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Kompressor | Beitrag vom 29.11.2017

Ausstellung "Evidentiary Realism" in BerlinKunst auf Basis von Beweisen

Paolo Cirio im Gespräch mit Max Oppel

Die Installation "Mengele's skull" (2012) von Thomas Keenan und Eyal Weizman hängt in der Ausstellung "Evidentiary Realism" (2.12.2017 - 17.2.2018) in der Berliner Galerie NOME.  (Courtesy of the artists and Richard Helmer and Maja Helmer)
Die Installation "Mengele's skull" (2012) von Thomas Keenan und Eyal Weizman hängt in der Ausstellung "Evidentiary Realism" in der Berliner Galerie NOME. (Courtesy of the artists and Richard Helmer and Maja Helmer)

Was bedeutet die Identifizierung des Schädels des KZ-Arztes Josef Mengele - dargestellt durch einen Künstler? Und wie lässt sich der Zusammenhang von Terrorismus und Armut in einem Bild zeigen? "Evidentiary Realism" in der Berliner Galerie "NOME" macht den gesellschaftlichen Umgang mit Beweisen zum Thema.

In einer Welt von Photoshop und Fake News haben scheinbare Beweisstücke ihren Stellenwert verloren. In der Ausstellung "Evidentiary Realism" wollen die Macher die veränderte Geopolitik nach den Anschlägen des 11. September und die zunehmende wirtschaftliche Ungleichheit anhand von Kunst reflektieren.

Die Machtstrukturen hinter dem Beweis

Dabei verweisen die Kunstwerke von Jenny Holzer, Harun Farocki, Mark Lombardi und anderen auf die komplexen Machtstrukturen hinter dem Beweis und versuchen, diese zu entschlüsseln. Der Beweis wird hier mit den Mitteln der Fotografie, des Films, der Zeichnung oder der Bildhauerei geführt. Der Kurator der Ausstellung, Paolo Cirio, sagt dazu:

"Ich glaube, wir haben in der Geschichte und in der Kunstgeschichte mittlerweile einen so hohen Grad an Komplexität in unseren politischen, juristischen und geopolitischen Umfeld erreicht, dass wir die Dinge neu zusammenbringen müssen, um sie verständlich zu machen. Die Künstler haben diese Fähigkeit. Sie haben auch die Sensibilität, um emotional ein Thema zu entschlüsseln und auch die visuellen Mittel, um uns einen neuen Zugang zu ermöglichen."

Der gescannte Totenschädel von Josef Mengele

Als wichtiges Kunstwerk in der Ausstellung bezeichnet Paolo Cirio die Installation "Mengeles Totenschädel" von Thomas Keenan und Eyal Weizman. Es zeigt drei Abbildungen des gescannten Totenschädels des KZ-Arztes von Auschwitz und Massenmörders Josef Mengele, mit denen er identifiziert werden konnte. 

Paolo Cirio: "Das Kunstwerk zeigt jene Zeit, in der es zum ersten Mal möglich war, Technik zu verwenden, um einen Menschen zu identifizieren. Damals, es war im Jahr 1985, wurde zum ersten Mal überhaupt eine Videoaufnahme als Beweismittel verwendet, um einen Menschen zu identifizieren. (...) Dieser Vorgang als solcher erlaubt es uns, darüber nachzudenken, was es bedeutet, dass wir einen Menschen über Technik identifizieren. Etwas aus der Vergangenheit rausholen, was für uns so nicht identifizierbar wäre." 

(cosa)

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