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Kulturpresseschau / Archiv | Beitrag vom 06.03.2020

Aus den FeuilletonsDie "ewige Wiederkehr" von Fälschungen

Von Tobias Wenzel

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Die gefälschten Bilder "Frauenportät mit Hut" von Kees van Dongen und "Frauenakt, liegender (weiblicher) Akt mit Katze" von Max Pechstein präsentiert vom LKA Berlin. (Jens Kalaene/dpa)
Falsche Fuffziger: Die Bilder "Frauenportrait mit Hut" und "Liegender weiblicher Akt mit Katze" aus der angeblichen "Sammlung Jägers". (Jens Kalaene/dpa)

In Deutschland ist der Besitz einer Fälschung nicht strafbar, wenn sie vom Eigentümer im guten Glauben erworben wurde, lesen wir im "Spiegel". Deshalb gelangen die Fälschungen oft irgendwann wieder in den Kunstmarkt.

"Melancholie wohnt im Tempel der Heiterkeit." Diesen schönen Satz des britischen Dichters John Keats gibt der ungarische Essayist László Földényi im Gespräch mit der TAZ wieder. Földényi erhält in diesem Jahr trotz abgesagter Leipziger Buchmesse den Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung für sein aktuellstes Werk "Lob der Melancholie".

Daher das anfängliche Thema des TAZ-Gesprächs mit Ralf Leonhard. Aber dann reden die beiden über Viktor Orbán: "Die letzte Zuflucht des Schurken ist der Patriotismus: Du hast sonst nichts, aber du bist Ungar", erklärt Földényi die Strategie Orbáns, Minderwertigkeitskomplexe zu nähren. Ungarn habe nie eine demokratische Verfassung gehabt, sondern sei immer ein "feudalistisches oder halbfeudales Land" gewesen.

"Immer noch besser als früher bei den Kommunisten"

Deshalb störten sich nun viele Ungarn auch nicht so sehr an den Korruptionsskandalen im eigenen Land. "Viele sagen: Es ist immer noch besser als früher bei den Kommunisten", hat Földényi beobachtet. "Die Wirtschaft funktioniert, die Menschen können frei reisen und den Forint frei umtauschen. Unter halbfeudalen Verhältnissen wird Freiheit meist auf so etwas reduziert." Und dann zum Beispiel bei der Kulturpolitik unter Orbán ein Auge zudrücken.

So seien neuerdings in den Schulen zwei Schriftsteller aus den 40er-Jahren, einer davon ein Antisemit, Pflichtlektüre: "Sie haben drittklassigen Heimatkitsch verfasst. Nobelpreisträger Imre Kertész hingegen wurde gestrichen."

Erosion der Rechtstaatlichkeit in Deutschland

Die Rechtsstaatlichkeit erodiert, analysiert der ehemalige Präsident des Bundesverfassungsgerichtes im Gespräch mit Thorsten Jungholt für die WELT. Der meint Ungarn, könnte der Leser denken und hoffen. Aber nein: Hans-Jürgen Papier spricht über Deutschland. Die Erosion der Rechtsstaatlichkeit habe zur Spaltung der Gesellschaft beigetragen.

Und das alles habe auch mit der Flüchtlingspolitik zu tun. Die Deutschen hätten da einen "Kontrollverlust" bei den politisch Verantwortlichen gespürt und außerdem, "dass die Anwendung geltenden Rechts oftmals politischer Opportunität und subjektiven moralischen Einstellungen geopfert" worden sei:

"Dies hatte die tiefe Skepsis in weiten Teilen der Gesellschaft gegenüber den Regierenden ausgelöst, weil die Leute sich sagten: Ich muss meinen Strafzettel bezahlen, das wird durchgesetzt bis zum Letzten, aber die da oben scheren sich nicht um Gesetz und Recht."

"Am Ende stehen Chaos und Anarchie"

In weiten Teilen der Bevölkerung und auch der Medien setze sich die Auffassung durch, die Demonstrationsfreiheit reiche nicht mehr aus, man brauche außerdem den "gezielten Rechtsbruch", um etwas positiv zu verändern. "Das halte ich für eine gefährliche Entwicklung, weil sich das natürlich steigern kann", erklärt der Ex-Präsident des Bundesverfassungsgerichtes. 

"Dann blockieren beispielsweise Abtreibungsgegner Arztpraxen und Tierschützer zünden Ställe an. Da kann man sich vieles ausdenken. Am Ende stehen dann Chaos und Anarchie." Dabei hätten wir Deutschen eine sehr gute Verfassung. Nur nütze die nichts, wenn das geltende Recht nicht mehr für jeden gelte. Dann sei die Verfassung "irgendwann nur noch Verfassungsprosa."

Methoden der oft dreisten Kunstfälscher

Mehr zum geltenden Recht in Deutschland findet sich im neuen SPIEGEL: "Der Besitz einer Fälschung ist hierzulande nicht strafbar, wenn sie vom Eigentümer im guten Glauben erworben wurde", erklärt der Kunsthistoriker und -experte Hubertus Butin. Deshalb würden die Fälschungen oft irgendwann wieder in den Kunstmarkt gelangen.

Das "Problem der ewigen Wiederkehr" nennt Butin das. Und erzählt einiges über die Methoden der oft dreisten Kunstfälscher: "Einige Betrüger scannen sogar einfach Bilder aus Büchern, drucken sie mit einem billigen Gerät aus, fälschen die Signatur und geben sie als Druckgrafik des Künstlers aus."

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