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Kulturpresseschau / Archiv | Beitrag vom 21.10.2015

Aus den FeuilletonsRömerverklopper trifft auf Whistleblower

Von Gregor Sander

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Der Comic-Held Asterix und der Wikileaks-Gründer Julian Assange nebeneinander geschnitten (picture alliance / dpa / Yui Mok / Vincent Isore, Kombo: Deutschlandradio)
Der Comic-Held Asterix und der Wikileaks-Gründer Julian Assange nebeneinander geschnitten (picture alliance / dpa / Yui Mok / Vincent Isore, Kombo: Deutschlandradio)

Die wildschweinfressenden Comic-Helden Asterix und Obelix sind zurück. Im neuen Band treffen sie auf einen Mann, der aussieht wie Wikileaks-Gründer Julian Assange und es sich mit den römischen Sicherheitsdiensten verscherzt hat. In den Feuilletons gibt es viel Lob dafür.

"Der Papyrus des Cäsar", heißt der 36. Asterix-Band, der an diesem Donnerstag erscheint. Es ist erst der Zweite, den das neue Team, bestehend aus dem Zeichner Didier Conrad und dem Autor Jean-Yves Ferri, verantwortet hat. Jens Balzer und Christian Schlüter jubeln in der BERLINER ZEITUNG:

"Noch nie hat es einen so anspruchsvollen, kulturtheoretisch aufgeladenen Asterix-Comic gegeben.

Beim Jupiter, möchte man stöhnen, doch die nächste Zeile gibt schon Entwarnung:

"Keine Bange, unterhaltsam bis krachkomisch ist er trotzdem".

Durchgehend wohlwollend betrachten die Rezensenten das neue Abenteuer der wildschweinfressenden Römerverklopper. Es geht um ein unterschlagenes Kapitel aus Cäsars Gallischem Krieg, in dem der Imperator selbstkritisch vom Widerstand eines kleinen gallischen Dorfes berichtet. Keine gute Idee, meint sein PR-Berater, will es verschwinden lassen und dann sind wir schon Mittendrin, wie Sascha Lehnartz in der Tageszeitung DIE WELT berichtet:

"Ein idealistischer Schreiber namens Bigdahta lässt das Manuskript dem 'gallischen Aktivisten' Polemix zukommen, weil er verhindern will, 'dass ein wichtiges Kapitel' der gallischen Geschichte 'unterschlagen wird'. Polemix steht bei den römischen Sicherheitsdiensten 'unter Beobachtung'. Der Mann versteht sich als 'Kolporteur ohne Grenzen' – und sieht aus wie Wikileaks- Gründer Julian Assange."

Die Gallier twittern

Die Geschichte geht dann ihren gewohnten Lauf, aufgehübscht mit allerlei modern wirkender Kommunikation, wie Johann Schloemann in der SÜDDEUTSCHEN ZEITUNG bemerkt:

"Zum unvermeidlichen Kampf wird das Gallier-Netzwerk per 'Röhrophon' und Twitter-Vögelchen mobilisiert, die die Nachrichten retweeten."

Und in der FRANKFURTER ALLGEMEINEN ZEITUNG ruft Patrick Bahners sinnestrunken aus:

"Orgien, Orgien, wir wollen Orgien! Im sechsunddreißigsten Asterix-Band kommen wir Kritiker endlich auf unsere Kosten."

Ja zur Platte

Die spinnen eben, die Kritiker. Dasselbe gilt vielleicht auch für die Architekten. Im Interview mit der Wochenzeitung DIE ZEIT legt sich Philipp Meuser, Experte für die Architekturgeschichte der Sowjetunion, auf ein "Ja zur Platte!" fest. Als Grund für die Wiederbelebung des aus vielen Gründen bedenklichen Wohnungsbauprogramms der verblichenen DDR, gibt er folgendes zu Protokoll:

"Stellen Sie sich bitte vor, aus welchen zerbombten Städten manche der Flüchtlinge kommen, und vergleichen Sie das mit einer Plattenbauwohnung in Ostdeutschland, wo man zwar jeden Schritt des Nachbarn hört, aber fließendes Wasser und eine Heizung hat."

Meuser möchte die brisante Wohnungssituation nutzen, um deutsche Baustandards loszuwerden. Unterstützung erhält er dabei von Laura Weissmüller in der SZ.

"Ein Dickicht aus Gesetzen und Normen hat das Bauen immer teurer werden lassen. Schallschutz, Wärmeschutz, all diese Auflagen sind in Maßen sinnvoll, aber nicht in dieser Dichte".

Und auch Weissüller möchte die Diskussion um den fehlenden Wohnraum für Flüchtlinge nutzen, um Grundsätzliches zu ändern:

"Von der Bund-Länder-Arbeitsgruppe zur Flüchtlingskrise gibt es außerdem den Vorschlag, Flüchtlinge in Gewerbegebiete einzuquartieren. Nicht nur die, möchte man rufen! Das Baugesetz schreibt die strikte Funktionstrennung zwischen Wohnen und Arbeiten vor, aber dies führt dazu, dass unsere Städte immer langweiliger werden."

Die gute alte Bundesrepublik

Ein besinnliches Jubiläum begeht die SZ auf ihrer Medienseite. Vor genau dreißig Jahren lief die erste Folge der Schwarzwaldklinik und Christian Meyer seufzt:

"Es war ein anderes Land, eine andere Zeit, ein anderes Tempo. Der Kanzler hieß Helmut Kohl und die Autos, die in der alten Bundesrepublik hergestellt wurden, hatten noch Ecken und Kanten."

Und keinen Abgasskandal am Auspuff, möchte man hinzufügen. Unvorstellbare 15 Millionen Zuschauer versammelten sich vor dem Fernseher und Klaus Jürgen Wussow alias Dr. Klaus Brinkmann, sagte Sätze wie diese:

"Wir Ärzte können nur Krankheiten besiegen, nicht den Tod. Die Menschen wissen das auch, aber sie wollen's nicht glauben."

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