frieden" von Nicole und "99 Luftballons" von Nena seien zwei Songs, bei denen das zentrale Thema der Frieden gewesen sei – in einer Zeit, in der in Deutschland gegen den Nato-Doppelbeschluss demonstriert wurde. Das sei das Entscheidende, so Roth: "Wenn Musik und Zeitgeist und eine gesellschaftliche Bewegung zusammentreffen, dann passt das einfach." Ob bewusst bedacht oder zufällig – "Wenn das zusammenpasst, dann wird es auf jeden Fall zum Hit."

Bruce Springsteen in Weißensee

Roth musste sich überlegen, wie man Musik am besten ins Museum bringt: Natürlich gebe es auch viel Musik zu hören, sagt sie, daneben aber auch viele Objekte: das Harmonium, auf dem Wolf Biermann gespielt hat, Gitarren von Udo Lindenberg oder von Nicole, Skizzen zu berühmten Musikstücken, Kostüme, an die man sich erinnert. "Wichtig ist, dass sie alle eine tolle Geschichte erzählen", sagt die Kuratorin.

Auch einen Extra-Raum gebe es, in dem die Besucher in vier Konzerte eintauchen könnten, die wichtig für die deutsch-deutsche Geschichte seien: "Wir haben dieses Bruce Springsteen-Konzert in unserer Ausstellung auf einer riesigen Leinwand und versuchen, soweit das möglich ist, das Konzert ein bisschen nachzuempfinden: mit einer Bühnenarchitektur, mit buntem Licht, mit riesigen Leinwänden, sodass man sehen kann, wie viele Fans Bruce Springsteen damals begeistert hat."

Springsteen singe von einem Funken, der ein Feuer auslöse, so Roth: ein Song, der vielleicht auch ein bisschen Vorgeschichte zur friedlichen Revolution gewesen sei.

(mfu)

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