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Kulturpresseschau | Beitrag vom 16.04.2019

Aus den FeuilletonsDie Frauenkirche von Frankreich

Von Klaus Pokatzky

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GER Sachsen Dresden Neumarkt an der Frauenkirche - hier wird ein temporaeres Kunstwerk aus einer Holzhand und einem Schiff aus mehrschichtigem Glas bestehen aufgebaut - die GlasArche ( vom Landschaftspflegeverein Mittleres Elstertal e.v. initiert ) beim Herunterheben bzw. an ihrem Standpunkt fuer die naechsten Wochen 010419 *** GER Sachsen Dresden Neumarkt an der Frauenkirche here a temporary work of art will consist of a wooden hand and a ship made of multi-layered glass built the GlasArche of the Landschaftspflegeverein Mittleres Elstertal e v initiated when lifting down or at their point of view for the next weeks 010419 (www.imago-images.de)
Der Wiederaufbau der Frauenkirche habe ein gespaltenes Land wieder zusammen gebracht, meint die FAZ. (www.imago-images.de)

Der Brand der Notre-Dame beschäftigt alle. Manchmal mit positivem Unterton, wie die FAZ, die meint, der Wiederaufbau könnte so gemeinschaftsstiftend werden wie in Deutschland bei der Frauenkirche. Manchmal negativ: Warum gab es keine Sondersendung?

"Weinen und Klagen und Beten erscheinen als der angemessene Umgang mit dieser Katastrophe." Das lesen wir in der Tageszeitung DIE WELT nach dem Brand der Kathedrale Notre-Dame von Paris – dem "Symbol allerersten Ranges für unsere Kultur und Zivilisation", wie Tilman Krause schreibt.

"Das Schatzhaus Frankreichs hat europäische Geschichte geschrieben, in religiöser wie architektonischer, in literarischer wie lebensweltlicher Hinsicht. Nun muss der Kontinent alle Anstrengungen unternehmen, die ihm möglich sind, um dieses spirituelle, kulturelle Kraftwerk wieder instand zu setzen und als solches erneut funktionstüchtig zu machen.

Mehrere hundert Millionen Euro haben ja bereits Franzosen zu spenden versprochen für heilsame Baumaßnahmen. "Wie der Wiederaufbau der kriegszerstörten Kirchen eine gemeinschaftsstiftende Arbeit war, im Fall der Dresdner Frauenkirche mit gesamtdeutschen Spenden", erinnert die FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG an Kriegsschäden in Deutschland, "so könnte auch die Rekonstruktion von Notre-Dame de Paris ein gespaltenes Land wieder zusammenbringen", meint Stefan Trinks.

"Es war auffällig, wie häufig in der Brandnacht die Nachricht der geretteten Reliquien von Notre-Dame über den Ticker lief. Es zeigt aber zugleich, wie wichtig diese den noch immer mehrheitlich katholischen Franzosen sind." Und wie wichtig ist uns Deutschen dieser "Teil jedes französischen Herzens", wie die FRANKFURTER ALLGEMEINE Notre-Dame nennt?

Wo war der Brennpunkt?

"Wäre es nicht wünschenswert, ja, geboten gewesen, dass die deutschen Politiker, ihren Kollegen anderer Länder voran, den Franzosen sofort ihre Teilnahme bekundet hätten?", wird in der WELT gefragt. "Stattdessen ließen sie einem Donald Trump und dem Oberbürgermeister von London den Vortritt – eine kaum nachvollziehbare Versündigung gegen die alte Weisheit, dass sich wahre Freundschaft in der Not bewährt", empört sich Dankwart Guratzsch, der sich vor allem aber darüber aufregt, wie ARD und ZDF mit dem Brand umgingen: Keine Sondersendungen, "Tagesschau" as usual – mit einem Bericht aus Paris erst an dritter Stelle, "nach VW-Winterkorn und der Verfassungsgerichtsentscheidung zur Europawahl", so die Tageszeitung TAZ.

DIE WELT mokiert sich über den "ganz normalen Unterhaltungsabend" in ARD und ZDF: "Sie handelten es in ihren Nachrichten wie den Brand in einem Reifenlager oder einer Textilfabrik ab." Aber, so darf doch wohl gefragt werden: Was hätten denn Sondersendungen während des Brandes bringen können? Hätten sie wirklich mehr zustande gebracht als "drüberwegquatschende Ahnungslosigkeit, wie man sie dann bei den Nachrichtenkanälen am Montagabend besichtigen konnte", so die Bilanz von Steffen Grimberg in der TAZ zur Berichterstattung der privaten Sender. Fragen über Fragen…

Diesmal nur medial gekreuzigt

Da stellen wir uns doch lieber dieser hier: "Was, wenn Jesus wiederkommt?" Das will jedenfalls CHRIST UND WELT wissen, die Beilage der Wochenzeitung DIE ZEIT. "Die Geschichte würde sich annähernd wiederholen. Zuerst Begeisterung, dann Enttäuschung, am Ende die Kreuzigung, wenn auch nur medial diesmal", stellt Christian Nürnberger fest. Denn: "Keinem hatte Jesus je nach dem Munde geredet. Mit allen hatte er sich angelegt und daher zuletzt mehr Feinde als Freunde gehabt." Schade aber bleibt, "dass mit so einer Wiederkunft nicht wirklich zu rechnen ist. Zumal es auch spannend wäre, zu erfahren, wie Jesus uns begrüßen würde."

Frohe Ostern!

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