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Kulturpresseschau | Beitrag vom 25.10.2020

Aus den FeuilletonsDonald Trumps Plan für den Wahlabend

Von Tobias Wenzel

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US-Präsident Donald Trump. (picture alliance / dpa / CNP / Kevin Dietsch)
US-Präsident Donald Trump bereitet sich nach Ansicht des Historikers Timothy Snyder bereits auf seine Wahlniederlage vor. (picture alliance / dpa / CNP / Kevin Dietsch)

„Seit Mai weiß Trump, dass er die Wahl nicht gewinnen wird“, zitiert die SZ den Historiker Timothy Snyder. Also werde er in der Wahlnacht Chaos stiften und anschließend dafür sorgen, genau deswegen die Stimmenauszählung zu stoppen.

"Er ist kein demokratischer Politiker, sondern ein barbarischer", sagt der Historiker Timothy Snyder im Interview mit Alexandra Föderl-Schmid für die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG und meint Donald Trump. Trump sei es egal, wie viele Menschen an dem Coronavirus stürben. Es sei ihm nur wichtig, selbst als starker Mann zu erscheinen, als einer, der auch Covid-19 überlebt habe: "Dieses Argument wird noch stärker, wenn andere gestorben sind. Denn wenn alle überleben, kann er bei seinen Auftritten ja nicht sagen: Ich habe überlebt."

Das alles dürfte schon recht abstoßend auf Leser wirken, die sich als Humanisten und Demokraten verstehen. Abstoßend, aber erwartbar. Was allerdings dann folgt, hat es in sich. Denn Timothy Snyder, der schon vor Jahren eine Krise der Institutionen prophezeit hat, sagt nun mit felsenfester Überzeugung: 

"Seit Mai weiß Trump, dass er die Wahl nicht gewinnen wird. Aber er hat nicht das Verständnis, dass man Wahlen gewinnen muss, um an der Macht zu bleiben. Für ihn ist das nur ein Weg."

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Snyder sagt voraus, dass Trump die Präsidentschaftswahl verlieren und dann für Chaos sorgen wird, indem er den Notstand ausruft. Die Möglichkeit wird zwar schon länger diskutiert, aber in Snyders Worten klingt sie wie baldige Realität: 

"In seiner aggressiven Art wird er dann seine Anhänger zu gewalttätigen Aktionen anstacheln. Dann wird er den Obersten Gerichtshof aufrufen, den Auszählungsprozess zu stoppen. Basierend auf der Logik, dass es diese gewalttätigen Ausschreitungen gibt."

Wo bleibt die linke Kritik am Islamismus?

Gibt es wirklich keine Kritik am Islamismus, die von den Linken in Deutschland geäußert wird? War nach der Ermordung eines französischen Lehrers durch einen Islamisten wirklich nur "Schweigen" und "Stille" von links zu vernehmen, wie es Kevin Kühnert und Sascha Lobo in der Online-Ausgabe des "Spiegel" formulierten?

"Dass ich von einer Sache nichts weiß (oder in meiner Twitter-Timeline nichts davon mitbekommen habe), heißt noch lange nicht, dass sie nicht existiert", gibt Deniz Yücel in der WELT Kühnert und Lobo Contra:

"Natürlich fanden sich im Netz auch Reaktionen von Leuten, die den Mord von Paris vielleicht nicht guthießen, aber doch auch Verständnis für den Mörder zeigten und den Lehrer – sowie 'Charlie Hebdo' – zu Hauptschuldigen erklärten. Bei den allermeisten in linken Milieus, erst recht bei dessen prominentesten Stimmen, überwogen aber Ablehnung und Abscheu, selbst wenn einige der Intensiv-Twitterer zu diesen Statements erst getragen werden mussten."

Was Islamismus und Rechtsextremismus gemein haben

Der Politologe Daniel Marwecki behauptet zwar in der TAZ, Kühnert und Lobo hätten ein wenig übertrieben, aber, liest man heraus, doch einen wichtigen Punkt angesprochen. "Wie können sich Linke entschlossener, lauter und geeinter als bisher gegen Terror islamistischer Machart stellen, ohne sich von den rechtsextremen Kräften im Land instrumentalisierbar zu machen?", fragt der Politologe und gibt folgende Antwort:

"Indem die Linken das bekämpfen, was beide Monster eint: die totalitäre Erhöhung des Kollektivs über das Individuum." Und weiter: "Wer zeigt, wie viel die dschihadistische Ideologie mit dem Menschenhass der Rechtsextremen zu tun hat, steht ein für eine offene demokratische und religionstolerante Gesellschaft."

Warum die Uhren nicht gleich um ein Jahr zurückdrehen?

"Hier hat man eine historische Chance vertan", schreibt Hans Zippert in seiner satirischen Kolumne für die WELT zur Zeitumstellung am Wochenende, "denn natürlich hätte man die Uhren nicht um eine Stunde, sondern um mindestens ein Jahr zurückdrehen müssen. In die Zeit, als es noch kein Corona gab, zumindest als es noch nicht entdeckt war. Mit dem Wissen von heute hätten wir dann alles richtig machen können, also keine Viren aus China einreisen lassen, die Maskenpflicht für Veganer einführen und Karl Lauterbach außer Landes schaffen."

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