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Kulturpresseschau | Beitrag vom 24.03.2019

Aus den FeuilletonsVon Gesangsduellen und veganen Büchern

Von Ulrike Timm

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Besucher auf der Leipziger Buchmesse 2019. (www.imago-images.de)
Auch wenn die Leipziger Buchmesse schon vorbei ist, Geschichten fürs Feuilleton gibt es trotzdem noch. (www.imago-images.de)

Ein Rückblick auf die Leipziger Buchmesse mit Geschichten über Gesangseinlagen, buntgemischte Messebesucher und das kompostierbare Buch.

Singen und Blumen Pflanzen gegen rechte Gesinnung – wer das für ein naiv-hübsches Überbleibsel aus friedensbewegten Zeiten hält, verkennt die Macht. Die Macht von Singen und Blumen Pflanzen. Der Reihe nach.

Die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG freut sich über ein Gesangsduell auf der Leipziger Buchmesse. Vor dem Stand des rechtspopulistischen Magazins "Compact" hatte sich der Singeclub Leipzig postiert für eine chorische Intervention. Angestimmt wurde "No going back", ein berühmt gewordenes Lied, das für Frauenpower steht.

Nach nur zwei Strophen schmetterten kräftige Männer eine ungewohnt zackige Version von "Die Gedanken sind frei" dagegen.

"Ein Sängerkrieg, der die Menschen zusammenströmen lässt, die Polizei ist aufgetaucht, es ist ein heroischer, gänzlich unironischer Moment, buchstäblich ein Kräftemessen darüber, wer den Ton angibt", so die SZ.

Wobei der "Heimatliebe-Chor" gegen den Singeclub schließlich den Kürzeren zog und verstummte, keine Chance gegen den "wohltrainierten, antirechten, friedlichen Protestgesang. Nach Applaus des Publikums soll der Singeclub noch zwei weitere Lieder zum Besten gegeben haben".

Das meldet die TAZ.  

Krise trotz Besucherandrang

So lässt sich also auch mit der Frage verfahren, wie man rechten Ständen auf der Buchmesse begegnen kann. Wobei die in diesem Jahr gar keine große Rolle spielten. "Wohltuende Gelassenheit",  vermeldet die FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG.

"Kann ernsthaft von Krise die Rede sein, wenn wie jetzt in Leipzig aufs Neue mehr als 280.000 Besucher sich auf den Weg machen und ihre Handys stumm schalten, um sich in Literaturveranstaltungen zu setzen? Die schlichte Antwort lautet: ja. Denn spätestens, wenn das letzte Buch signiert und der letzte Gast verabschiedet ist, kommt die Rede dann doch wieder darauf. Auf die Insolvenz des Zwischenhändlers KNV zum Beispiel, die vor allem kleinen Verlagen zu schaffen macht."

Die Insolvenz dieses Händlers zwischen Verlagen und Buchhandlungen, der etwa die Hälfte des Barsortiments abwickelt, könne viele Verlage tief ins Minus stürzen und für kleinere existenzgefährdend sein.

Kein literarisches Silberrückentreffen

Und auch über die zurückgehende Zahl an Lesern und Bücherkäufern können die Messebesuchermassen nicht hinwegtäuschen. Dirk Knipphals registriert für die TAZ ein "diskursives Dauerrauschen" in Leipzig, aber auch wenn er es spöttisch formuliert – ihm gefiel das.

"Noch vor 25 Jahren fuhr man als Messebesucher nach Leipzig, um Bekannte zu treffen und literarischen wie literaturkritischen Silberrücken beim Reden und Biertrinken zuzusehen. Inzwischen fährt man da hin, um bei einem vielfältigen Stimmengewirr mitzumischen. Letzteres ist besser."

Das kompostierbare Buch aus Gras

Welch wunderliche Blüten jenseits des diskursiven Dauerrauschens der Literaturbetrieb auch gebiert, schildert uns Sandra Kegel in der FAZ: Sie hat "vegane Bücher" entdeckt.

"Aus Gräsern gefertigt, seien sie zu hundert Prozent kompostierbar, erläutert der junge Verleger, der Bücher als eine Art zu verbrauchendes Lebensmittel begreift: nach der Nutzung sollen sie dem Kreislauf der Natur wieder zugeführt werden."

Das hoffnungsvolle Start-up Unternehmen hat schon fünf Angestellte, kompostierbare Bücher oder solche mit Blumensamen im Umschlag scheinen eine vielversprechende Weiterentwicklung zu sein…

Kornblume als Zeichen schöner Sommerstunden

Aber wenden wir uns da doch lieber dem Ursprung zu, dem Pflanzen und Säen ganz ohne Lesen.

"Lasst uns blaue Blumen pflanzen", frohlockt die TAZ, und will dem Image der Kornblume aufhelfen. Die Kornblume nämlich gilt "als das gar nicht so geheime Erkennungszeichen für gar nicht so geheime Rechte". Da muss man gegenhalten, findet die TAZ, und bietet selbst "genetisch unverändertes Saatgut an" zwecks Aneignung der blauen Blume von links!  Schließlich hat die Kornblume auch eine Geschichte als Symbol der Natürlichkeit und der Spiritualität. Drum:

"Lasst uns Kornblumen pflanzen, macht, dass ihr leuchtendes Blau nicht mehr an AfD, FPÖ und AdP denken lässt, sondern an schöne Sommerstunden."

Wir wünschen einen verheißungsvollen Start in die neue Woche, ob nun singend oder pflanzend!

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