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Studio 9 | Beitrag vom 12.09.2019

Ausladung des Frankfurter OBs Peter Feldmann Kritik ist bei der Auto-Show nicht erwünscht

Ein Kommentar von Ludger Fittkau

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Der Frankfurter Oberbürgermeister Peter Feldmann steht zwischen anderen Menschen bei einer Kundgebung. Er trägt einen dunklen Anzug und eine fliederfarbene Krawatte.  (Picture Alliance / dpa / HMB Media / Oliver Mueller)
Peter Feldmann, OB von Frankfurt am Main, wollte auf der Internationalen Automobil-Ausstellung eine Auto-kritische Rede halten. (Picture Alliance / dpa / HMB Media / Oliver Mueller)

Mit dem Auftrittsverbot für Peter Feldmann, den Auto-kritischen Oberbürgermeister von Frankfurt am Main, schneidet sich die IAA ins eigene Blech, meint Ludger Fittkau. Die Rede, die Feldmann nicht halten durfte, hat er ins Netz gestellt.

Die Internationale Automobilausstellung in Frankfurt am Main mobilisiert ihre Kritiker besser zu den anstehenden Demos, als die es je mit Flugblättern könnten. Denn sie signalisiert: Man will auf dem Messegelände nichts von den Verkehrsproblemen wissen, mit denen sich die hiesigen Metropolen herumschlagen. Oder warum lädt man den Frankfurter Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) als Redner zur Eröffnung der Autoschau gerade in dem Moment aus, im dem der Autoverkehr gleich vor dem Messegelände an die Grenzen des Wachstums gestoßen ist?

Fahrverbote für Diesel-Pkw am Main

Feldmann hatte eine Auto-kritische Rede vorbereitet, war bereits im Vorfeld der IAA durchgesickert. Dem Frankfurter OB steht verkehrspolitisch das Wasser bis zum Hals. Am Main drohen in Kürze flächendeckend Fahrverbote für Dieselfahrzeuge.

Schon Ende September will der hessische Verwaltungsgerichtshof in Kassel wissen: Was tut die Stadt, um im kommenden Jahr den Stickstoffdioxid-Grenzwert von 40 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft einzuhalten? Das hessische Umweltministerium befürchtet, dass die Mainmetropole nicht genug tut, um die Fahrverbote zu vermeiden.

Gestrafftes Programm

Nein, betont in dieser angespannten Situation die IAA, man habe den Bürgermeister nicht von der Messeeröffnung ausgeladen, weil der von den Sorgen seiner mit SUVs und anderen Pkws überfluteten Stadt berichtet hätte. Man habe lediglich das Programm straffen wollen.

Selbst wenn dieses Argument stimmt: Es zeigt, dass die Autoindustrie trotz aller Beteuerungen die Zeichen der Zeit immer noch nicht erkannt hat. Denn ein menschenfreundliches Mobilitätskonzept der Zukunft lässt sich nur im engen Dialog mit den lokalen Akteuren – gerade in den Metropolen – erstellen. Auch wenn das Zeit kostet, die von der reinen Autoverkaufsschau ablenkt. Peter Feldmann hätte den Autobauern ins Gesicht gesagt, dass seine Stadt ganz dringend mehr Busse und Bahnen braucht anstatt SUVs.

Auf der anderen Seite des Zauns

Auch wenn die Branche inzwischen ein Drittel ihrer Umsätze mit den spritfressenden "Stadtpanzern" macht und ein Oberbürgermeister mit seinen Einwänden die Messe-Feier-Stimmung ein wenig eintrüben könnte: Ihn in diesem Moment auszuladen, ist ein klares Zeichen an die Demonstranten draußen vor dem Messegelände. Der Druck auf die Branche muss sich noch erhöhen, damit sie wirklich umsteuert.

Insofern hat die Ausladung des Auto-kritischen Stadtoberhaupts letztlich ihr Gutes: Sie wird am kommenden Wochenende noch mehr Demonstranten gegen die IAA mobilisieren. Man muss kein Prophet sein: Peter Feldmann wird auch da sein – nicht bei der IAA, sondern bei den Demonstranten vor den Messetoren. Sie werden ihn feiern – zu Recht.

Peter Feldmanns geplante IAA-Rede bei Facebook

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