Montag, 27.09.2021
 

Kulturpresseschau / Archiv | Beitrag vom 11.02.2021

Aus den FeuilletonsWenig Unterstützung für die britische Kulturszene

Von Klaus Pokatzky

Das Royal National Theatre in London ist eines der drei prominentesten Theaterbühnen in Großbritannien. (dpa/Rafael Ben-Ari/Chameleons Eye)
Hochkultur auf der Insel: Das Royal National Theatre in London ist eine der bekanntesten Theaterbühnen in Großbritannien. (dpa/Rafael Ben-Ari/Chameleons Eye)

Auch die britische Kulturszene wird von der Coronakrise hart getroffen. Mit Erstaunen blicke diese nach Deutschland, wo der Staat mehr Unterstützung biete, zitiert die "Süddeutsche" den Dirigenten Sir Simon Rattle.

"Friseure sind die Retter", erfahren wir aus dem Berliner TAGESSPIEGEL. "Rund 2,4 Millionen Deutsche sitzen einmal im Monat beim Friseur, um sich die Haare färben zu lassen", klärt uns Elisabeth Binder auf. "Friseure retten das Wohlgefühl aber nicht nur mit Farbe, sondern ganz klassisch auch mit der Schere. Sie bewahren die Menschen vor dem Zustand der gefühlten Verwilderung."

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Corona hat bekanntlich auch dieses überlebenswichtige Handwerk lahmgelegt – aber: "Vom 1. März an dürfen Friseure und Barbiere wieder waschen, schneiden, legen", freut sich auch die Tageszeitung DIE WELT.

"Die Sorge um die Frisur als einigende Agenda der Deutschen", lobt Manuel Brug: "Wie schön, dass sich eine immer tiefer zerrissene Nation wenigstens noch auf diesen so simplen wie einfachen Nenner bringen lässt."

Das musste doch mal gesagt werden.

Weniger Unterstützung für die britische Kunstszene

"Von England aus blickt man mit großem Erstaunen auf die Initiativen, die es in Deutschland gibt, um die Künstler zu unterstützen", lesen wir in der SÜDDEUTSCHEN ZEITUNG zu einem anderen Corona-Thema.

"Das ist pure Science-Fiction für uns", sagt der Brite Simon Rattle. "Die große Summe, die die britische Regierung im Sommer für die Künste zur Verfügung gestellt hat, ist gemessen an dem, was gebraucht wird, ein Tropfen auf den heißen Stein."

Simon Rattle wird nun der neue Chefdirigent beim Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks und sollte jetzt schon einmal lernen, wen er mit seinen 66 Jahren regelmäßig aufzusuchen hat.

"Das Alter wird gern verdrängt in unserer Gesellschaft. Allein das schon schafft eine gewisse Abhängigkeit vom Friseur, der es mit seiner Kunst einfach wegzaubern kann", verspricht Elisabeth Binder im TAGESSPIEGEL. Und noch viel mehr: "Der Friseur als Beichtvater ist ein etabliertes Bild. Die räumliche Nähe, auch wenn sie sich während der Pandemie als großer Nachteil erweist, schafft ideale Voraussetzungen für intime Gespräche."

Sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz

Anderswo sind die Frisuren der Frauen in der Öffentlichkeit gar nicht zu sehen. "Die arabische Welt stärkt die Frauenrechte", berichtet die FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG über die Welt der Verschleierungen – wo es mittlerweile wenigstens in vier Ländern Gesetze gibt, die Frauen vor sexueller Belästigung am Arbeitsplatz schützen.

Skepsis bleibt angebracht, wie wir am Beispiel Saudi-Arabiens erfahren. "In den vergangenen Monaten ist das Recht der Frauen zwar gestärkt worden, etwa ohne Erlaubnis eines Vormunds verreisen oder allein leben zu dürfen", schreibt Lena Bopp.

"Aber wenn Frauen versuchen, vor Misshandlungen in der Familie zu fliehen, können sie noch immer verhaftet und gewaltsam zurückgebracht werden. Auch die Schutzhäuser, in denen sie zuweilen Zuflucht finden, dürfen sie normalerweise erst verlassen, wenn sie sich mit ihren Familien versöhnt oder in eine arrangierte Ehe eingewilligt haben."

Seemannslieder in düsteren Corona-Zeiten

Manchmal bringen Männer aber auch Gutes zustande. "Shantys sind leicht zu singen", ermuntert uns die NEUE ZÜRCHER ZEITUNG und weist auf eine "Erfolgswelle in den Netzwerken" hin, die die alten Seemannslieder derzeit erleben:

"Es sind wahre Ohrwürmer, die einem Ruf-Antwort-Schema folgen, wobei ein Vorsänger, der Shantyman, eine Zeile vorgibt, die dann im Chor nachgesungen wird", erklärt Christoph Wagner – und preist die Shantys "als willkommene Abwechslung in düsteren Corona-Zeiten. Sie könnten die richtige Medizin sein gegen Tristesse und Niedergeschlagenheit: Mutmacher und Muntermacher zugleich."

Fast wie der Friseur.

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